Welche Bedeutung hat die Weinregion Südtirol?
Südtirol zählte lange zu den größten Zankäpfeln europäischer Mächte. Nach den Römern und Rätern hatten sich Bayern, Franzosen, Wittelsbacher, Österreicher und noch einige Parteien mehr um das alpine Territorium gestritten, bevor es nach dem Ersten Weltkrieg letztlich an Italien fiel. Auch hiernach mussten bewegte Jahrzehnte vergehen, bevor der nördlichste Landesteil der Repubblica Italiana seinen heutigen Status als „Autonome Provinz Bozen-Südtirol“ erlangte.
Die Geschichte der Weinregion Südtirol
Kaum weniger wechselhaft liest sich die Geschichte des regionalen Weinbaus. Archäologische Funde deuten darauf hin, dass dieser schon vor 3000 Jahren betrieben wurde. Doch sollte die erste große Blüte des Südtiroler Weins bis zu den Habsburgern auf sich warten lassen, um mit dem Untergang der KuK-Monarchie ein ebenso jähes Ende zu finden. In der jüngeren Geschichte hatte sich die regionale Weinerzeugung sodann über längere Zeit durch Massenprodukte hervorgetan, bevor sich die heimischen Winzer schließlich besannen. Die 1980er läuteten eine konsequente Neuausrichtung auf Qualitätsweinbau ein, die seitdem auch immer mehr Früchte trägt. Heute stehen je nach Quelle 96 bis 98 Prozent der Südtiroler Weinberge unter dem Schutz der kontrollierten Ursprungsbezeichnung einer Denominazione di Origine Controllata (DOC) – der Spitzwert in der ohnehin ruhmreichen Weinnation Italien.
Wodurch zeichnet sich die Weinregion Südtirol besonders aus?
Klasse statt Masse. So einfach lässt sich der Weinbau in Südtirol charakterisieren – und in nur sehr wenigen Weinregionen ist diese so oft bemühte Formel so treffend gewählt, wie ebendort. Zu dieser Wahrheit gehört, dass insgesamt 5.400 Hektar Rebfläche weniger als ein (1) Prozent der italienischen Weinberge ausmachen, womit Alto Adige, wie die Region im Italienischen bezeichnet wird, zu den kleinsten Weinbaugebieten des Landes zählt. Jedoch repräsentieren die rund 350.000 Hektoliter Wein, die jährlich in Südtirol in Flaschen abgefüllt werden, neben einer sehr hohen Durchschnittsqualität auch einen erstaunlichen Facettenreichtum – ganz gleich ob bei roten oder weißen Gewächsen.
Südtirol: hohe Qualität von Genossenschaften
Bis heute ist der Weinbau in Südtirol maßgeblich durch traditionelle Strukturen geprägt. Circa 5.000 Weinbaubetriebe liefern ihre Traubenernte an ungefähr 170 genossenschaftlich geführte Kellereien, die rund 70 Prozent der Produktionsmenge auf sich vereinigen. Großbetriebe wie die Cantina Terlan oder die Kellereien Meran, Kurtatsch und Eissacktal stehen jedoch nicht – wie andernorts zumeist – für den soliden Sockel des regionalen Weinbaus, sondern ausweislich für Spitzenqualitäten. Gleichwohl haben auch privat geführte Weingüter und Winzerpersönlichkeiten den Qualitätsweinbau in Südtirol entscheidend geprägt. Kein Weg führt in dieser Hinsicht an Alois Lageder vorbei, der gemeinhin als Schlüsselfigur für die Trendwende der 1980er-Jahre gilt. Das renommierte Familienweingut aus Margreid zählt überdies zu den Pionieren des biologisch-dynamischen Weinbaus, der sich in Südtirol früh und weitreichend etablieren konnte und die Region auch in dieser Hinsicht zu einem Vorbild werden ließ.
Welcher Wein steht typisch für Südtirol?
Auf den Weinbergen der Region belegen weiße Rebsorten gegenwärtig rund zwei Drittel der Anbauflächen. Mit Pinot Grigio (Grauburgunder), Chardonnay, Pinot Blanco (Weißburgunder) und Sauvignon Blanc prägen zuvorderst internationale Gewächse die Stilistik Südtiroler Weißweine. Hinzu kommen die beliebten autochthonen Sorten, im Besonderen Kerner und nicht zuletzt Gewürztraminer. Silvaner, Veltliner, Müller-Thurgau und Riesling vervollständigen den überaus vielschichtigen Mix weißer Rebsorten.
Typisch Südtirol: Lagrein und Vernatsch
Mit Blick auf die mengenmäßige Dominanz weißer Sorten mag es paradox erscheinen: Die Frage nach dem typischen Südtiroler Wein führt eher ins Rotweingewerbe und dort vorrangig zu Vernatsch und Lagrein. Der Vernatsch (Trollinger) ist bereits im 16. Jahrhundert im Alto Adige heimisch geworden und erfreut sich bis heute als leichter Rotwein mit eher wenig Tannin und floralen Noten großer Popularität. Ungleich fülliger und fruchtintensiver fällt der autochthone Lagrein aus, der in den zurückliegenden Jahrzehnten eine bemerkenswerte Renaissance erlebt hat. Vielfach reinsortig ausgebaut und häufig im Eichenfass gereift, wird er von Kennern für seine kraftvolle Aromatik und seidige Eleganz hochgeschätzt und gilt heute als das Aushängeschild des Südtiroler Rotweins schlechthin. Neben den beiden roten Lokalmatadoren zählen Pinot Nero (Blauburgunder) sowie französische Gewächse wie Merlot und die Cabernet-Sorten zum heimischen Portfolio. Letztere finden sich bisweilen auch als Partner in Cuvées mit Lagrein wieder. Hinweis: Wird auf dem Etikett eines Südtiroler Weins nur eine Rebsorte genannt, gilt die Vorschrift, dass diese mit mindestens 85 Prozent im Wein enthalten sein muss.
Wo wird in Südtirol Wein angebaut?
Südtirol verfügt über eine überaus vielfältige Weinlandschaft, mit unterschiedlichsten Terroirs, Mikroklimata und Lagen zwischen 200 und 1.000 Meter über NN, wobei sich typische Rot- und Weißweingebiete klar abgrenzen lassen. Traditionelle Herzkammer des Südtiroler Weinbaus ist die Subregion Überetsch mit den Gebieten Kaltern (Kalterer See) und Eppach, in denen fast ausschließlich Weißweine entstehen. Letzteres gilt auch für das Südtiroler Unterland mit bekannten Weinorten wie Kurtatsch, Margreid, Tramin und Neustadt. Das milde Klima in Meran und Umgebung begünstigt eher leichte Rotweinsorten und damit Vernatsch und Blauburgunder. Bozen hingegen gilt als das Kernland für den kraftvolleren Lagrein und steht folglich auch für dessen beste Qualitäten. In den stellenweise steilen Hanglagen des Eisacktals sowie im Vinschgau herrschen wiederum weiße Sorten, im Besonderen Kerner, aber auch Silvaner und Müller-Thurgau.
Wie schmeckt Südtiroler Wein?
Angesichts der bemerkenswerten Vielfalt Südtiroler Weine lässt sich ein typischer Geschmack nur schwerlich festmachen. Gilt es dennoch eine übergreifende Charakteristik zu benennen, ergibt sich diese nicht zuletzt aus der geografischen Lage der Region zwischen Alpen und Apennin. Für viele Kenner gilt der Südtiroler Wein, ganz gleich ob rot, weiß oder als Rosé ins Glas kommend, als eine perfekte Synthese aus Frische und Kraft, als gelungener Kompromiss zwischen Cool Climate und mediterraner Prägung. In gewisser Weise repräsentieren die Weine aus Südtirol damit die nördlichen wie südlichen Einflüsse, die die Kulturregion auch im Ganzen so einzigartig prägen.
Weißweine aus Südtirol zeichnen sich trotz der Vielzahl kultivierter Rebsorten fast immer durch eine feine Mineralität aus, geben sich zumeist eher schlank und spritzig. Vor allem der heimische Lagrein und der in Südtirol als Blauburgunder bezeichnete Pinot Noir schenken den Rotweinen eine zumeist betont elegante Note und finden sich darum auch immer häufiger auf den Weinkarten der gehobenen Gastronomie nördlich der Alpen wieder. Mit dem süffigen Vernatsch präsentiert sich die Südtiroler Weinkultur von ihrer unkomplizierten, zugleich hochsympathischen Seite, die sowohl unter den 500.000 Bewohner in der Region, als auch unter den jährlich fast 9 Millionen Touristen weithin geschätzt wird.
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Hochalpine Skigebiete, Belle Époque-Charme in Meran oder mediterraner Lifestyle in Bozen: Südtirol hat wahrlich viel zu bieten, nebenher auch drei Amtssprachen. Auch die ungeheure Vielfalt Südtiroler Weine lässt sich idealerweise direkt vor Ort erkunden und genießen. Weinfreunde.de bietet eine praktische Alternative. Im Shop finden sich zahlreiche mit größter Sorgfalt ausgesuchte Rot- und Weißweine aus der Region. So etwa Lagrein, Vernatsch, Pinot Bianco, Pinot Grigio und Sauvignon Blanc. Eine Bestellung ist ganz einfach erledigt: Mit nur wenigen Klicks kommt der Lieblingswein aus Südtirol binnen weniger Tage direkt vor die Haustür und von dort „pronto“ ins Glas.