Kein trockenes Thema: Deutsche Weinstatistik

Das Deutsche Weininstitut veröffentlicht Jahr für Jahr aktuelle Zahlen zum Weinmarkt. Sowohl Informationen zum Weinkonsum in Deutschland als auch Wissenswertes zu Wein-Import und -Export sowie dem derzeitigen Stand der Rebsorten-Anteile auf heimischen Weinbergen sind in der Publikation nachzulesen… und noch vieles, vieles mehr. Unser Kollege Daniel ist in das Zahlenwerk eingestiegen und berichtet von der aktuellen Ausgabe 2020/2021.

Zunächst möchte ich etwas zu der Datengrundlage der Erhebung sagen: Die aktuelle Weinstatistik des Deutschen Weininstituts (DWI) trägt zwar den Titel 2020/2021, doch werden hierin die Zahlen aus dem Jahr 2019 vorgestellt. Was etwas verwirrend anmutet, stellt aber dennoch das derzeit aktuellste Zahlenmaterial dar.

Weinkonsum und Lieblingsweinländer der Deutschen

Im Vergleich zum Vorjahr ist der Weinkonsum in Deutschland im Jahr 2019 praktisch unverändert geblieben: 20,1 Liter Wein wurde pro Kopf letztes Jahr in Deutschland getrunken. Ein Niveau, das bereits seit 20 Jahren sehr konstant ist. Der Schaumweinkonsum blieb mit 3,3 Litern ebenfalls auf stabilem Niveau. Deutschland ist damit nach wie vor das Land mit dem höchsten Schaumweinkonsum weltweit.

Deutsche Weine sind im eigenen Land übrigens mit Abstand am beliebtesten. 45 Prozent Marktanteil sprechen eine deutliche Sprache. Auch dieser Wert ist seit vielen Jahren auf ähnlichem Niveau.

Weine aus dem Ausland sind selbstverständlich dennoch extrem beliebt in Deutschland. Das Lieblingsweinland ist Italien mit einem Marktanteil von 16 Prozent. Frankreich folgt auf Platz zwei mit 12 Prozent, gefolgt von Spanien mit neun Prozent. Österreich landet auf Platz sechs, nach Südafrika und den USA.

Wieviel Geld geben Deutsche für Wein aus?

Der für eine Flasche Wein im Durchschnitt ausgegebene Preis ist in Deutschland nach wie vor erschreckend niedrig – zumindest, wenn man in die Supermärkte und Discounter blickt. Nur 3,12 Euro wurden im Schnitt in diesen Einkaufsstätten pro Flasche ausgegeben.

Im stationären sowie im Online-Weinfachhandel lässt der Wert auf ein deutlich höheres Qualitätsniveau schließen: 6,89 Euro gaben Weinfreunde durchschnittlich für eine Flasche Wein aus. Eine Steigerung von neun Cent im Vergleich zum Vorjahr. Und Apropos Online-Weinhandel: Vier Prozent aller verkauften Weine in Deutschland wurden 2019 online verkauft.

Wieviel Wein wird in Deutschland produziert?

Im Jahr 2019 wurden in Deutschland insgesamt 900 Million Liter Wein hergestellt. Aus Weintrinker-Sicht ein unvorstellbar hoher Wert. Doch im Vergleich mit Italien – dem Weinland mit der größten Weinproduktion – geradezu winzig. Hier sind es mehr als fünfmal soviel.

Abfüllung Wein

In Deutschland abgefüllter Wein gewinnt auch im Ausland an Beliebtheit. Insbesondere in den USA.

Der in Deutschland vinifizierte Wein wird natürlich nicht nur im eigenen Land genossen. Im Ausland sind Riesling und Co. ebenfalls sehr beliebt. 104 Millionen Liter deutscher Wein wurde 2019 ins Ausland exportiert – drei Prozent mehr als im Vorjahr. Am beliebtesten ist deutscher Wein in den USA. Gefolgt von den Niederlanden, Großbritannien, Norwegen, China und Kanada.

Was sind die größten Weinländer der Welt?

Spanien bleibt mit 966.000 Hektar Rebfläche aktuell zwar das Weinland mit der größten Rebfläche, doch am meisten Wein entsteht hier nicht. Spanien liegt mit 3,4 Milliarden Litern pro Jahr nur auf Platz drei. Den Spitzenreiter Italien hatte ich mit seinen knapp 4,8 Milliarden Liter bereits genannt. Auf Platz zwei findet sich wenig überraschend Frankreich mit 4,2 Milliarden Litern produzierten Wein. Deutschland liegt auf dieser Rangliste auf Platz neun, mit nur noch wenig Vorsprung vor China auf Platz zehn.

Deutsche Anbaugebiete und ihre Rebsorten

Im Folgenden möchte ich die aktuellen Zahlen zu den 13 deutschen Anbaugebieten wiedergeben – sortiert nach ihrer Größe. Zudem enthält die Übersicht die drei meist angebauten Rebsorten dieser Regionen. Die Werte in Klammern sind jeweils die Rebflächen in Hektar.

Natürlich existieren zu den Gebieten und Rebsorten schon jede Menge Beiträge in unserem Magazin. Daher ist die Übersicht auch eine schöne Link-Sammlung.

Rheinhessen (26.860 ha)

Riesling (4.855 ha)
Rivaner/Müller-Thurgau (4.084 ha)
Dornfelder (3.346 ha)

Pfalz (23.684 ha)

Riesling (5.895 ha)
Dornfelder (2.869 ha)
Grauburgunder (1.830 ha)

Baden (15.836 ha)

Spätburgunder (5.333 ha)
Rivaner/Müller-Thurgau (2.357 ha)
Grauburgunder (2.190 ha)

Württemberg (11.394 ha)

Riesling (2.125 ha)
Trollinger (2.082 ha)
Lemberger (1.777 ha)

Mosel (8.744 ha)

Riesling (5.435 ha)
Rivaner/Müller-Thurgau (889 ha)
Elbling (465 ha)

Franken (6.137 ha)

Silvaner (1.522 ha)
Rivaner/Müller-Thurgau (1.493 ha)
Bacchus (754 ha)

Nahe (4.239 ha)

Riesling (1.227 ha)
Rivaner/Müller-Thurgau (507 ha)
Dornfelder (413 ha)

Rheingau (3.185 ha)

Riesling (2.475 ha)
Spätburgunder (388 ha)

Saale-Unstrut (798 ha)

Rivaner/Müller-Thurgau (121 ha)
Weißburgunder (109 ha)
Riesling (71 ha)

Ahr (562 ha)

Spätburgunder (367 ha)
Riesling (46 ha)
Frühburgunder (34 ha)

Sachsen (493 ha)

Rivaner/Müller-Thurgau (70 ha)
Riesling (62 ha)
Weißburgunder (61 ha)

Mittelrhein (468 ha)

Riesling (304 ha)
Spätburgunder (47 ha)
Rivaner/Müller-Thurgau (23 ha)

Zu guter letzt sind hier noch die Zahlen des kleinsten deutschen Anbaugebiets – der hessischen Bergstraße:

Hessische Bergstraße (463 ha)

Riesling (184 ha)
Grauburgunder (56 ha)
Spätburgunder (51 ha)

Aus diesen Zahlen lassen sich ein paar interessante Erkenntnisse ableiten. Beispielsweise wird in der Pfalz deutschlandweit der meiste Riesling angebaut. Dicht gefolgt von der Mosel. Dabei nimmt diese Rebsorte in der Pfalz eine Fläche ein, die fast so groß ist wie das komplette Anbaugebiet Franken. Beeindruckend, denn Franken ist immerhin das sechsgrößte Anbaugebiet Deutschlands.

Der Rebsortenspiegel Deutschlands

Wenig überraschend ist Riesling die meist angebaute Rebsorte in Deutschland. Gefolgt von Müller-Thurgau (Rivaner) und Grauburgunder. Riesling ist dabei so deutlich auf Nummer eins, dass die Sorte auf mehr als doppelt soviel Rebfläche angebaut wird als der zweitplatzierte Müller-Thurgau.

Das Niveau in den vergangenen Jahren ist sehr konstant, deutscher Riesling ist nach wie vor äußerst beliebt. Grauburgunder wird immer populärer und so steigt die Rebfläche erneut deutlich an. Ebenfalls im Aufschwung befinden sich in Deutschland Weißburgunder, Sauvignon Blanc sowie Chardonnay.

Sauvignon Blanc

Sauvignon Blanc findet auch in Deutschland immer mehr Anhänger.

Der Rückgang der Rebfläche von einzelnen Rebsorten zeigt wiederum die schwindende Popularität einiger Weine. Hier zeichnet sich vor allem bei Müller-Thurgau eine deutliche Stagnation ab – trotz des neuen Namens „Rivaner“. Und auch Dornfelder, Portugieser und Silvaner werden weniger als im Vorjahr angebaut.

Ich könnte diese Zahlenspiele noch lange fortsetzen, doch für den ersten Beitrag zum Thema in unserem Magazin soll es vorerst reichen. Das Gute daran: Nächstes Jahr erscheint garantiert wieder ein neues Zahlenwerk und ich freue mich bereits jetzt über Veränderungen berichten zu können.

Quelle: Deutsche Weinstatistik 2020/21 (Hrsg. Deutsches Weininstitut)

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