Württemberg – Rotwein ist Trumpf

Das Weingebiet Württemberg steht wie keine andere Region für die rote Rebsorte Trollinger. Doch was gibt es noch von der im Süden der Republik gelegenen Weinregion zu sagen? Wir haben ein Profil erstellt.

Zunächst einmal zu den nüchternen Zahlen: Das Weingebiet Württemberg ist mit etwas über 11.000 Hektar Rebfläche die viertgrößte Weinregion Deutschlands (nach Rheinhessen, der Pfalz, und Baden). Über 70 Prozent der produzierten Weine sind rot und die Rebsorte Trollinger wird auf 20 Prozent der Gesamtfläche angebaut – das macht den Trollinger zur meist angebauten Rebsorte der Region. Auf dem zweiten Platz folgt überraschenderweise mit Riesling eine weiße Rebsorte. Lemberger, Schwarzriesling (Pinot Meunier), Spätburgunder und Dornfelder folgen in der Rebsorten-Rangliste. Die Dominanz roter Rebsorten wird mehr als deutlich.

Weingebiet Württemberg – sechs Bereiche inklusive Satelliten

Geographisch betrachtet beginnt das Weingebiet rund 40 Kilometer südlich von Würzburg. Es zieht sich in einem breiten Streifen westwärts in Richtung Heilbronn, Ludwigsburg und Stuttgart. Unterhalb von Reutlingen findet es seine südliche Begrenzung. Jedoch wartet Württemberg noch mit zwei Besonderheiten auf: die Weinbereiche Bayerischer und Württemberger Bodensee nehmen nämlich eine Art Satellitenstellung ein. Beide Bereiche sind rund 150 Kilometer vom Stamm-Anbaugebiet entfernt und gehören dennoch zu Württemberg. Neben den zwei Bodensee-Bereichen zählt Württemberg noch vier weitere Bereiche: Kocher-Jagst-Tauber, Württembergisches Unterland, Remstal-Stuttgart und Oberer Neckar. Insgesamt existieren in den sechs Bereichen 17 Großlagen und 207 Einzellagen.

Weingebiet Württemberg

Der für das Weingebiet wichtigste Bereich ist das Württembergische Unterland. Die Weinberge profitieren hier vom günstigen Mikroklima des Neckartals sowie den von Muschelkalk geprägten Böden. In Württemberg finden sich ideale Voraussetzungen für den Anbau von Rotwein durch verhältnismäßig warmes Klima und vielen Steillagen. Und dieser ist vor Ort besonders beliebt. So hat der regional favorisierte Trollinger einen großen Anteil daran, dass in Baden-Württemberg deutlich mehr Wein pro Kopf konsumiert wird als in anderen deutschen Bundesländern.

Gemeinsame Sache – Genossenschaften in Württemberg

Eine weitere Besonderheit des Weingebiets Württemberg ist, dass Winzer vielerorts nur kleine Parzellen besitzen und die geernteten Trauben nicht selbst zu Wein verarbeiten. Sie verkaufen stattdessen an die nächstgelegene Genossenschaft. So gibt es aktuell rund 60 Genossenschaften in Württemberg, die beeindruckende 80 Prozent aller Württemberger Weine vermarkten. Diese Zahlen lassen nicht auf ein schlechtes Qualitätsniveau in Württemberg schließen. Weinfreunde, die etwas genauer hinschauen und sich bei der Recherche Zeit nehmen, werden ohne Weiteres Winzergenossenschaften ausfindig machen, die Weine mit einem beeindruckenden Preis-Genuss-Verhältnis anbieten.

Württembergs Haustraube: Trollinger

Und in diesem Zusammenhang noch ein paar Worte zur Lieblingsrebsorte Württembergs, dem Trollinger: Die seit dem 14. Jahrhundert als „schwäbische Haustraube“ bekannte Rebsorte stammt ursprünglich aus Südtirol und heißt dort Schiava Grossa. Mittlerweile ist sie unter dem Synonym Vernatsch bekannt. Es ist eine spätreifende Rebsorte, die eine sehr gute Resistenz gegen Frostschäden mitbringt. Die daraus produzierten Weine sind in der Regel sehr fruchtbetont und von eher leichtem Körper. Der Alkoholgehalt liegt nicht selten unter 12 Prozent. Die typischen Aromen eines Trollingers erinnern vor allem an Veilchen und Mandeln. Diese Stilistik macht Trollinger zu einem Rotwein, der auch im Sommer – leicht gekühlt – viele Anhänger findet. Auch außerhalb von Württemberg.

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