Mineralität im Wein

Ein bodenständiges Phänomen

Schon lange gehört der Begriff „Terroir“ zum Sprachgebrauch vieler Weinfreunde. Dabei meint er nicht nur den Boden, auf dem die Weinreben gedeihen, sondern vielmehr drückt er das Zusammenspiel von Boden, Klima und dem Geschick des Winzers aus. Die spezifischen Auswirkungen der Bodenbeschaffenheit werden durch den Begriff „Mineralität“ ausgedrückt. Doch was ist darunter genau zu verstehen und wie riecht oder schmeckt ein mineralischer Wein? Unser Weinfreund Daniel Münster weiß es zu berichten.

Manch weinbeschreibendes Adjektiv ist für Weinfreunde schwer nachzuvollziehen. Während Fruchtaromen wie Erdbeere oder Ananas, aber auch Gewürznoten wie Vanille noch recht einfach „nachzuriechen“ sind, wird es bei Beschreibungen, die über den eigenen Erfahrungshorizont hinausgehen, schon etwas kniffeliger. So ist aktuell immer wieder davon die Rede, ein Wein sei „mineralisch“. Doch nur die wenigsten Weinfreunde haben eine Vorstellung davon, was das überhaupt bedeutet. Mit ein Grund dafür ist, dass der Begriff „Mineralität“ oder „mineralisch“ erst seit den Achtzigern in Verkostungsnotizen und Beschreibungen von Weinen auftaucht. Dies liegt nicht etwa daran, dass es Mineralität in Weinen vorher nicht gab, vielmehr fehlte dieser Ausdruck schlichtweg im Vokabular der Weinkritik. Aber der Reihe nach.

Mineralität

In den tieferen Erdschichten nehmen die Wurzeln der Reben neben Kalium vor allem Calcium, Magnesium, Eisen und Kupfer auf.

Mineralität – wie kommt sie in den Wein?

Auf der Suche nach Feuchtigkeit und Nährstoffen dringen die Wuzeln der Reben in tiefere Erdschichten vor und nehmen dort mit der Flüssigkeit auch Mineralstoffe auf. Kalium ist dabei das am meisten vertretene Salz – es kann in den Trauben zehnmal mehr nachgewiesen werden als andere Mineralstoffe. Dies ist wenig erstaunlich, wenn man weiß, dass Kalium eine entscheidende Rolle bei der Produktion von Zucker einnimmt. Neben Kalium finden sich vor allem Calcium, Magnesium, Eisen und Kupfer im Wein. Doch dies sind zunächst rein analytisch betrachtete Werte, die noch keine Aussage über den Geschmack oder Geruch eines „mineralischen“ Weines treffen. Vor allem, wenn man bedenkt, dass selbst Kalium nur in kleinen Mengen vorhanden ist – lediglich ein Promille der Traubenflüssigkeit macht es aus.

Mineralität Wein

Minealität im Wein lässt sich schmecken. Besonders Riesling, der auf Schieferböden angebaut ist, erinnert oft an Feuerstein.

Wie schmecken mineralische Weine?

Dennoch lässt sich Mineralität schmecken. In manchen Fällen sogar bereits „erriechen“. Ich versuche es zunächst einfach zu erklären: Denken Sie an einen Regenschauer im Sommer und den Geruch, der entsteht, wenn das Wasser auf dem heißen Asphalt dampfend trocknet. Wenn Sie versuchen, sich diesen Geruch präsent zu machen, sind Sie dem mineralischen Ausdruck im Wein schon etwas nähergekommen. Doch Stein ist nicht gleich Stein und so beeinflussen unterschiedliche Gesteinstypen auch die Weine auf verschiedene Art und Weise. Der mineralische Geschmack und Geruch eines auf Schiefer angebauten Rieslings dürfte vielen Weinfreunden geläufig sein. Am ehesten erinnern diese Weine an Feuerstein, da sie eine durchaus rauchige Komponente besitzen können. Und auch das ist eine pragmatische Verallgemeinerung, denn es gibt nicht nur einen Schiefer: Braun-, Grau-, Schwarz- und Rotschiefer liefern wiederum unterschiedliche Einflüsse.

Doch neben dem populären Schiefer-Beispiel lässt sich sagen, dass alle steingeprägten Böden ihren sensorischen Fingerabdruck im Wein hinterlassen – egal ob Schiefer, Kalk, Granit oder Löss. Sprechen lässt sich über die konkreten Ausprägungen der mineralischen Einflüsse aber nur sehr schwierig. Anderenfalls lauert dann doch wieder die bereits erwähnte Nachvollziehbarkeits-Falle. Ohne auf konkrete Aromen einzugehen, lässt sich jedoch allgemein sagen, dass Mineralität dem Wein immer eine gewisse Frische und Klarheit verleiht – in Sachen Mundgefühl vergleichbar mit einem Schluck reinem Mineralwasser. Und die Zusammenhänge zwischen Bodenbeschaffenheit und Weinstilistik zu verstehen, ist eigentlich recht einfach: Denken Sie an eine Rebe, die auf einem sehr dichten, schweren Lehmboden gedeiht. Die aus dieser Lage produzierten Weine werden immer einen kräftigeren, konzentrierteren Eindruck vermitteln als Weine von einem Boden, der von Gestein aufgelockert wird oder viel Sand enthält.

Mineralität Wein

Nicht nur Weißweine weisen eine mineralische Stilistik auf – auch bei Rotweinen findet man eine mineralische Prägung, bspw. bei Weinen aus dem Priorat.

Gibt es Mineralität auch bei Rotweinen?

Die meisten Menschen verbinden Mineralität im Übrigen immer mit Weißweinen. Das ist durchaus verständlich, da die mineralische Stilistik auf den ersten Blick besser zu einem Weißwein passt. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass schwere Rotweine mit satter Struktur im Trend liegen. Die Reben solcher Weine stehen eher auf „fetten“ Böden, die – wenn überhaupt – durch wenig Gestein durchsetzt sind. Dennoch existieren unzählige Rotweine mit einer mineralischen Prägung. In Kombination mit einer guten Säurestruktur entsteht bei dieser Art von Rotweinen am ehesten eine Charakteristik, die man als „frisch“ bezeichnen kann. Eine Eigenschaft, die vor allem körperreichen, dichten Rotweinen unwahrscheinlich gut tut. Gute Beispiele hierfür findet man im spanischen Priorat oder auch im nordspanischen Valdeorras.

Mineralische Weine lassen sich demnach am besten identifizieren, wenn man sich mit der Bodenbeschaffenheit der jeweiligen Rebfläche beschäftigt. Diese Information ist allerdings leider nicht immer so einfach zu recherchieren. Daher haben wir im Folgenden eine Weinauswahl aus unserem Shop zusammengestellt, die auf jeden Fall mineralisch daherkommt.

Nahe (Grauschiefer)

Riesling trocken Schiefer 2017
feine Schiefermineralik prägt diesen Riesling
Jakob Schneider
Riesling trocken Schiefer 2017

Mosel (Schiefer und Kiesel)

Riesling trocken hoch zwei 2018
fruchtig-frischer Riesling mit feiner mineralik
Ludwig
Riesling trocken hoch zwei 2018

Wachau (Löss)

Grüner Veltliner Federspiel Kollmitz 2018
tief-würzig & elegant
Domäne Wachau
Grüner Veltliner Federspiel Kollmitz 2018

Champagne (Kalk)

Champagner Brut Réserve
frisch, druckvoll und sehr harmonisch
Pol Roger
Champagner Brut Réserve

Piemont (Kalk und Sand)

Aurora Roero Arneis 2018
herrlichen Fruchtaromen und angenehme Mineralik
Cascina Radice
Aurora Roero Arneis 2018

Priorat (eisenhaltiger Schiefer)

Marge Priorat 2014
kräftiges Konzentrat aus legendären Schieferböden
Celler de l'Encastell
Marge Priorat 2014

Dão (Granit)

Grilos Dão tinto 2016
Beerig würzige Cuvée
Casal de Tonda
Grilos Dão tinto 2016
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