Languedoc-Roussillon


Die Aufsteiger-Regionen aus Frankreichs Süden – Teil 1

Languedoc-Roussillon ist schon lange kein Geheimtipp mehr, wenn es um gute Weine für wenig Geld geht. Denn die Weine aus dem französischen Süden haben einiges zu bieten, wie wir im ersten Teil unseres Porträts der größten Weinregion Frankreichs erklären.

Fragt man Weinfreunde nach den großen, bekannten Weinbaugebieten Frankreichs, fallen sicherlich zunächst die Namen Bordeaux und Burgund, vielleicht noch Loire und Rhône. Languedoc und Roussillon dürften dagegen nur wenige bei ihrer Antwort berücksichtigen. Dabei gibt es vieles, mit dem diese ausgesprochen vielfältige Tandem-Weinregion punkten kann.

Languedoc-Roussillon

Von der südlichen Rhône im Norden bis zu den Pyrenäen erstrecken sich das Languedoc und Roussillon.

Geographie und Weinbaugebiete: Von AOC, IGP und Pays d’Oc

Wo ist das Languedoc, wo der Roussillon? Die Doppelregion, die so oft in einem Atemzug genannt wird, grenzt im Norden an die südliche Rhône und folgt dem sanften Bogen der Mittelmeerküste bis an die spanische Grenze. Nur ein kleines Stück am südlichen Ende dieses Gebiets macht auch das Roussillon aus. Dieser katalanisch geprägte Landstrich erstreckt sich rund um Perpignan, entlang der Küste und bis zu den Pyrenäen. Nördlich davon über Narbonne, Montpellier und Nîmes bis an die Rhône sowie weit ins Landesinnere hinein reicht die Languedoc genannte Region.

Ist die geographische Zuordnung noch einfach zu leisten, erfordert die Unterteilung der Region in einzelne Appellationen und Qualitätsstufen etwas mehr Aufmerksamkeit. Allein für das Languedoc zählen wir 28 geschützte Herkunftsbezeichnungen (Appellation d’Origine Contrôlée) und knapp 20 als IGP (Indication Géographique Protégée) ausgewiesene Weinbaugebiete. Hinzu kommen noch die als Pays d’Oc klassifizierten Weine, die IGP-Weinen aus gleich mehreren Appellationen der Doppelregion entsprechen.

Languedoc Roussillon

Ein konsequentes Zurückfahren der Anbauflächen sowie die Professionalisierung bei der Weinherstellung haben im Languedoc-Roussillion für einen respektablen Qualitätsschub gesorgt.

Aufstrebende Weinregion mit viel (Bio)Dynamik

So verwirrend die Appellationen und Qualitätsstufen auf den ersten Blick wirken mögen, dahinter verbirgt sich das Bestreben, die Weine der Region auf höhere Qualitätsniveaus zu bringen. Vor zwei, drei Jahrzehnten galten Languedoc und Roussillon zwar als erste Adressen für viel Wein, aber nicht unbedingt für guten. Das hat sich mittlerweile deutlich verändert. Wohl ist die Region immer noch das größte Weinbaugebiet Frankreichs, aber das deutliche Zurückfahren der Anbauflächen sowie der Ausbau und die Professionalisierung der Weinherstellung haben für einen respektablen Qualitätsschub gesorgt. Das macht die Region seit geraumer Zeit insbesondere für Weinfreunde interessant, die gute Weine zu günstigen Preisen suchen. Dabei haben die großen Weinführer und Weinkritiker längst schon ihre Entdeckungen und Lieblinge kundgetan, was der gesamten Region einen zusätzlichen Schub verliehen hat.

Ein Teil dieser Dynamik verdankt sich dem Bestreben, mit neuen Rebsorten und veränderten Anbaumethoden auf den Klimawandel zu reagieren. Auch im Südosten Frankreichs werden die Sommer heißer und trockener. Die Winzer müssen auf diese Umstände reagieren und machen aus der Not eine Tugend. Über hundert Rebsorten sind nach den Regularien der verschiedenen Appellationen zugelassen. Einen besonderen Stellenwert nimmt darunter der Marselan ein. Bereits Anfang der 1960er Jahre kreuzte der Franzose Paul Truel aus Grenache und Cabernet Sauvignon die neue Rebsorte mit dem Ziel, eine größere Hitzeresistenz der Trauben zu erreichen. Benannt ist die junge Rebsorte nach dem kleinen Städtchen Marseillan, wo die ersten Reben gepflanzt wurden. Mittlerweile gilt der Marselan als Geheimtipp aus der Region und wird immer öfter nicht mehr nur in Cuvées eingesetzt, sondern auch reinsortig ausgebaut.

Languedoc-Roussillon

Rund 1600 biozertifizierte Betriebe produzieren jährlich in Languedoc-Roussillon etwa 1 Milliarde Hektoliter Wein.

Languedoc-Roussillon: Pionier in Sachen Biowein

Das trockene, warm bis heiße Klima der Region sorgt dafür, dass es Pilze und Schädlinge schwerer haben. Vor etwa 30 Jahren begannen die ersten Winzer diesen Umstand als Vorteil für den biologischen und auch biodynamischen Anbau zu begreifen und stellten ihre Betriebe um. Auch die allgemeine Senkung der Erträge in jener Zeit spielte dieser Entwicklung in die Hände. Inzwischen gibt es rund 1600 biozertifizierte Betriebe im Languedoc und Roussillon, die etwa 1 Milliarde Hektoliter Wein produzieren – Tendenz steigend.

Doch nicht nur Veränderung und der Blick in die Zukunft zeichnet die Weinregion aus. So kann der Vin Doux Naturel, ein typischer Süßwein der Küstenregion, auf eine Jahrhunderte alte Tradition verweisen. Der Wein, dessen Gärung durch die Beigabe von Alkohol gestoppt wird, so dass eine hohe Restsüße zurückbleibt, war außerhalb der Region lange Zeit nahezu vergessen, erfreut sich aber seit einigen Jahren wieder wachsender Beliebtheit.

Ein weiteres prickelndes Detail soll dem Weinfreund nicht verschwiegen werden. Die Appellation Limoux nimmt nämlich für sich in Anspruch, mehr als hundert Jahre vor Dom Pérignon schon Perl- und Schaumweine hergestellt zu haben. Dom Pérignon habe lediglich die Methode zur Schaumweinherstellung bei einem Aufenthalt in der Benediktiner-Abtei St.-Hilaire bei Limoux kennengelernt und mit nach Nordfrankreich genommen.

Nötig haben der Blanquette de Limoux und Cremant de Blanquette diese historische Eigenwerbung nicht. Es sind besonders frische, mineralisch geprägte Schaumweine, die nur aus dem Fruchtzucker in den Trauben ihre feine Süße beziehen.

Bevor wir im zweiten Teil über das Languedoc und den Roussillon auf die bekanntesten Einzelappellationen und Weinstilistiken eingehen, möchten wir an dieser Stelle zwei kleine Empfehlungen abgeben, um sich der Region auch im Glas zu nähern.

Granbeau Languedoc Roussillon


Die Cuvée aus Grenache, Syrah und Marselan (GSM) steht für eine typische Weinstilistik aus dem Languedoc. Den bekannten südfranzösischen Rebsorten Syrah (50%) und Grenache (20%) gesellt sich die „neue“ Rebsorte Marselan hinzu, die dem „Granbeau GSM“ zusätzliche Struktur verleiht. Intensive Fruchtaromen von dunkler Kirsche und Pflaumen, die von feiner Säure eingefasst sind und Noten von wilden Kräutern verleihen dem Wein einen wunderbaren Trinkfluss. Für das Geld muss man einen solchen Wein in anderen französischen Regionen erst einmal finden.
Granbeau GSM Grande Réserve 2016

Carignan G Vieilles Vignes

Auch die Rebsorte Carignan kommt im Languedoc-Roussillon zu neuen Ehren. So finden sich hier auch reinsortige Carignans wie den „Carignan G Vieilles Vignes“. Vieilles Vignes bedeutet „alte Rebstöcke“, die zwar wenig Ertrag, dafür aber hocharomatische Trauben liefern. Das bestätigt der „Carignan G“ gleich am Gaumen mit tiefen Aromen dunkler Frucht und Noten von Wacholderbeeren. Mundfüllend und dabei nahezu sanft empfiehlt sich der Wein auch als Essenbegleiter zu Schmorgerichten und deftigem Gemüse.
Carignan G Vieilles Vignes

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