Rosé-Wein

Was steckt hinter der rosaroten Fassade?


Einige Weinfreunde machen immer noch einen großen Bogen um Rosé-Wein. Irgendwie scheint ihnen diese vermeintliche “Mischform” von Rot- und Weißwein suspekt. Werden hier tatsächlich Rotwein und Weißwein miteinander vermengt? Für Kenner der Materie eine fast lächerliche Frage, aber irgendwo fängt man ja immer an.

Wie Rosé-Wein hergestellt wird

Eines vorab: In aller Regel – von Ausnahmen wie immer abgesehen – entsteht ein Rosé eben nicht durch das Verschneiden fertiger Rot- und Weißweine. Vielmehr gewinnt der Winzer einen Rosé aus roten Trauben und es gibt im Grunde nur drei Methoden der Herstellung.

1. Die “Mazerations”-Methode

Mit “Mazeration” bezeichnet man nichts anderes als die Zeit zu Beginn der Weinherstellung, in der der Most direkten Kontakt mit den Schalen hat. So ist es bei einem Rotwein nicht ungewöhnlich, wenn er zwei Wochen im Gärtank mit den Schalen verbringt, um an Farbe und Extrakt zu gewinnen. Bei einem Rosé-Wein beträgt der Schalenkontakt aber nur wenige Stunden, manchmal sogar nur Minuten. Dabei ist die Dauer des Schalenkontakts der Gratmesser für die Ausprägung der unterschiedlichen Rosé-Stilistiken: Je länger der Most mit den Schalen Kontakt hat, desto dunkler in der Farbe, aber auch desto voller und intensiver wird er im Geschmack.

2. Die Abpress-Methode

Diese etwa in der Provence beliebte Herstellungsmethode setzt voraus, dass der Most nicht gemeinsam mit den Schalen in einen Tank kommt, also überhaupt nicht mazeriert. Der Winzer presst die roten Trauben direkt, so dass der Saft nur eine leichte Rosafärbung annimmt. Auf diese Weise geben die Schalen nur wenig Farbe (und wenig Aroma) an den Most ab und er wird anschließend wie ein Weißwein weiter vinifiziert.

3. Die Saignée-Methode

Das französische Wort “Saignée” bedeutet wörtlich “Aderlass” und verrät dadurch schon etwas über die Herstellung: Auch hier gelangt der Most gemeinsam mit den Schalen in einen Tank und diese “bluten” dort ihre Farbe aus. Allerdings werden anschließend nicht die Schalen entfernt, sondern nach wenigen Stunden lässt der Winzer einen Teil (10-20 Prozent) des roséfarbenen Mosts ab, um ihn in einem eigenen Tank zu vinfizieren. Das Ergebnis ist vergleichsweise dunkler Rosé-Wein. Der verbleibende Most wird mit den Schalen weiter mazeriert und zu einem besonders kräftigen und farbintensiven Rotwein ausgebaut.

Die Vielfalt von Rosé

Gläser mit Rosé-Wein

Rosé-Wein: ein Kaleidoskop an Farbnuancen und Aromen.

Natürlich ist es falsch, einen Rosé zwangsläufig mit Restsüße in Verbindung zu bringen. Im Gegenteil, der überwiegende Teil der Rosés wird vollständig trocken auf die Flasche gezogen. Was mir dabei lange nicht wirklich klar war: Aromatisch erzeugen die verschiedenen Rosés ein eigenes Kaleidoskop. Zum einen bewirkt die variable Dauer des Schalenkontakts ganz unterschiedlich intensive Fruchtaromen und zum anderen entstehen Rosés aus verschiedenen Rebsorten, die ihren eigenen Charakter und ihre eigene Färbung mitbringen. Von den mannigfaltigen Anbaugebieten mal ganz abgesehen.

Im Folgenden habe ich mich an einer Zusammenfassung versucht, um neun typische Stilistiken und Rebsorten zu skizzieren:

Provence Rosé

Stil: Fruchtbetont und schlank.

Ein Rosé-Wein aus der Provence ist in der Regel ein frischer, spritziger und fruchtbetonter Wein, der sich bestens als vielseitiger Essensbegleiter macht. Die typischen Vertreter bestehen meist aus einem Verschnitt von Grenache, Cinsault, Syrah und Mourvèdre. Aromatisch erinnern sie am ehesten an Erdbeeren, Wassermelone und Rosenblätter. Zudem überzeugen gute Exemplare durch eine schöne Mineralität und eine feine Salzigkeit im Abgang.

Unsere Empfehlung: Miraval Côtes de Provence Rosé 2017

Pinot Noir Rosé

Stil: Fruchtbetont und fein.

Die feine Rebsorte Pinot Noir wird nicht allzu häufig zu einem Rosé-Wein ausgebaut. Wenn es geschieht, überzeugen gut gemachte Vertreter mit den typisch erdigen Aromen der Rebsorte, die wunderbar durch fruchtige Anklänge von Himbeeren, Erdbeeren und roten Äpfeln begleitet werden.

Mourvèdre Rosé

Stil: Fruchtbetont und blumig.

Die in Südfrankreich produzierten Rosés aus (vorwiegend) Mourvèdre sind meist etwas runder und vollmundiger als andere Rosés. Sie kommen an der Nase wunderbar floral daher – insbesondere durch den Eindruck von Veilchen. Am Gaumen sind sie dann meist etwas herzhafter und man entdeckt Pflaumen, Kirschen und getrocknete Kräuter, manchmal sogar eine leichte Rauchnote.

Grenache Rosé

Stil: Aromatisch, fruchtintensiv

Auch wenn Rosé-Weine aus Grenache durchaus säurebetont sein können, ergibt sich durch den gut strukturierten Körper eine sehr gute Balance. Aromatisch erinnern die Weine an überreife Erdbeeren, Orange und etwas Hibiskus.

Unsere Empfehlung: Plume Grenache Rosé, Domaine la Colombette

Sangiovese Rosé

Stil: Fruchtbetont, strahlendes Kupferrot.

Die italienischen Rosatos sind leuchtende Weine, die nach frischen Erdbeeren und Melonen duften, untermalt von Rosenblättern und etwas Pfirsich. Auch sie haben in der Regel eine kräftige Säure und im Abgang eine feine Bitternote, die den Wein zu einem hervorragenden Essensbegleiter macht.

Unsere Empfehlung: Millerosé, Murola

Tempranillo Rosé

Stil: Rustikal, blasses Pink.

Rosados aus Tempranillo werden viel im Rioja produziert, kommen aber auch aus anderen Regionen Spaniens. Neben den klassischen Erdbeernoten findet man hier auch grünen Pfeffer sowie Kräuter-Noten, die ihn besonders zu gegrilltem Geflügel zum Genuss werden lassen. Nicht selten wird er noch mit kleinen Teilen Grenache oder Graciano verschnitten.

Unsere Empfehlung: Rioja Rosado, Baron de Ley

Cabernet Sauvignon Rosé

Stil: Rustikal, Rubinrot.

Diese Rosé-Weine werden sehr häufig mit der Saignée-Methode hergestellt, um die Rotweine, die aus der übrigen Maische produziert werden, möglichst konzentriert zu halten. Cabernet Rosé hat ein eher herzhaftes Aromaprofil, das an grüne Paprika, Kirschsaft, schwarze Johannisbeeren und Pfeffer erinnert.

Unsere Empfehlung: Rosé de Pressée Côtes de Gascogne, Vignoble Ferret

Syrah Rosé

Stil: Rustikal, dunkles Rubinrot.

Rosés, die aus 100% Syrah gewonnen werden sind typischerweise recht kräftig und besitzen einen eher “maskulinen” Charakter. Da auch diese Weine häufig in der Saignée-Methode vinifiziert werden, sind sie vergleichsweise dunkel in der Farbe. An der Nase präsentieren sich vorwiegend Eindrücke von weißem Pfeffer, Oliven, Erdbeeren, Kirschen und etwas Pfirsich.

Tavel Rosé (eigene Rosé-Appellation an der Côtes du Rhône)

Stil: Rustikal und vollmundig, sattes Scharlachrot.

Tavel ist das einzige Anbaugebiet der Welt, das sich exklusiv Rosé-Weinen verschrieben hat. Höherwertige Weine dieser Appellation verfügen über einen kräftigen Körper, viel Struktur und vergleichsweise viel Alkohol. Sie wirken daher in ihrem Charakter schon fast wie Rotweine. Er wird überwiegend aus Grenache und Cinsault hergestellt, allerdings sind bis zu neun Rebsorten offiziell zugelassen.

Für den Einstieg in die Welt der Rosé-Weine empfehlen wir allen Weinfreunden wärmstens unser Rosé-Paket mit drei wunderbaren Exemplaren aus Deutschland.

 

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