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Do it yourself: Weinverkostung mit Freunden – Teil 1

 

Do it yourself

Als uns Weinfreund Jürgen Overheid erzählte, was er so privat zuhause treibt, war klar: Das geht uns alle an. Deshalb erklärt er uns jetzt, wie man seine eigene Weinverkostung für Freunde auf die Beine stellt.

Es ist ein stilles Vergnügen, ganz allein für sich einen guten Wein zu genießen. Aber noch anregender wirkt der Wein, wenn man ihn teilt und sich mit Freunden über das Schmecken dieses Weines austauscht. Recht schnell lässt man dabei die ganz pauschalen Urteile hinter sich: von „oh ja, der schmeckt mir sehr“ bis „tut mir leid, nicht ganz mein Fall“. Denn selbstverständlich interessiert viel mehr, was genau an einem Wein gefällt oder eben auch nicht. Aus diesem genussfreudigen Interesse an Wein kann man ein regelrechtes Hobby machen und das heißt dann: Weinverkostung mit Freunden.

Damit sind nicht jene organisierten Events gemeint, die Weinhändler, Fachmagazine oder Sommeliers anbieten. Vielmehr geht es um Verkostungen von Weinfreunden mit Weinfreunden, kurzum wir reden über den perfekten Anlass, Freunde einzuladen und mit ihnen Wein zu genießen – und dabei noch etwas über Wein und die eigenen Vorlieben zu lernen. Ein wenig kann man sich dennoch von den Profis abschauen, wenn es nämlich um die richtige Vorbereitung der Weinverkostung geht. Doch keine Sorge, der Aufwand ist tatsächlich überschaubar, wie die Checkliste verdeutlicht.

Wo findet die Weinverkostung statt?

Weinverkostung

Eigentlich sind es zwei Dinge, die bei der Ortswahl zu berücksichtigen sind: Licht und frische Luft. Es braucht helles Licht, um den Wein hinsichtlich Farbe und Klarheit beurteilen zu können. Wenn Sie um ihre weiße Tischdecke nicht fürchten, bringen Sie das gute Stück ruhig auf den Tisch, denn ein weißer Hintergrund erleichtert die Farbwahrnehmung.

Damit ihre Nase sich ganz dem Wein widmen kann, sollte frisch durchgelüftet sein. Starke Essensgerüche oder Tabakqualm sind für das Riechen des Weines sehr hinderlich. Wenn Sie es ganz streng nehmen, sollten die Teilnehmer sogar auf ihr Parfum oder Eau de Toilette verzichten.

Welche Gläser brauche ich für die Weinverkostung?

Weinverkostung

Flapsig geantwortet, für jeden Wein eines. Nur so haben Sie die Möglichkeit, die Weine nebeneinander zu verkosten und durch den direkten Vergleich schneller auf die Unterschiede zu kommen. Selbstverständlich sollte es ein richtiges Weinglas sein, eher bauchig gestaltet und sich nach oben leicht verjüngend. Weißweingläser fallen etwas schlanker aus, die Rotweingläser betonen eher den Bauch. Wer es mit den Gläsern hundertprozentig richtig machen will, kann sich in dem Beitrag meiner Weinfreundin Dominique Groten schlau machen.

Was reiche ich noch zur Weinverkostung?

Weinverkostung

Am besten man hält es einfach: Wasser und Brot. Unbedingt gehört ein stilles oder nur leicht perlendes Wasser mit auf den Tisch. Mit einem Schluck Wasser zwischen den verschiedenen Weinen sorgt man dafür, dass der zuvor getrunkene Wein nicht nachschmeckt. Zu diesem Zweck ist es durchaus erlaubt, das Wasser kräftig im Mund hin und her zu bewegen, bevor man es runterschluckt.

Ebenfalls zur Neutralisierung des Geschmacks dient ein einfaches Stück weißen Brots, beispielsweise ein Baguette. Zudem tut ein kleiner Bissen zwischen all den Schlucken ganz gut.

Ist es besser bei der Verkostung den Wein auszuspucken?

Weinverkostung

Von den Profis hört man auf diese Frage ein klares Ja. Schließlich ist die Anzahl der zu probierenden Weine auch mal größer und da würden sich der Alkohol alsbald bemerkbar machen und das Urteilsvermögen trüben.

In privater Runde und bei nicht so vielen Weinen muss man das Protokoll nicht ganz so ernst nehmen. Dennoch empfiehlt sich zumindest für die erste Runde des Verkostens und Vergleichens das Ausspucken durchaus. Hat man dann erst einmal seinen Liebling ausgemacht, kann man auf das „Verschwenden“ des guten Weins verzichten. Damit ist dann aber auch die Verkostung zu Ende.

Sie benötigen also noch ein größeres, auf keinen Fall durchsichtiges Gefäß für die zu entsorgenden Probierschlucke. Ein Sektkühler passt beispielsweise bestens. Wer das gemeinsame Benutzen eines Behälters eher unpraktisch findet, kann auch zu großen Pappbechern greifen. So behält jeder Teilnehmer seinen Reststoff in eigener Hand.

Mit allen Sinnen: Augen, Nase, Gaumen

Weinverkostung

Die Vorbereitungen sind abgeschlossen, nun geht es an das Eingemachte: Die Auswahl der Weine steht an. Zu empfehlen ist, sich zunächst auf wenige Weine zu beschränken und sich im Laufe der Zeit zu steigern – es gibt tatsächlich eine sportliche Note beim Verkosten. Allerdings sollten es mindestens drei unterschiedliche Weine sein, sonst macht das Vergleichen keinen Sinn. Für den Anfang sollte man aber auch nicht mehr als fünf, sechs Weine auswählen, um sich selbst nicht zu überfordern.

Noch wichtiger ist jedoch, dass die Weine für die Verkostung tatsächlich auch vergleichbar sind. So sollte Rotwein nur gegen Rotwein antreten und auch weiße, roséfarbene, schaumige oder restsüße Weine sollten unter ihresgleichen bleiben. Gleichzeitig ist es hilfreich, wenn die Weinauswahl einem gemeinsamen Thema folgt. Wer es sich zum Anfang etwas einfacher machen möchte, wählt besser möglichst unterschiedliche Weine aus. Wer beispielsweise einen Pinot Noir (Spätburgunder) gegen einen Cabernet Sauvignon „blind“ verkostet, dem ist ein Erfolgserlebnis schon fast gewiss.

Wenn man es etwas fortgeschrittener mag, können alle Weine aus einer Region stammen oder sie sind alle aus derselben Rebsorte vinifiziert. So wird die Verkostung nicht nur spannend, sondern auch lehrreich. Im zweiten Teil dieses Artikels folgt noch ein Vorschlag für die erste Verkostung. Fünf Weißweine aus Frankreich finden in der Runde zusammen und machen uns mit unterschiedlichen Rebsorten und Anbaugebieten vertraut.

Eins nach dem anderen: die richtige Reihenfolge

Weinverkostung

Bei einer Verkostung geht es letztlich darum, jedem Wein die Chance zu geben, sich optimal zu zeigen: zunächst mal als einzelner Wein und dann im Vergleich mit den anderen Weinen aus der Runde. So erklärt sich das Wasser, das Brot und das Ausspucken. Ebenso hat dies Einfluss auf die Reihenfolge der Verkostung. Um es einfach zu halten, halten Sie sich an folgende Regeln für die Anordnung:

  • nach Farbe: Weißwein trinkt man vor dem Rosé und diesen vor dem Rotwein.
  • nach Alter: zuerst die jüngeren Jahrgänge, anschließend die älteren Weine.
  • nach Süße-Eindruck: am Anfang stehen die trockenen Weine, dann folgen die lieblichen
  • nach Alkohol-Eindruck: ein leichter Wein steht am Anfang, der schwere am Ende

Gilt wie immer: die richtige Temperatur für den Wein

Weinverkostung

Bitte achten Sie auf die richtige Temperatur der Weine, sonst ist alle Vergleichbarkeit für die Katz. Und entgegen vieler Meinungen empfehle ich, den Wein lieber zu kühl zu servieren als zu warm. Ein paar Grad mehr ergeben sich bei Zimmertemperatur schnell von selbst, aber auch das Glas kurz zwischen beide Handflächen zu schließen, kann nachhelfen, falls die optimale Temperatur unterschritten wurde. Zur richtigen Temperatur kann man sich auch bei unserem Weinfreund Sven Reinbold fachmännischen Rat holen.

Machen Sie es spannend: blind verkostet

Weinverkostung

Es lohnt sich, die Etiketten-Schlaumeier gezielt um ihr Vergnügen zu bringen. Anders ausgedrückt: Es ist besser, wenn – außer dem Gastgeber – kein anderer weiß, welcher Wein ausgewählt wurde. Geht ganz einfach mit handelsüblicher Alufolie.  Schlagen Sie die Flaschen in der Alufolie ein und kennzeichnen Sie sie nur mit einer Nummerierung für die Reihenfolge.

Das „Entblättern“ der Weine wird so zum spannenden Moment, insbesondere, wenn zuvor die Teilnehmer ihre Eindrücke geschildert haben. Später gibt Ihnen dieses Verfahren die Möglichkeit, einen „Piraten“ einzuschleusen. So nennt man einen blind verkosteten Wein, der bewusst aus der Reihe ausbricht und die Weinverkoster in die Irre führen soll. Sehr amüsant, allerdings eher ein Tipp für Fortgeschrittene.

Schwarz auf weiß: Verkostungsnotizen

Weinverkostung

Die Erfahrung zeigt, dass man seine (W)eindrücke besser festhalten sollte, um das Urteilsvermögen überprüfen und letztlich dazulernen zu können. Sorgen Sie dafür, dass ihre Weinfreunde die Eindrücke des Weins notieren. Diese Notizen helfen ungeheuer, wenn es darum geht, den eigenen Weingeschmack zu finden.

Schnell stellt sich dabei wieder die Frage: „Was schreibe ich denn eigentlich auf?“. Bleiben Sie ganz locker, schließlich erwartet niemand eine professionelle Verkostungsnotiz von Ihnen. Spontane Assoziationen zu Fruchtaromen, Kräutern oder Gewürzen reichen aus, um für Gesprächsstoff in der trauten Weinrunde zu sorgen.

Wenn Ihnen das Verkosten von Wein gefällt, werden am Ende auch die Systeme zur Vergabe der Punkte interessant. Gebräuchlich sind die Punkteskala bis 20 Punkte und das Bewertungssystem von Robert Parker, das mit maximal 100 Punkten arbeitet. Eine übersichtliche Erklärung der beiden Bewertungsschemata habe ich übrigens schon im Magazin veröffentlicht.

Perfekt vorbereitet: die Weinverkostung kann beginnen

Weinverkostung

Wenn Sie sich an dieser kommentierten Checkliste abgearbeitet haben, kann es endlich losgehen. Jetzt beginnt das eigentliche Vergnügen. Doch was es mit dem Riechen und Schmecken oder auch dem Abgang auf sich hat, erklärt ein gesonderter Beitrag. Wer bereits die Weine auf dem Tisch hat, muss unbedingt an dieser Stelle weiterlesen.

 

 

 

 

 

 

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