Weinjahr 2016: Besser als gedacht!

Jedes Weinjahr ist anders, auch das Weinjahr 2016! Der Wetterverlauf prägt den Wachstum der Reben und damit den Reifeprozess der Trauben ganz individuell. Während sich 2015 schon früh viele Winzer begeistert äußerten, lieferte 2016 zunächst keine guten Prognosen: falscher Mehltau in Deutschland, Nachtfrost in Österreich und massive Hagelschäden in der Champagne und an der Loire. Doch nun, da sich die Ernte in ganz Europa dem Ende entgegen neigt, scheint sich das Blatt gewendet zu haben. Wir haben das aktuelle Rebengeflüster zusammengefasst.

Jahrgang 2016 in Deutschland: Alles wird gut

Der sehr feuchte Frühsommer in Deutschland und die damit verbundenen Ertragsverluste durch den Falschen Mehltau – eine Pilzerkrankung auf der Blattunterseite – ließen massive Ertragsverluste erwarten. Und auch Frost in der Nacht zwang viele Winzer noch Ende April, kleine Feuerchen in den Weinbergen zu entzünden, um den Rebstöcken etwas einzuheizen. Doch mittlerweile sieht die Ertragslage deutlich besser aus. Grund dafür war insbesondere der hervorragende Spätsommer – hierdurch konnten die Trauben in Sachen Reife nochmals ordentlich nachlegen. Aber auch die moderaten Niederschläge der vergangenen Wochen begünstigten die Lese von gesundem Traubenmaterial.

In den meisten Regionen lässt das trockene Herbstwetter eine entspannte Ernte von perfekt gereiften Trauben zu. Derzeit werden die spätreifenden Sorten Riesling und Spätburgunder geerntet und man hofft insgeheim noch auch auf Temperaturen, die Eiswein zulassen. Nun zu den offiziellen Zahlen: Noch vor einem Monat ging man von einem Ernterückgang von vier Prozent aus. Doch am 20. Oktober sahen die Prognosen deutlich besser aus: Mittlerweile erwarten die Winzer sogar zwei Prozent mehr Most als in 2015 (9.008.000 Hektoliter im Vergleich zu 8.873.000 Hektoliter). Allerdings sind die Ergebnisse recht regionsspezifisch: Zugewinne von bis zu 21 Prozent im Vergleich zum Vorjahr liefern der Mittelrhein, Franken und Baden. Und größter Verlierer ist die Nahe mit vier Prozent weniger Most als 2015.

Weinjahr 2016 in Europa: Mal so, mal so

Es waren die extremen Wetterlagen, die in vielen Ländern Europas für Ertragsverluste gesorgt haben. Dabei waren Nachtfrost und Hagel die meistgefürchteten Kapriolen. So geht man in Gesamteuropa im Vergleich zu 2015 von einem Minus von 4,3 Prozent aus. Italien bleibt hierbei mit gut 50 Million Hektolitern der Spitzenreiter in Europa und der ganzen Welt, obwohl auch hier 2016 zwei Prozent weniger Wein produziert wird. Frankreich und Spanien folgen auf Platz 2 und 3.

Österreich hat es 2016 leider richtig schlimm erwischt: Ein Kaltlufteinbruch sorgte Ende April und auch noch Anfang Mai für massive Frostschäden. Insbesondere die wertvollen Hanglagen wurden durch so genannten „Strömungsfrost“ massiv geschädigt. Insgesamt wird derzeit ein Mengenverlust von 23 Prozent erwartet. In Frankreich prognostiziert man einen Ernteverlust von geschätzten zehn Prozent. Im prestigeträchtigen Bordeaux herrscht zwar eine vorsichtig optimistische Stimmung, doch sieht dies in anderen Regionen deutlich anders aus:  In der Champagne, entlang der Loire sowie im Burgund und im Languedoc setzten Nachtfröste, Hagelschauer und Starkregen den Weinbergen kräftig zu. Auch wenn es in Italien und Spanien partiell ebenfalls einige Wetterextreme gab, blieb die Ertragslage auf fast identischem Niveau wie auch im Vorjahr.

Auf die ersten Weine aus dem europäischen Weinjahr 2016 müssen Weinfreunde noch ein paar Monate warten. Allerdings empfehle ich für die Zwischenzeit unseren südafrikanischen Sauvignon Blanc vom Weingut Spier am Western Cape. Der Wein stammt aufgrund der gegensätzlichen Jahreszeiten auf der südlichen Erdhalbkugel bereits aus 2016 und bietet ein tolles Preis-Genuss-Verhältnis. Denn in Südafrika war dieses Jahr einer der heißesten Jahrgänge überhaupt. Vive la difference!

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