Weinland Italien - Teil 1

Unterwegs im Weinland Italien: vom DOCG-Wein bis zum Super-Toskaner


Für viele ist Italien das Weinland schlechthin. Unser Weinfreund Stefan Behr zählt sich selbst zu den Italien-Fans und erklärt uns mit viel Sorgfalt und Begeisterung warum.

Grundsätzliches und die Regionen vom Aostatal bis Kampanien

Mit unserer Reihe über internationale Weinländer waren wir bereits in Österreich und Neuseeland zu Gast. Dieses Mal statten wir dem Weinland Italien einen weinfreundschaftlichen Besuch ab – was etwas Selbstbeschränkung verlangt, wenn man nicht die Übersicht verlieren will. Denn wenn man so will, ist Italien das „Land des Weines“ schlechthin. Nichts anderes bedeutet das griechische „Oinotria“, mit dem die Hellenen in vorchristlicher Zeit Italien bezeichneten. Knapp drei Jahrtausende Weinkultur sind aber nur die eine Geschichte, die der italienische Stiefel zu erzählen hat. Es ist vor allem die große Vielfalt der Weinregionen, der Weinstile und nicht zuletzt der Rebsorten, die eigentlich eine Enzyklopädie verlangen und keinen Magazin-Beitrag.

Deshalb möchte ich nur kurz auf die typisch italienischen Rebsorten und die Qualitätsbezeichnungen für italienische Weine eingehen, bevor ich mich – ordentlich alphabetisch, um nicht die Geographiekenntnisse überzustrapazieren – den einzelnen Weinregionen zuwende. So ist beileibe nicht alles gesagt, aber zumindest genug, um sich weinfreundschaftlich dem großen Weinland Italien zu nähern.

Weinland Italien Karte

Italienische Rebsorten: Vielfalt und Hochkultur

Sangiovese und Nebbiolo, Barbera und Montepulciano: Bereits die Namen dieser roten Rebsorten haben Klang und lassen jeden Weinliebhaber aufhorchen. Für die weißen Trebbiano und Vernaccia, Arneis und Cortese gilt dies nicht minder. Dabei ist die Vielfalt der Trauben wesentlich größer. Rund 2000 unterschiedliche Rebsorten sind im Weinland Italien nachgewiesen, etwa 400 davon sind für die Weinherstellung zugelassen. Sie stellen den großen Reichtum des Weinlandes dar, der von Südtirol bis Sizilien in jeweils ganz eigener Art aufleuchtet. Unmöglich, alle Rebsorten hier vorzustellen, um so mehr gilt der generelle Tipp, in die einzelnen Anbaugebiete zu schauen, in denen sich der Stellenwert der Rebsorten für die Weine greifbarer zeigt.

In Sachen Qualität nehmen es die Weinbehörden sehr genau. Den Anfang machte das Weingesetz von 1963, das seitdem fortlaufend ergänzt und überarbeitet wurde. Abhängig von den Vorgaben in den einzelnen Anbaugebieten besteht die Qualitätspyramide der italienischen Weine aus vier Stufen.

Vier Qualitätsstufen: aber aufgepasst

Die Basis bilden die einfachen Tafelweine, die lediglich ein weiß (bianco) oder rot (rosso) auf dem Etikett führen. Weitere Angaben zu Herkunft, Rebsorte oder auch Jahrgang stehen einem Vino da Tavola (VdT) nicht zu. Dies ändert sich mit den sogenannten IGT-Weinen. IGT steht für „Indicazione Geografica Tipica“ und verweist darauf, dass der Wein ein typisches regionales Merkmal besitzt. Dies kann sich in der Nennung der Region wie zum Beispiel beim „D’Albola, Oso Toscana“ oder einer Rebsorte wie beim „Teuta Nero d’Avola“ kundtun.

Deutlich spezifischer wird es bei den DOC-Weinen. Sie verweisen als Vertreter einer „Denominazione di Origine Controllata“ nicht nur auf ein klar umrissenes Anbaugebiet, sondern müssen zudem die strengen Vorgaben der Weinbehörden erfüllen, die nur bestimmte Rebsorten zulassen oder auch besondere Herstellungsverfahren verlangen. Weine, die den Status DOC erhalten wollen, müssen die vorgeschriebene Qualität zuvor über fünf Jahre nachweisen. Zurzeit gibt es 332 verschiedene DOC Appellationen – aber das ist noch nicht die offizielle Spitzenqualität.

Auf die Spitze getrieben: DOCG und „Super-Toskaner“

Höchste Qualität bescheinigt einem Wein der Status „Denominazione di Origine Controllata e Garantita“. Ein DOCG-Wein ist also ein Wein mit kontrollierter und garantierter Herkunftsbezeichnung. Insgesamt 72 Anbaugebiete dürfen diesen Titel tragen, für den noch restriktivere Vorgaben zu erfüllen sind. So kann auch nur DOCG werden, wer zuvor mindestens fünf Jahre DOC war. Neben der DOCG-Nennung dürfen diese Weine auch Verweise auf eine Unterzone, einen Ortsteil, eine Mikroklima-Zone oder das Weingut auf dem Etikett führen.

Zusätzliche Bezeichnungen zur Qualität sind das „Superiore“ für Weine, die die gesetzlichen Vorgaben übererfüllen, „Riserva“ für besonders lange im Holz ausgebaute Weine oder auch „Classico“, womit besonders traditionsreiche Lagen ausgezeichnet werden. Ähnlich wie bei den Rebsorten liegt auch bei den genauen Qualitätsvorgaben der Teufel im Detail des jeweiligen Anbaugebiets. Mitunter gibt es dort noch einmal eigene Qualitätsbezeichnungen wie beispielsweise die „Gran Selezione“ in der Toskana. Das Beispiel der „Super Toskaner“ zeigt hingegen, dass sich auch hinter einem IGT-Etikett ein international prämierter Edeltropfen verbergen kann. In diesem Falle verzichten die Winzer ganz bewusst auf die Erfüllung der Vorgaben des regionalen Verbands und verwenden beispielsweise andere Rebsorten, um uneingeschränkt ihre eigenen Qualitätsvorstellungen auf die Flasche zu bekommen.

Italiens Weinregionen von A bis Z

Lange habe ich gezaudert, bevor ich mich an die Kurzbeschreibungen der Weinregionen gesetzt habe. Aber letztlich macht diese beeindruckende Liste mit ihren klangvollen Namen, Weinen und Rebsorten noch einmal deutlich, dass es die Vielfalt ist, mit der das Weinland Italien zu überzeugen weiß.

Abruzzen

Abruzzen Weinland Italien

Mit den Weinen aus den Abruzzen wird der Weinfreund schnell glücklich. Die Region an der Adriaküste Mittelitaliens ist vor allem für den „Montepulciano d’Abruzzo“ (DOC) bekannt. Neben Montepulciano, Barbera und Sangiovese sind es aber auch die französischen Rebsorten Cabernet Sauvignon und Merlot, die man in den Abruzzen anbaut. Aus dieser Region stammen eine DOCG-Appellation sowie acht DOC-Anbaugebiete.

1 DOCG Wein

Montepulciano d’Abruzzo Colline Teramane als Subzone des Montepulciano d’Abruzzo.

8 DOC-Weine

Abruzzo, Cerasuolo d’Abruzzo, Controguerra, Montepulciano d’Abruzzo, Terre Tollesi oder Tullum, Trebbiano d’Abruzzo, Ortona, Villamagna.

Montepulciano d'Abruzzo 2017
Unsere Empfehlung aus der Region
Tenuta De Angelis
Montepulciano d'Abruzzo 2017

 

Aostatal

Aostatal Weinland Italien

Das Tal der Aosta fällt mengenmäßig kaum ins Gewicht. Wie eine Schlange windet sich die schmale Zone in Richtung Mont Blanc. Aufgrund des kühleren Klimas und der Höhe des Anbaugebiets – hier finden sich Rebflächen in einer Höhe bis zu 1200 Metern – haben die Weine eine eigene Ausprägung. Über 20 Rebsorten lassen die DOC-Vorgaben zu, darunter einheimische Rebsorten wie Petit Rouge und Vien de Nus, aber auch internationale Rebsorten wie Chardonnay, Gamay und Merlot. Insbesondere die trocken ausgebauten Weißweine sind im Sommer als weinige Erfrischung sehr gefragt. Allerdings gelangen nur wenige Aosta-Weine in den Export, dafür ist die Appellation mit nicht einmal 650 Hektar einfach zu klein.

In der Region gibt es mit dem „Valle d’Aosta“ nur eine DOC Appellation, die allerdings sieben Unterzonen zählt: Blanc de Morgex et de La Salle, Enfer d’Arvier, Torette, Nus, Chambave, Arnad-Montjovet und Donnaz (oder Donnas)

Apulien

Apulien Weinland Italien

Diese Region bildet den Absatz des italienischen Stiefels und streckt sich über 400 Kilometer entlang der Adriaküste. Sind die meisten Weinregionen von Hügel- oder Berglandschaften geprägt, bietet Apulien ein im wesentlichen flaches Profil, das von einigen Hochebenen durchbrochen wird. Das Klima ist heiß und trocken, allerdings kühlt es während der Nacht deutlich ab, was einem die Weine danken.

Drei Viertel der Fläche ist den roten Rebsorten vorbehalten, darunter einige autochthone Sorten, denen man in Apulien traditionell viel Beachtung schenkt. Die wichtigsten, aber nicht die einzigen, roten Rebsorten sind Aglianico, Aleatico, Barbera, Bonifacienco, Bombino Nero, Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon.
Für die Weißweine werden Bombino Bianco, Fiano, Falanghina, Impigno, Moscato di Trani und Verdeca kultiviert. Apulien ist flächenmäßig die zweitgrößte Weinregion und verfügt über vier DOCG und 28 DOC-Appellationen.

4 DOCG-Weine

Castel del Monte Bombino Nero, Castel del Monte Nero di Troia Riserva, Castel del Monte Rosso Riserva, Primitivo di Manduria Dolce Naturale

28 DOC-Weine

Aleatico di Puglia (in allen Zonen der Region), Alezio, Barletta, Brindisi, Cacc’e mmitte di Lucera, Castel del Monte, Colline Joniche Tarantine, Copertino, Galatina, Gioia del Colle, Gravina, Leverano, Lizzano, Locorotondo, Martina Franca, Matino, Moscato di Trani, Nardò, Negroamaro di Terra d’Otranto, Orta Nova, Ostuni, Primitivo di Manduria, Rosso di Cerignola, Salice Salentino, San Severo, Squinzano, Tavoliere delle Puglie oder Tavoliere, Terra d’Otranto

Miluna Primitivo Salento 2018
Unsere Empfehlung aus der Region
Cantine San Marzano
Miluna Primitivo Salento 2018

 

Basilikata

Weinland Italien Basilikata

Rund um das süditalienische Potenza liegt die Region Basilikata – mit Apulien, Kalabrien und Kampanien als Nachbarn. Aufgrund der Geographie ist die Anbaufläche in viele Parzellen unterteilt, die oftmals weniger als einen Hektar zählen. Das erschwert die Qualitätseinordnung, so dass das kleine Basilikata nur ein DOCG und vier DOC-Gebiete zählt. Doch in den vergangenen Jahren haben einige Winzer der Region immer wieder für internationales Aufsehen gesorgt, insbesondere mit Rotweinen aus dem roten Aglianico, der sich mehr und mehr zum Kennzeichen der Weinregion entwickelt.

1 DOCG-Wein

Aglianico del Vulture Superiore

4 DOC-Weine

Aglianico del Vulture, Grottino di Roccanova, Matera DOC, Terre dell’Alta Val d’Agri

 

Emilia Romagna

Emilia-Romagna

Wer an Schinken und Käse denkt, wenn er Emilia Romagna hört, liegt nicht ganz falsch. Es sind die kulinarischen Genüsse, die den Ruf dieser Region prägen, welche sich parallel zum Apennin von der Adriaküste bei Rimini über Bologna und Parma ins Landesinnere zieht. Mit nicht ganz 60.000 Hektar Anbaufläche zählt die Emilia Romagna zu den größeren Weinregionen im Weinland Italien. Zumeist sind es eher frische, leichte Weine von einfacher Stilistik, die hergestellt werden, gern auch als Schaumwein. Insbesondere die Frizzante und Spumante aus Lambrusco haben so ihren Ruf.

Allerdings hat man in den vergangenen Jahren in der Emilia Romagna an der Qualitätsschraube gedreht und die Vorschriften für die Qualitätsweine deutlich verschärft. Mittlerweile sind über ein Viertel der Weine aus der Region DOCG- und DOC-Weine, die aus einem der 20 kontrollierten Anbaugebiete stammen.

2 DOCG-Weine

Romagna Albana, Colli Bolognesi Classico Pignoletto.

18 DOC-Weine

Bosco Eliceo, Colli Bolognesi, Colli d’Imola, Colli di Faenza, Colli di Parma, Colli di Rimini, Colli di Scandiano e di Canossa, Colli Piacentini, Colli Romagna Centrale, Gutturnio, Lambrusco di Sorbara (DOC), Lambrusco Grasparossa di Castelvetro, Lambrusco Salamino di Santa Croce, Modena oder Di Modena, Ortrugo dei Colli Piacentini oder Ortrugo-Colli Piacentini, Reggiano, Reno, Romagna.

Terre del Sasso Sangiovese 2017
Unsere Empfehlung aus der Region
Contri
Terre del Sasso Sangiovese 2017

 

Friaul

Friaul Weinland Italien

Ganz offiziell heißt diese Weinregion Friaul-Julisch Venetien und nimmt den nordöstlichen Zipfel im Weinland Italien ein, mit direkter Grenze zu Österreich und Slowenien. Anfänglich stand die Region für Rotweine und noch vor fünfzig Jahren dominierte der Merlot, der in eher einfacher Qualität ausgebaut wurde. Mittlerweile haben die Winzer das Friaul zur ersten Adresse für italienischen Weißwein gemacht. Nun geben Bianchetta Trevigiana, Chardonnay, Glera, Malvasia und Consorten den Ton an und schenken dem Weinfreund meist körperreiche Weine mit klarer Struktur ins Glas.

Nachdem der Friaul anfänglich stark auf internationale Rebsorten setzte, ist mittlerweile eine stärkere Besinnung auf die einheimischen Sorten wie dem weißen Friulano zu beobachten. Insgesamt sind vier DOCG- und zehn DOC-Zonen in Friaul ausgewiesen.

4 DOCG-Weine

Colli Orientali del Friuli Picolit, Lison, Ramandolo, Rosazzo

10 DOC-Weine

Carso, Collio Goriziano, Friuli-Annia, Friuli Aquileia, Friuli Colli Orientali, Friuli Grave, Friuli Isonzo, Friuli Latisana, Lison Pramaggiore, Prosecco

 

Kalabrien

Kalabrien Weinland Italien

Wenden wir uns im Weinland Italien der Stiefelspitze zu, blicken wir nach Kalabrien. Die Weinregion hat eine lange Tradition und war bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts für den Cirò bekannt. Doch zur anschließenden Verarmung der Region gesellte sich der Niedergang des Weinbaus, inzwischen sind Zitrusfrüchte und Oliven die wichtigeren Produkte. Doch hält dies die Winzer nicht davon ab, mit neuem Schwung und gewachsenem Qualitätsbewusstsein wieder ausgezeichnete Weine zu machen. Einige Beobachter trauen Kalabrien gar einen ähnlichen Aufschwung wie Sizilien und Apulien zu.

Die wichtigsten Rebsorten sind Aglianico, Alicante, Barbera, Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon, Nero d’Avola und vor allem Gaglioppo und bei den weißen Rebsorten Ansonica, Chardonnay, Greco Bianco und  Malvasia Bianca di Candiaaber auch Pinot Bianco, Riesling Italico und Sauvignon Blanc. Neun DOC-Appellation sind in Kalabrien zu finden, allerdings keine DOCG-Zone.

9 DOC-Weine

Bivongi, Cirò, Greco di Bianco, Lamezia, Melissa, Sant’Anna di Isola Capo Rizzuto, Savuto, Scavigna, Terre di Cosenza.

 

 

Kampanien

Kampanien Weinland Italien

Diese Region gehört zu den ältesten Weinbaugebieten Italiens und war in der Antike ungefähr so berühmt, wie für uns heute das Burgund oder Bordeaux. Die Reben profitieren von den fruchtbaren Böden vulkanischen Ursprungs, zudem schützen die Berge die Anbauflächen und das Meer bringt zur Nachtzeit die notwendige Abkühlung. Kampanien ist eine Rotwein-Region, wobei die meisten roten Rebsorten einheimische sind, allen voran Aglianico, aber auch Barbera und Primitivo. Bei den weißen Rebsorten sucht man die internationalen Reben vergeblich: Malvasia, Trebbiano und Verdeca sowie weitere autochthone Sorten herrschen hier vor.

In den vier DOCG-Appellation sowie den 19 DOC-Zonen wird zunehmend auf mehr Qualität geachtet. Allerdings machen die DOCG- und DOC-Weine gerade mal fünf Prozent der Produktionsmenge aus. Da ist noch viel Luft nach oben. Von der Wein-Gesamtproduktion entfallen nur drei Prozent auf DOC-Weine, aber die Qualitätsbemühungen der vergangenen Jahre machen sich bereits positiv bemerkbar.

4 DOCG-Weine

Aglianico del Taburno, Fiano di Avellino, Taurasi, Greco di Tufo.

15 DOC-Weine

Aversa, Campi Flegrei, Capri, Casavecchia di Pontelatone, Castel San Lorenzo, Cilento, Costa d’Amalfi, Falanghina del Sannio, Falerno del Massico, Galluccio, Irpinia, Ischia, Penisola Sorrentina, Sannio, Vesuvio.

Lesen Sie auch Teil 2 unseres Beitrags über das Weinland Italien: Die Regionen von Latium bis Venetien

 

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