Côtes du Rhône

Sehnsuchtsorte und traumhafte Weine

Weinfreund Jürgen Overheid outet sich als großer Fan der Weine von der südlichen Rhône. Warum es gerade diese Weine sind, die ihn so begeistern, verrät er in seinem Portrait des Anbaugebiets.

Auf manche Dinge im Leben ist einfach Verlass. Dazu zählen in meinem persönlichen als Weinfreund auf jeden Fall die Weine von der südlichen Rhône. Ich liebe die Frucht des Grenache, die Würze des Syrah und die Kraft des Mourvèdre.  Mich überzeugt die Vielfalt der Weine, welche die Winzer der Côtes du Rhône daraus hervorbringen. Wenn es so etwas wie eine Seelenverwandtschaft zwischen einem Weinliebhaber und einer bestimmten Region, ihren Rebsorten und Stilen gibt, dann kann das für mich nur die Côtes du Rhône sein. So wahr mir Gott in Frankreich helfe!

Aber etwas genauer: Es geht um die Weine, die aus den Appellationen rund um die alte Papstresidenz Avignon stammen. Für mich entstehen hier insbesondere Rotweine, die für jeden Weinfreund etwas zu bieten haben. Um die Qualitäten der Region besser einschätzen zu können, hilft der Blick auf die hierarchische Anordnung der vielen Anbaugebiete an der südlichen Rhône. Die Anbaugebiete der nördlichen Rhône weisen schon wieder eine andere Ausprägung auf und verlangen daher eine separate Berichterstattung. Immerhin zählt das gesamte Rhônetal mit rund 70.000 Hektar zu den großen Weinregionen in Frankreich.

Weinbauregion Côtes du Rhône

Von Côtes du Rhône bis Châteauneuf-du-Pape

Die gern als „einfache“ Qualität bezeichneten Weine erkennt man an der allgemeinen Bezeichnung AOC Côtes du Rhône. Rund die Hälfte trägt diese Kennzeichnung. In der Hierarchie steht darüber die AOC Côtes du Rhône Villages, die bessere Lagen zusammenfasst, die sich quer durch die Groß-Appellation Côtes du Rhône ziehen. Insbesondere die Bodenbeschaffenheit hebt diese Lagen hervor, die Weine sind dementsprechend strukturierter und komplexer als die „einfachen“ Côtes du Rhône-Weine.

Das französische „Village“ bezeichnet übrigens ein Dorf oder einen Ort. Während uns die AOC Côtes du Rhône Villages noch einen konkreten Namen vorenthält, gibt es jedoch auch Villages-Weine, die auf dem Etikett den Namen der Ortschaft ausdrücklich führen dürfen. Beispiele sind die AOC Côtes du Rhône Villages Visan, Gadagne oder Plan de Dieu. Kurzum es handelt sich um konkrete Ortslagen, die sich nochmals von den anonymen Villages-Weinen unterscheiden. Man muss diese Logik mit dem Namen nur weiterdenken, um sich merken zu können, dass die großen bekannten Anbaugebiete an der südlichen Rhône eben nur noch ihren Namen auf dem Etikett tragen. Der Klang dieser auch Crus genannten Einzellagen löst bei jedem Weinfreund reflexartig Vorfreude und einen feuchten Gaumen aus: Rasteau, Lirac, Gigondas … und zu allererst natürlich Châteauneuf-du-Pape. Weine aus diesen Anbaugebieten zählen für mich zur ersten Wahl unter den französischen Rotweinen überhaupt.

 Côtes du Rhône

Die neun Crus der südlichen Côtes du Rhône im Überblick

AOC Gigondas

Das Gebiet wird durch die „Dentelles de Montmirail“ von dem mitunter recht stark wehenden Mistral geschützt. Diese bereits von weitem sichtbaren Bergkämmen schenken dem Gigondas sein besonderes Klima mit sehr warmen Sommern und noch mehr Sonne. Weinfreunde, die körperreiche Weine mögen, werden den kräftigen, aromatischen Gigondas lieben.

AOC Vacqueyras

Dieses Anbaugebiet schließt sich südlich an dem AOC Gigondas an. Aus dem lateinischen „Tal der Steine“ leitet sich der Name ab und gibt damit auch einen Hinweis auf die Charakteristik der Böden. In den Weinen der AOC hat meist der Grenache das Sagen. Sie zeichnen sich durch eine besondere Aromatik aus, die mit Veilchen- und Lakritz-Noten die für den Grenache typische, rote Frucht begleitet.

AOC Vinsobres

Vinosobres zählt zu den weniger bekannten unter den ganz bekannten Cru-Appellationen und liegt weiter nördlich an der Drôme, die in die Rhône mündet. Erst seit 2006 zählt die AOC zu den Crus der Region. Die Weine aus Vinsobres bestechen mit ihren ausgeprägten Tanninstruktur und kräftigen Noten von schwarzer Frucht.

Beaumes de Venise AOC

Bekannt ist dieses Weinbaugebiet insbesondere für seinen Süßwein, den „Muscat de Beaumes de Venise“.  Seit über zehn Jahren stellt man aber auch Rotweine in der AOC her. Die „Dentelles de Montmirail“ prägen auch dieses Gebiet: Dafür stehen die in die steilen Hänge gesetzten Terrassen mit den Rebstöcken. Bereits die Griechen wussten dieses besondere Terrain für Wein zu nutzen. In den vorwiegend aus Grenache und Syrah gemachten Weinen, zeigen sich wieder rote Frucht und Würzigkeit, die aber oftmals um eine feine Mineralität bereichert werden.

AOC Rasteau

Auch im Rasteau wird Süßwein, der „Vin Doux“, hergestellt. Seinen Ruf verdankt die Appellation jedoch den exzellenten Rotweinen, die den Grenache mit Kraft und Spannung ins Glas bringen. Mit ihrer wunderbaren Struktur zählen die Roten aus dem Rasteau zu meinen Favoriten.

AOC Lirac

Gemeinsam mit der Roséwein-AOC Tavel ist Lirac die einzige Cru-Appellation, die am rechten Ufer der Rhône liegt. In diesem Bereich des großen Tals fällt weniger Regen als in den anderen AOC, den eigentlichen Unterschied machen aber die Böden. Große Rollkiesel sind überall zu sehen, die Galets, die die Zeiten schon vor Jahrtausenden angeschwemmt haben. Das erklärt, warum die Rotweine der AOC Lirac eleganter ausfallen.

Tavel AOC

Tatsächlich, so etwas gibt es nur an der südlichen Rhône, eine Appellation, die ausschließlich Rosé-Weine herstellt. Wie bei der Appellation auf der anderen Flussseite, der AOC Châteauneuf-du-Pape, spielt dabei der Papst, der im 14. Und Anfang des 15. Jahrhunderts in Avignon residierte, eine gewichtige Rolle. Er befand nämlich, dass der Rosé aus Tavel zu den besten seiner Art zähle, uns so wurde kurzerhand per Dekret angeordnet, dass in Tavel nur noch Roséweine hergestellt werden. Und beides gilt bis heute: dass nur Rosé produziert wird und dass sie zu den besten der Welt zählen.

AOC Châteauneuf-du-Pape

Der Name macht den päpstlichen Einfluss sofort deutlich. Allein deshalb sind die Weine der Appellation aber nicht so gut und so bekannt. Es sind erneut die Galets, die die entscheidende „Rolle“ spielen. Gletscher und der ihnen nachfolgende Strom rollten riesige Kiesel in Richtung Meer und ließen deren Reste den Winzern dankenswerterweise zurück. Ein roter Châteauneuf-du-Pape verlangt nach der hohen Kunst, die unterschiedlichen Rebsorten zur himmlischen Cuvée zusammenzuführen: Vor allem sind es Grenache, Syrah, Mourvèdre und auch Cinsault, die im Châteauneuf-du-Pape auf unnachahmliche Weise zusammenfinden: kraftvoll und aromatisch und vollkommen ausgewogen.

AOC Cairanne

Die jüngste der Einzellagen, die erst vor wenigen Jahren vom AOC Côtes du Rhône Villages Cairanne zur Einzellage und Cru aufgestiegen ist. In direkter Nachbarschaft zum renommierten Rasteau gelegen, tut sich die junge Einzellage noch etwas schwer. Ein Grund mehr sich den Rotweinen zu widmen, bekommt man doch Weine mit guter Tanninstruktur, die neben intensiven Fruchtaromen auch feine Mineralität und die typischen Garrigue-Aromen mitbringen.

Größer als man denkt: Luberon, Mont Ventoux und Costières de Nîmes

Zumindest in der Geographie der Anbaugebiete reicht die Appellation Côtes du Rhône deutlich weiter. Rechts der Rhône zählt noch die AOC Costières de Nîmes dazu, die unmittelbar an das Languedoc anschließt. Links des Flusses zieht sich das Anbaugebiet weit in die Provence hinein und schließt im Süden die AOC Côte du Luberon sowie nördlich davon die AOC Côte de Ventoux mit ein. Die Rotweine sind dicht und körperreich, geprägt vom warmen Klima, und oft bereichern sie die würzigen Aromen der Kräuter und Sträucher der Landschaft, unter Weinfreunden Garrigue genannt.

Côtes du Rhône

Un, deux, trois: Meine Weintipps von der Côte du Rhône

Noch eine weinfreundschaftliche Empfehlung gefällig? Nichts einfacher als das! Drei Weine habe ich ausgesucht, die selbstverständlich nur beispielhaft für den großen Weinreichtum der Region stehen können. Aber ein Anfang wäre gemacht.

L’Episcopal Châteauneuf-du-Pape 2010
feingereifter Rotwein zu einem fairen Preis
Ortas Cave de Rasteau
L’Episcopal Châteauneuf-du-Pape 2010

Beginnen wir direkt mit einem Stern der Region, einem Châteauneuf-du-Pape, der bereits acht Jahre Reife mitbringt und damit in einem Alter ist, in dem man ihm kaum widerstehen kann. Die Cuvée ist von klassischem Zuschnitt: 65 % Grenache, 25 % Syrah und 10 % Mourvèdre. Rund neun Monate reifte der L’Episcopal in großen Eichenfässern, zuvor dieselbe Zeit im Betontank.

Mit intensiver dunkler Frucht empfängt uns der Châteauneuf-du-Pape, dazu gesellen sich schnell Gewürzaromen. Der Wein ist rund, saftig und mit einem wunderbaren Abgang. Man könnte auch sagen: groß!

Plan de Dieu Les Audacieux Côtes du Rhône Villages 2018
Tiefe, Eleganz und Harmonie
Ortas Cave de Rasteau
Plan de Dieu Les Audacieux Côtes du Rhône Villages 2018

Der Les Audacieux stammt aus einer der Villages-Appellationen, die berechtigt sind, den Namen auf dem Etikett zu führen: Plan de Dieu. Die Cuvée setzt sich gleichfalls aus Grenache, Syrah und Mourvèdre zusammen. Dieser Wein hat Frucht, verfügt über einnehmende Tannine und besticht mit seinem ausgewogenen, eleganten Gesamteindruck. Großartiges Preis-Genuss-Verhältnis!

Les Grands Préaux Luberon Rosé 2018
samtig, intensiv und frisch
Famille Perrin
Les Grands Préaux Luberon Rosé 2018

Die Roséweine aus der Appellation Côte du Luberon haben in den vergangenen Jahren eine beachtliche Karriere hingelegt und verfügen auch dieses Jahr wieder über das Zeug, zum Liebling der Saison zu werden.

Dieser Rosé stammt von der Familie Perrin, die zu den großen, renommierten Herstellern an der Côtes du Rhône zählen. Spätestens nachdem sie in der Provence für das Ex-Traumpaar Brangelina den „Miraval“ kreiiert haben, sind sie nicht nur Weinfreunden ein Begriff. Ihr Rosé aus dem Luberon beschenkt einem mit allem, was man für einen Sommertag braucht: Leichtigkeit, Frische, dezente Fruchtnoten. Unbedingt kühl servieren, damit das Trinkvergnügen auf dem Punkt ist.

Ebenfalls lesenswert: Das Bordeaux: Ein Crash-Kurs in Sachen Rebsorten, Klassifikationen & Co.

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