Mosel

Die Mosel ist die älteste Weinregion Deutschlands und international betrachtet ein wahres Riesling-Monument. Das wichtigste über die Weine von Mosel, Saar und Ruwer im folgenden Überblick.

Das Anbaugebiet Mosel ist das fünftgrößte der 13 Anbaugebiete im Weinland Deutschland. Ältere Semester erinnern sich vielleicht noch, dass früher allerdings immer Mosel-Saar-Ruwer auf den Flaschen stand. Und tatsächlich teilen sich die Rebflächen entlang der beiden Nebenflüsse der Mosel auch immer noch dasselbe Anbaugebiet. Allein den Namen hat man aus Marktgefälligkeit und daraus geschlussfolgerter Vereinfachung etwas gekürzt. 2006 verschwinden Saar und Ruwer ersatzlos aus der offiziellen Bezeichnung des Anbaugebiets. Zumindest kann die Saar als einer der offiziellen Unterbereiche der Mosel weiterhin den eigenen Flussnamen auf das Etikett bringen. Den Winzern an der Ruwer bleibt selbst das versagt. Erst als der letzte Weingarten im Trierer Stadtteil Ruwer aufgegeben wird und keine Verwechslungsgefahr mehr besteht, darf auf den Weinen von der schönen Ruwer die ganz genaue Herkunft wieder erscheinen. Gut so.

Die sechs Weinbereiche der Mosel

Der Boden macht natürlich den Unterschied, aber auch die Beschaffenheit der Talhänge an Mosel, Saar und Ruwer – und den kleineren Zuflüssen wie Sauer oder Lieser. So spielen die Ausrichtung zur Sonne, aber auch zum Temperatur regulierenden Fluss sowie die Höhe der Lage eine Rolle. Beginnend in Koblenz, wo die Mosel in den Rhein mündet, ziehen sich die sechs Bereiche wie kostbare Perlen der Weinkultur flussaufwärts. Wer es noch genauer mag: Insgesamt 19 Großlagen sowie mehr als 500 Einzellagen unterteilen die Bereiche noch feiner.

Mosel Weinregion

Die Mosel ist eine beliebte Weinregion mit sechs unterschiedlichen Weinbereichen.

Burg Cochem

Dieser Bereich wird gern auch Terrassenmosel genannt, denn hier befinden sich die steilsten Lagen im Moseltal und ganz legendäre noch dazu. Darunter sind viele Weinberge mit über 30 Prozent Hangneigung. Nur zum Vergleich: bei Alpe d’Huez, einem berühmten Anstieg der Tour de France, reden wir über maximal 11,5 Prozent Steigung. Der steilste Weinberg ist übrigens der Bremmer Calmont mit Neigungen bis zu 65 Prozent.

Bernkastel

Zur Vereinfachung auch Mittelmosel genannt. In diesem Bereich befinden sich die bekanntesten Weinlagen des Moseltals und so manches renommierte Weingut noch dazu. „Piesporter Goldtröpfchen”, „Wehlener Sonnenuhr” oder „Erdener Treppchen”, um nur einige zu nennen – und natürlich der „Bernkasteler Doctor”. Er ist bis heute der deutsche Weinberg, für den das meiste Geld gezahlt wurde, und er gilt gegen Ende des 19. Jahrhundert als die teuerste Immobilie Deutschlands. Die Böden sind im Bereich Mittelmosel von Devon-Schiefer mit unterschiedlichen Zusätzen geprägt.

Obermosel

Bis kurz vor Trier, der ältesten Stadt Deutschlands, erstreckt sich anschließend der Bereich Obermosel. Hier sind die Böden von Muschelkalk und Keuper geprägt. Die Obermosel ist die Heimat des Elbling, einer weißen Rebsorte, die geschätzt seit über 2000 Jahren an der Mosel kultiviert wird. Der Elbling schlägt an der Mosel sozusagen eine lebendige Brücke in die Römerzeit. Die Rebsorte steht für unkomplizierte, frische Weißweine und eignet sich besonders gut für die Sekterzeugung.

Moseltor

Geographisch betrachtet ist der Bereich Moseltor ein Teil der Obermosel, ähnelt also dem Nachbarn in Sachen Boden und Rebsorten. Jedoch ist Moseltor der einzige Bereich, der im Saarland liegt. Alle anderen Regionen im Moseltal einschließlich der Ruwer und Saar liegen auf dem Gebiet des Landes Rheinland-Pfalz. In Zahlen ausgedrückt: nur knapp zwei Prozent des Anbaugebiets Mosel liegen im Saarland und die heißen Moseltor.

Saar

Dass der Bereich Saar nicht im Saarland liegt, verdankt sich in diesem Fall keiner Kapriole einer Weinbehörde, sondern schlichtweg den Schlaufen, die die Saar zieht. Auch hier sind die Böden von Devon-Schiefer geprägt, teilweise auch von einem vulkanischen Gestein, Diabas genannt. In Sachen Steillagen braucht sich die Saar nicht vor der großen Mosel verstecken und bekannte Lagen weiß man allemal vorzuweisen. Da reicht unter Kennern das Stichwort Scharzhofberg. Die Rieslinge von der Saar gelten als besonders finessenreich und mineralisch.

Ruwer

Der Bereich Ruwer ist der kleinste des Anbaugebiets Mosel. Die Ruwer kommt aus dem Hunsrück und mündet bei Trier in die Mosel. Devon-Schiefer, etwas höhere Lagen im Vergleich zur Mosel und natürlich Steillagen finden sich an diesem Nebenfluss und seinen kleinen Seitentälern. In keinem anderen Bereich ist der Anteil von Riesling so hoch. Wer einen probiert hat, weiß warum.

Mosel: Deutschlands älteste Weinregion

Wilde Reben erfreuen an der Mosel bereits siedelnde Kelten, lange bevor die Römer ihre Standarten in den Schieferboden rammen. Ob die Kelten die Reben tatsächlich auch kultivierten, scheint zweifelhaft. Sicher ist jedoch, dass römische Legionäre das Know-how und die notwendige Motivation mitbringen, um im ersten vorchristlichen Jahrhundert im großen Stil Weinbau zu betreiben. Das ist sozusagen zu Asterix-Zeiten und nur zur Erinnerung: Augusta Treverorum, das heutige Trier, steigt in jener Zeit zur wichtigsten römischen Kapitale nördlich der Alpen auf. Lange Zeit ist die Stadt im oberen Moseltal sogar Kaiserresidenz.

Den nächsten großer Wissensschub verdanken die Winzer an der Mosel den Zisterzienser-Mönchen. Die Ordensbrüder haben nämlich ihr Handwerk im Burgund gelernt und bringen im Mittelalter neue Erkenntnisse in Sachen Weinbergpflege und Weinerzeugung in das Moseltal.

Traumpaar Riesling & Mosel

Noch ein Blick in die Historie tut not, um zu verstehen, warum der Riesling diesen herausragenden Stellenwert an Mosel, an Saar und Ruwer einnimmt. Dieses Mal ist es der Kurfürst von Trier, Erzbischof Clemens Wenzeslaus von Sachsen, der einen Qualitätssprung an der Mosel auslöst. Ende des 18. Jahrhunderts sorgt er dafür, dass minderwertige Reben in den Weinbergen gerodet werden, um sie durch bessere Rebsorten zu ersetzen. Das ist sozusagen die Geburtsstunde der Riesling Dominanz im Moseltal, die bis heute ihre Gültigkeit besitzt: Er ist schon damals die höherwertige Alternative.

Doch nicht nur, dass der Riesling unangefochtene Nummer 1 ist. Mit dem Rivaner, dem Elbling und zunehmend mehr Weißburgunder outet sich das Anbaugebiet als Weißweinregion. Das wenige an Rotweinen, meint zuerst Spätburgunder und dann Dornfelder, entspricht nicht einmal einem Zehntel der Weinerzeugung.

Zweites Standbein Tourismus

Wein ist ein Lockmittel und eine so abwechslungsreiche und bezaubernde Landschaft wie das Moseltal mit der angrenzenden Eifel auf der linken Flussseite und dem Hunsrück gegenüber allemal. Das nutzt der Region bereits im 19. Jahrhundert. Quasi als Neben(fluss)effekt der berühmten Rheinromantik macht auch die Mosel Karriere als Reise- und Ausflugsziel. Pittoreske Dörfer, alte Burgen und Klöster, die steilen Hänge und eben die ganz besonderen Rieslingweine ziehen nicht nur Maler und Dichter, Majestäten und Romantiker an, sondern auch die Normalos unter den Reisenden.

Dies gilt bis heute, wenn auch etwas anders. Wandern durch die Weinberge, Touren mit dem Rad oder dem Boot sind angesagt. Gastronomische Erlebnisse oder Abhängen am Fluss, Weinprobe beim VDP-Weingut oder Grillen auf dem Camping-Platz: die Mosel ist für Reisende aller Art ein reizvolles Ziel. Unter uns Weinfreunden ist da noch der Hinweis auf die zahlreichen Weingüter wichtig, die eben nicht nur zu Weinproben einladen. Gastronomie, Erkundungen im Weinberg, Ferienwohnung und Sensorik-Seminar: Die Winzer haben mittlerweile einiges zu bieten. Und wer ganz hochhinaus möchte, kann natürlich mit dem Bremmer Calmont auch den Mount Everest der Mosel besteigen.

Ansonsten kann man mit Rieslingen von der Mosel einen ganz individuellen Höhenflug erleben.

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