Geologie und Wein

Eine Frage des Bodens

In unserem Weinfreunde-Magazin informieren wir bereits über die Bedeutung von Weinlagen, erklären, was mit  Mineralität gemeint ist und wie Terroir zu verstehen ist. In all diesen Artikeln spielt der Boden, auf dem die Reben gedeihen, eine entscheidende Rolle. Grund genug, um sich dem Thema nochmals separat zu widmen. Unser Hobby-Geologe Alex Becker mimt für uns die Steinlaus.

 Die Böden, auf denen Rebstöcke gedeihen, haben einen enormen Einfluss auf den Wein. Nicht nur in Bezug auf die Aromen, die sich an der Nase offenbaren, sondern auch der Säuregehalt und die Struktur des Weines werden von den unterschiedlichen Bodentypen mitgeprägt.  Als Faustformel lässt sich gut merken, dass Weine von gesteinsreichen Böden meist frischer, klarer und schlanker daherkommen als Weine von lehmigen oder tonhaltigen Böden, die eher Weine hervorbringen, die eine satte Struktur und weniger Säure besitzen. Da eine große Vielzahl an Bodenbeschaffenheiten existiert, möchte ich im Folgenden einen Überblick in Glossarform geben. Doch weder erhebt diese Übersicht Anspruch auf Vollständigkeit, noch gibt sie eine konkrete Vorstellung von der daraus resultierenden Weinstilistik.

Selbstversuch: zwei Böden, zwei Weine

Als Anstoß für eine kleine, selbst durchgeführte Weinverkostung möchte ich einen Weißwein und einen Rotwein aus dem Weinfreunde-Shop vorstellen, um einen Eindruck davon zu erlangen, wie sehr der Boden Einfluss auf die Charakteristik des Weines nehmen kann. Der Pouilly-Fumé 2016 von der Domaine Yvon & Pascal Tabordet ist ein reinsortiger Sauvignon Blanc von der Loire. Dabei steht der Name Pouilly-Fumé nicht nur für die Weinregion, sondern auch für eine typische Eigenschaft der Weißweine von dort. „Fumé“ lässt sich mit geräuchert/verbrannt übersetzen und stellt damit einen direkten Bezug zu den durch Feuerstein geprägten Böden der Gegend her. Und in der Tat: Der Wein kommt durch den gesteinsreichen, wasserdurchlässigen Boden sehr frisch und schlank daher, doch wohnt ihm sowohl an der Nase als auch am Gaumen eine rauchige Komponente inne, die den Wein unwahrscheinlich interessant und eigenständig macht.

Obwohl die südliche Rhône in Frankreich eher für Weine von Kiesel geprägten Böden steht, existieren auch dort Ausnahmen. So wachsen die Reben für den Les Audacieux Cairanne Côtes du Rhône Villages 2015 von der Cave Ortas auf weißen und roten Tonböden. Ganz typisch für die Villages-Lage Cairanne. Dieser Boden zeichnet sich wenig überraschend durch seine guten Eigenschaften in punkto Wasserspeicherung aus. Dieser kompakte, nährstoffreiche Boden lässt einen Rotwein entstehen, der tintig-rot ins Glas fließt und über eine intensive, körperreiche Stilistik verfügt. Der vergleichsweise saure Boden sorgt aber für ein gutes Gegengewicht und bringt Frische in den Wein. Und noch eine Besonderheit: Die in der Gegend wachsenden Kräuterpflanzen („Garrigue“) haben ebenfalls aromatischen Einfluss auf den Südfranzosen und so lassen sich feine Noten von Lavendel, Rosmarin und wildem Thymian entdecken. Probieren lohnt sich also. Insbesondere im Kreis mit anderen Weinfreunden eine spannende Möglichkeit, den großen Kosmos Wein einmal mehr zu erforschen – und dabei auf dem Boden zu bleiben.

Glossar Weinböden

Albariza („weiße Erde“)  

Boden Wein

– durch Kieselgur, Schalen fossiler Kieselalgen gebildeter Boden, der im Sherry-Gebiet Südspaniens zu finden ist.

Alluvium

– hoch fruchtbarer Boden, der durch einen urzeitlichen Fluss angeschwemmt wurde. Enthält oft Kies, Sand und Schluff (lehmiger Sand).     .

Basalt

– vulkanisches Gestein, das reich an Kalzium, Eisen und Magnesium ist. Basalt enthält viel Kalk und Soda und ist reich an Mineralstoffen. Das harte, langsam verwitternde Gestein bildet gute Böden und ergibt Weine mit ansprechender Säure.

Boulbènes

– feiner, kieselhaltiger Boden, der leicht komprimiert und in der Region Entre-Deux-Mers in Bordeaux zu finden ist.

Buntsandstein

– buntfarbiger, meistens roter Sandstein mit tonigen Komponenten. Entstand aus Abtragungsschutt von Gebirgen.

Feuerstein

– Kieselstein, der die Wärme gut reflektiert und speichert. Die Pouilly-Fumé-Weine des Loire-Tals werden in der Regel auf Feuerstein geprägten Böden gezogen und erhalten so ihr typisch „verbranntes“ Aromaprofil.

Galestro

– blaugrauer Kalkstein-Schiefer, der in der Region Toskana (insbesondere im Chianti Classico) in Italien zu finden ist.

Gips

– calciumsulfathaltige Erde, die durch Verdunstung von Meerwasser gebildet wurde. Gips gibt einen hochabsorbierendern Boden mit durchschnittlicher Drainagefähigkeit ab. Er ist oft mit Ton und Mergel versetzt.

Glimmer

– silikathaltige Erde aus feinen, zersetzten Gesteinsformationen.

Gneis

– mittel- bis grobkörnige Metamorphite, die unter hoher Druck- und Temperatur-Einwirkung durch Umwandlung aus anderen Gesteinen entstanden sind. Der Name leitet sich von dem altdeutschen „Geneus“ ab (taubes, festes Gestein zwischen den Erzgängen).

Granit

Boden Wein

– besteht zu 40 bis 60 Prozent aus Quarz und zu 30 bis 40 Prozent Feldspat sowie geringen Mengen an Hornblende, Glimmer und anderen Mineralien. Dieser Boden erwärmt sich schnell und speichert die Wärme gut. Granit sorgt für eine Reduzierung der natürlichen Säure in den Beeren. Bei säurehaltigen Trauben ideal. Wichtiger Bodentyp im Elsass, Beaujolais und in weiten Teilen der nördlichen Rhône.

Grauwacke

– Sedimentboden, der von urzeitlichen Flüssen gebildet wurde und Quarz, Tonstein sowie Feldspat enthält. Diesen Boden findet man in Südafrika und Neuseeland sowie an der Ahr, an Mosel, Mittelrhein und im Rheingau. Trivia: der Loreley-Felsen bei St. Goarshausen besteht aus Grauwacke.

Kalkhaltiger Boden

– alkalische Böden mit hohem Gehalt an Calcium und Magnesiumcarbonat. Sorgt für kühle Temperaturen im Boden. Speichert Wasser gut, lässt es aber auch nicht aufstauen. Kalkhaltige Böden neutralisieren die natürliche Säure des Bodens. Die kühlen Temperaturen des Bodens verzögern die Reifung in der Traube und sorgen für eine gute Säure. Kalkstein entstand als Sedimentgestein im Meer durch Ablagerung von beispielsweise Muscheln („Muschelkalk“).

Kalkstein

– Boden auf Sedimentbasis, bestehend aus Carbonaten. Der häufigste farbige Kalkstein, der im Weinanbaugebiet gefunden wird, ist grau in der Farbe (mit Ausnahme von weißer Kreide). Die Wasserrückhaltefähigkeit variiert nach Zusammensetzung, aber Kalkstein ist durchweg alkalisch und wird in der Regel mit Trauben mit hohem Säuregehalt bepflanzt.

Kies

Boden Wein

– lose, kieselsäurehaltige Erde mit gutem Wasserdurchfluss, aber vergleichsweise schlechter Fruchtbarkeit. In dieser Art von Erde gepflanzte Reben müssen tief in den Untergrund eindringen, um Nährstoffe finden. Weine aus Reben auf Lehmkiesbetten haben weniger Säure als solche auf Kalksteinkiesbetten. Die Graves- und Sauternes-Regionen im Bordeaux bestehen überwiegend aus kieshaltigen Böden.

Kieselsteine

– Böden aus saurem Gestein, die kristallin sind. Die Kiesel können dabei unterschiedlich groß ausfallen. Der Boden bietet eine gute Wärmespeicherung, benötigt aber die zusätzliche Zusammensetzung aus Schluff, Ton und anderen sedimentären Böden, um jegliche Art von Wasserrückhalt zu erhalten. Böden mit kleineren Kieseln sind häufig im Bordeaux zu finden. Besonders große Kiesel finden sich an der südlichen Rhône.

 Kreide

– sehr poröser weicher Kalksteinboden, den die Rebwurzeln leicht durchdringen können. Er bietet eine gute Wasserdurchdringung und eignet sich durch seine pH-ausgleichende Eigenschaft am besten für Trauben mit hohem Säuregehalt.

Lehm

– warmer, weicher, fruchtbarer Boden, der zu etwa gleichen Teilen aus Schluff, Sand und Ton besteht. Durch die extreme Fruchtbarkeit müssen zur Erreichung hoher Weinqualitäten die Erträge klein gehalten werden. Solche Böden ergeben vollmundige, kräftige Weine.

Llicorella

– eine Bodenart, die durch die spanische Appellation Priorat bekannt wurde. Der Boden ist eine Mischung aus Schiefer und Quarz. Er ist sehr porös und lässt somit einen guten Durchfluss mit Wasser zu. Die im Priorat typischen Rebsorten Syrah, Grenache und Carignan eignen sich für diesen Boden ausgesprochen gut.

Löss/Löß

Boden Wein

– sehr feiner, Sedimentboden, der vorwiegend aus Quarz, Sand und Ton besteht. Der Boden ist sehr fruchtbar und bietet eine gute Wasserspeicherung. Er hat wärmespeichernde Eigenschaften, führt Wasser aber schlecht ab. In Großbritannien als „Brickearth“ bekannt.

Mergel

– kalkhaltiger Lehmboden. In dieser Bodenart gepflanzte Reben reifen normalerweise später als in anderen Bodentypen. Es ist der wichtigste Bodentyp im italienischen Piemont-Gebiet.

Porphyr

– Sammelbegriff für vulkanische Böden mit großen Kristallen in einer feinkörnigen, glasigen Grundmasse. Sie sind zum Beispiel in Südtirol und an der Nahe zu finden und lassen säurearme Weine entstehen.

Quarzit

– Material, das in den meisten Weinbergböden als Bestandteil vorkommt – insbesondere auf Sand- und Schluffböden. Der hohe pH-Wert der Quarz geprägten Böden kann den Säuregehalt der resultierenden Weine reduzieren, aber seine wärmespeichernde Eigenschaft beschleunigt die Reifung der Trauben und kann so zu einem höheren Alkoholgehalt führen.

Rotliegend(es)

– auffällig rot gefärbte Gesteinsschichten, die sich vom erdgeschichtlichen Zeitabschnitt des Rotliegend ableitet, in dem diese Formationen gebildet wurden. Die Rotfärbung wird durch eine feinverteilte Eisenablagerung verursacht.

Sand/Sandstein

Boden Wein

– warmer, luftiger Boden, der aus winzigen Partikeln von verwittertem Gestein besteht. Als einer der wenigen Böden, in denen die Reblaus nicht gedeiht, entwässert der Boden gut, hat aber keine gute Wasserspeicherung. Sandstein hingegen ist ein sedimentärer Boden, der aus Sandpartikeln besteht, die unter Druck von verschiedenen Eisenmineralen gebunden wurden.

Schiefer

– auch Lay genannte Bodenart, die abhängig von den weiteren Bestandteilen in unterschiedlichen Farbtönen daherkommen kann. Zum Beispiel als durch Eisen geprägter Rotschiefer. Schiefer ist ein plattenähnliches, brüchiges Gestein, das entsteht, wenn Ton oder Schluff tief in der Erde unter Druck gesetzt werden. Als dunkles Gestein besitzt Schiefer ein ausgezeichnetes Wärmespeicherungsvermögen und ist dadurch besonders in kühleren Klimabereichen für den Weinbau optimal geeignet. Dieser mineralreiche Bodentyp kommt vielerorts in Europa vor, ist aber vor allem durch Riesling-Weine von der Mosel weltweit bekannt.

Schluff

– Bodenart, die aus feinkörnigen Ablagerungen besteht, die eine gute Wasserspeicherung, aber schlechte Entwässerung bietet. Er ist fruchtbarer als Sand.

Silex

– eine auf Feuerstein und Sand basierende Bodenart, die hauptsächlich im Loire-Tal vorkommt und aus einer Mischung von Lehm, Kalkstein und Kieselerde gebildet wird.

Terra Rossa

– ein sedimentärer Boden, als „Rote Erde“ benannt, der durch die Auswaschung von Carbonaten aus Kalkstein entstand. Dieser Abbau hinterlässt Eisenablagerungen, die den Boden oxidieren und in eine rustikale rote Farbe verwandeln. Dieser Bodentyp findet sich in einigen Gebieten entlang des Mittelmeers und im australischen Coonawarra. Der Boden entwässert gut und ist relativ nährstoffreich.

Ton

Boden Wein

– Boden aus Sedimentgestein, das aus übereinanderliegenden Plättchen besteht. In den Zwischenräumen dieser Plättchen kann Wasser gut gespeichert werden, allerdings auch vergleichsweise schlecht abfließen. Der Boden ist oft sehr kühl und säurehaltig. Das rechte Ufer von Bordeaux wird von Ton geprägten Böden dominiert.

Vulkanischer Boden

– Böden, die aus zwei verschiedenen, vulkanischen Aktivitäten gebildet worden sein können: Entweder aus Gesteinsmaterial, das bei einem Vulkanausbruch in die Luft geschleudert wurde und sich dann auf der Erde ablagerte oder aus abgekühltem Gestein direkt aus dem Lavastrom. Neunzig Prozent des lavabasierten Bodens bestehen aus Basalt, die restlichen zehn Prozent bestehen aus Andesit, Pechstein, Rhyolith und Trachyt.

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