Der Supertoskaner: Piero Antinori

Unser Italien liebender Weinfreund Jochen Pfadler stellt heute eine Weinpersönlichkeit vor, dessen revolutionäre Verdienste für die internationale Weinwelt seines gleichen suchen: Piero Antinori.

Man könnte meinen, ein „Antinori“ sei die Maßeinheit für die längst mögliche Weinbautradition. Immerhin widmet sich die Familie von Piero Antinori der Herstellung und dem Verkauf von Weinen seit dem 12. Jahrhundert. Bereits 1385 zählt das toskanische Adelsgeschlecht zur Florentiner Zunft der Winzer und Weinhändler, verdient aber vor allem mit dem Handel von Seide und Bankgeschäften im In- und Ausland ihr Geld. 1506 erwirbt Nicolò Antinori in Florenz einen prachtvollen Palast in der Nähe des Domes, der bis heute den Namen der Familie trägt, den „Palazzo degli Antinori“.

Als Großherzog Cosimo III. von Medici 1716 mit Chianti, Pomino, Val d’Arno und Carmignano erstmals vier Anbaugebiete der Toskana als Herkunftsbezeichnung schützt (siehe auch hier), trifft dies auch auf die Weine der Antinori zu. Aber längst schon hat man weitere Weingüter erworben – noch so eine Tradition, die auf Piero Antinori überspringt.

Familie Antinori

Piero Antinori mit seinen drei Töchtern, die bereits alle in der Geschäftsführung von Antinori tätig sind.

Piero Antinori: revolutionäre Tradition

Die meisten mag solch ein Erbe erdrücken, nicht so Piero Antinori. Vielmehr scheint ihn die Tradition herauszufordern. Es zeichnet diesen Weinmacher geradezu aus, dass er die Tradition von Jahrhunderten erfolgreich fortsetzt, indem er mit ihnen bricht. Mit nur 28 Jahren folgt Piero seinem Vater Niccolò als Präsident des Weinunternehmens „Marchesi Antinori“. Das war 1966. Zwanzig Jahre später wählt ihn das Fachmagazin Decanter zum „Man of the year“.

Noch unter Vater Niccolò hatte man begonnen, mit modernen Methoden und Techniken wirkungsvoll an der Qualitätsschraube zu drehen. Die Antinoris setzen auf temperaturkontrollierte Gärung, experimentieren mit anderen Fässern und der malolaktischen Gärung für Rotweine, verbessern die Flaschenabfüllung ebenso wie die Arbeit in den Weinbergen. Dann erfolgt 1967 die offizielle Einführung der DOC Chianti („Denominazione di Origine Controllata“) und mit ihr die Vorgabe, mindestens 70 Prozent Sangiovese in die Rotwein-Cuvées einzubringen.

French Connection: die Geburt des „Supertoskaners“

Doch wer mit Traditionen brechen will, darf Vorschriften nicht scheuen. Antinori beginnt Rotweine zu machen, die deutlich höhere Anteile an französischen Rebsorten enthalten als von der Weinbehörde erlaubt. Das beginnt 1970 mit dem „Tignanello“, der viel, aber dennoch zu wenig Sangiovese beinhaltet, und setzt sich im „Solaia“ noch konsequenter fort: Der erste Jahrgang des Weines von 1978 besteht ausschließlich aus Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc. Die beiden Weine markieren die Geburt der „Supertoskaner“ und stehen für eine regelrechte Revolution in der Weinwelt. Die internationale Karriere des „Solaia“ und des „Tignanello“ sucht seines gleichen, 1997 gilt der „Solaia“ – mittlerweile mit geringen Anteilen von Sangiovese – dem Wine Spectator gar als bester Wein der Welt.

Es folgen weitere Projekte, wie zum Beispiel der „Cervaro della Sala“ in Umbrien. Und ganz traditionsbewusst erweitert Piero Antinori den Reigen der familieneigenen Weingüter mit Zukäufen nicht nur im Chianti. Mittlerweile hat mit Piero Antinoris Töchtern Albiera, Allegra und Alessia bereits die nächste Generation Verantwortung bei Marchesi Antinori übernommen. Es ist übrigens die 26. Generation, die aufgefordert ist, an die revolutionäre Tradition des Vaters und das Vermächtnis der Familie anzuknüpfen. Keine einfache Aufgabe einem Piero Antinori zu folgen, aber wenn, dann schafft es natürlich eine Antonori.

Die Einstiegsweine des Hauses

Wem die Spitzenweine von Marchesi Antinori zu kostspielig sind – immerhin rufen die genannten Weine je nach Jahrgang Preise von hundert bis mehreren hundert Euro pro Flasche auf – kann erst einmal diese hervorragenden Einstiegsweine des Hauses probieren:

Villa Antinori Rosso 2014

Antinori Rosso

Mit dem Cuvée aus 55% Sangiovese, 25% Cabernet Sauvignon, 15% Merlot und 5% Syrah ist der rote Villa Antinori quasi ein „Mini-Supertoskaner“. Ein Wein, der immer für Trinkgenuss sorgt.

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Villa Antinori Bianco 2016

Antinori Bianco

Insbesondere die Rebsorten Trebbiano und Malvasia bestimmen diesen Weißwein-Traum. Unwahrscheinlich blumig, fruchtig und frisch kommt der Wein daher und macht auch zum Essen eine gute Figur.

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Linktipp

Mehr über die Geschichte und Weine von Marchesi Antinori findet sich auf der Website des Hauses.

 

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