Apulien: Weinkeller Italiens


Eigentlich ist es nicht verwunderlich, dass unser
Wein des Jahres 2017 ein Primitivo aus Apulien war. Denn insbesondere die Rotweine der süditalienischen Region erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Warum das nicht immer so war und weshalb apulische Weine nun in aller Munde sind, erklärt unser Italien-Fan und Weinfreund Daniel Münster.

Zunächst einmal vorausgeschickt: Apulien steht wie keine andere Weinregion für die Rebsorte Primitivo. Dass diese keineswegs primitiv ist und sie anderswo Zinfandel genannt wird, hatte ich bereits ausführlich in diesem früheren Artikel erklärt. Dennoch werde ich im Folgenden nochmals kurz auf diese Rebsorte eingehen. Aber von Anfang an: Apulien ist eine landschaftlich wunderschöne Gegend, die beim Blick auf die Italien-Karte den Sporn und den Absatz des Stiefels bildet. Die Halbinsel Salento bildet den Stiefelabsatz und von hier stammen die meisten der derzeit so begehrten Rotweine in den heimischen Weinregalen.

Das Klima ist von trockener Hitze geprägt und von Böden, die vor Fruchtbarkeit geradezu strotzen. Dadurch entstehen in Apulien Weine, die durch ihre fruchtbetonte Reife beeindrucken. Gleichwohl verfügen sie über eine gute Frische, die durch die besondere geographische Lage erhalten bleibt: Apulien ist an drei Seiten vom Mittelmeer umgeben, so dass eine stete Brise die Rebflächen – besonders im Sommer – wohltuend abkühlt.

Weinregion Apulien

In Apulien wird auf gut 90.000 Hektar Wein angebaut. Trotz der größten Produktionsmenge in Italien, hat sich in der Gegend ein sehr Qualitätsstandard in den letzten Jahren entwickelt

Groß, größer, Apulien

In Apulien wird auf fast 90.000 Hektar Wein angebaut und es ist die italienische Weinregion mit der größten Produktionsmenge überhaupt. Doch was zunächst bei vielen Weinfreunden den Vorbehalt „Quantität statt Qualität“ auslöst, hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten extrem positiv entwickelt.

Durch moderne Kellertechnik, aber vor allem dank des höheren Qualitätsanspruchs der Weintrinker, hat sich Apulien von einer Region voller Mittelmäßigkeit zu einer Gegend mit einem verblüffend hohen Qualitätsstandard entwickelt. Das Preisniveau ist dabei immer noch als vergleichsweise günstig zu bezeichnen, so dass Apulien unwahrscheinlich viele „Wein-Schnäppchen“ bereithält.

Weinregion Apulien

Typisch für die Weinregion in Apulien: fruchtbetonte, kräftige Primitivos, die insbesondere mit ihren intensiven Aromen von dunklen Beeren verführen.

Rotwein first

In Apulien entstehen über 60 Prozent Rotweine und insbesondere im deutschsprachigen Raum sind diese gefälligen, fruchtbetonten, aber dennoch kräftigen Weine besonders populär. Wie bereits erwähnt, spielt hierbei die Rebsorte Primitivo eine tragende Rolle. Sie lässt in Apulien kräftige, fruchtbetonte Weine entstehen, die vor allem durch reife, schwarze Beerenaromen geprägt sind, die teils geradezu „konfitürig“ daherkommen. Doch auch Rotweine aus der autochthonen, also nur dort vorkommenden Rebsorte, Negroamaro – häufig in Kombination mit Primitivo – haben besondere Beachtung verdient. Dabei kommt dieser Rebsorte vor allem in einem Gebiet eine besondere Bedeutung zu.

Weinregion Apulien

Die Rotweine im DOC-Bereich „Salice Salentino“ in der Weinregion Apulien müssen zu 90 Prozent aus der Rebsorte Negroamaro bestehen. Heraus kommen Weine, die an reife Pflaumen mit orientalischen Gewürzen erinnern und mit wenig Säure und zarten Tanninen punkten.

Verheiratet: Negroamaro und Salice Salentino

Der DOC-Bereich „Salice Salentino“ liegt im Zentrum der Halbinsel Salento und hier müssen Rotweine zu 90 Prozent aus der Rebsorte Negroamaro bestehen. Der Name der Rebsorte bedeutet wörtlich übersetzt „schwarzbitter“, sie präsentiert sich im Glas aber keineswegs bitter, sondern erinnert am ehesten an reife Pflaumen mit einem Hauch von orientalischen Gewürznoten. Auch der Negroamaro lässt sehr körperreiche Weine entstehen, die allerdings einen vergleichsweise geringen Eindruck von Säure und Tanninen mitbringen. Eine Eigenschaft, die Weine dieser Rebsorte zum perfekten Begleiter einer Pizza macht.

Eine weitere spannende, rote Rebsorte ist Bombino Nero, die ebenfalls viel Frucht liefert, allerdings auch eine animierende Säure mitbringt, so dass daraus auch Rosé-Weine produziert werden. Wenn es um Weißweine geht, dominieren die internationalen Rebsorten die Region. Ein echter Tipp aus Apulien ist daher der nur auf einer kleinen Fläche angebaute Verdeca. Ein weißer Vertreter der Region mit ganz eigenständiger Aromatik.

Weinfreundschaftliche Empfehlungen aus Apulien

 

Il Tauro Salice Salentino Riserva 2016
charakterstarke und kräftige Cuvée
Casa Vinicola Botter
Il Tauro Salice Salentino Riserva 2016

Der „Il Tauro Salice Salentino Riserva“ der Casa Vinicola Botter stammt aus dem Jahrgang 2014 und verbrachte einige Monate Zeit im Holzfass bevor er auf Flaschen gefüllt wurde. Seine Stilistik ist daher nicht nur durch den fruchtbetonten Negroamaro geprägt, sondern die Veredelung durch die Eichenfässer verleiht ihm auch verführerische Noten von Schokolade und etwas Tabak. Ein wahrer Gaumenschmeichler, der mit einem Preis von unter sechs Euro nachhaltig beeindruckt.

Miluna Primitivo di Manduria 2017
Intensiv aromatisch, seidig am Gaumen
Cantine San Marzano
Miluna Primitivo di Manduria 2017

 

Mit dem 2016er Miluna Primitivo di Manduria stelle ich einen Wein vor, der ebenso von der Cantine San Marzano stammt, wie auch schon unser „Wein des Jahres 2017“. Allerdings verrät der Zusatz „Primitivo di Manduria“, dass dieser Wein aus einem DOC-Bereich im nördlichen Salento stammt. Hier herrschen strengere Vorgaben in Bezug auf die Maximalerträge pro Hektar, so dass eine höhere Traubenqualität gewährleistet wird. So ist dieser Wein quasi die Ausbaustufe unseres „Wein des Jahres 2017“. Noch intensiver, noch körperreicher kommt er ins Glas und macht so deutlich, dass Apulien zu recht im Fokus der vinophilen Aufmerksamkeit steht.

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