Welchen Stellenwert haben Weine aus der Toskana?
Vom alpinen Einstieg in Südtirol bis zum Absatz in Apulien und weiter zur mediterranen Spitze auf Sizilien reiht der italienische Stiefel ein Weinbaugebiet an das nächste. Dementsprechend lang ist die Liste ikonischer Weine, die heute zum Kulturerbe Italiens gezählt werden dürfen und sich weltweit größter Wertschätzung erfreuen. Betrachtet man diese Liste im Detail und stößt dabei auf Stichworte, wie Chianti Classico, Brunello di Montalcino oder Vino Nobile di Montepulciano, rückt eines der zwanzig offiziellen Weingebiete zwangsläufig in den Fokus: die Toskana. Die auch in landschaftlicher, kultureller und kulinarischer Hinsicht reich gesegnete Region in Mittelitalien vereint längst nicht alle Spitzenweine Italiens auf sich, doch fraglos die meisten. Natürlich gibt es mit dem Barolo im Piemont, mit dem Amarone aus dem venezianischen Valpolicella und den großen Gewächsen des Südens inländische Konkurrenz auf Augenhöhe. Doch messen sich toskanische Spitzenweingüter, wie Antinori, Ornellaia und Ricasoli heute vornehmlich mit den Kollegen in Bordeaux, im Burgund und Napa Valley – mithin an der absoluten Weltklasse.
Welcher Wein ist typisch für die Toskana?
Unbeschadet der Beliebtheit eines Vernaccia di San Gimignano und trotz einer Vielzahl weiterer großartiger Weißweine aus der Region, ist die Toskana zuvorderst für Rotweine bekannt. Einer davon darf für sich in Anspruch nehmen, geradezu emblematisch für den toskanischen Wein zu stehen: der Chianti. Der Name des Weins bezieht sich auf das sogenannte Chianti-Gebiet, eine Hügelkette (Colline del Chianti) im Zentrum der Toskana, wo sich der Weinbau bis ins 8. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Lässt man die verschiedenen Qualitätsstufen eines Chiantis außer Acht, handelt es sich im Allgemeinen um einen trockenen, maßgeblich aus der Rebsorte Sangiovese vinifizierten Rotwein, mit reichhaltigen Aromen von dunklen Früchten und Kräutern, prägnanter Säure und vernehmlichen Tanninen.
Was ist das Besondere an Chianti?
Der Chianti blickt auf eine lange und wechselhafte Geschichte zurück, wobei eine folgenschwere Wegmarke das Jahr 1932 bildet. Der seinerzeitigen Popularität des Weins geschuldet, wurde das historische Chianti-Gebiet im Dreieck von Florenz im Norden, Siena im Süden und Arezzo im Osten (Chianti-Classico-Gebiet) großflächig um sechs und später um eine weitere auf sieben, zum Teil nicht zusammenhängende Zonen erweitert. Diese reichten fortan nach Süden weit über Siena hinaus und erstreckten sich im Westen bis zur toskanischen Mittelmeerküste, wodurch die Sangiovese-Traube fortan unter sehr unterschiedlichen Bedingungen kultiviert wurde. In der Folge dieser Masse-statt-Klasse-Politik verlor der Chianti seine ursprüngliche Typizität, darüber sein Ansehen unter Weinkennern, und kam dann zumeist nur noch als einfacher Tafelwein ins Glas. Auch in Deutschland kannte man den von italienischen Arbeitsmigranten hierzulande eingeführten Chianti als einen schlichten Tropfen, der sich in seiner strohumflochtenen, bauchigen Flasche genauso rustikal präsentierte, wie er zumeist schmeckte. Ab den 1960er-Jahren besannen sich die toskanischen Winzer dann wieder auf einen Qualitätskurs, reduzierten die Erträge und führten strengere Produktionsvorschriften ein. Auch die sogenannte (selbstverheißende) „Fiasco-Flasche“ wurde kurzerhand und für immer abgeschafft. Vor allem ab den 1990er-Jahren hat die Region einen weithin sichtbaren Wandel zum Besseren vollzogen, ganz zuvorderst das Chianti Classico-Gebiet, dessen Gütesiegel des Schwarzen Hahns (Gallo Nero) heute wieder für ausgewiesene Qualitätsweine steht.
Was ist ein Supertoskaner?
Als Supertoskaner oder auch Supertuscans werden toskanische Weine, hauptsächlich Rotweine, bezeichnet, die aufgrund der Verwendung von regionsuntypischen Rebsorten keinen DOC- oder DOCG-Status genießen, gleichwohl den Anspruch erheben, Qualitätsweine höchster Güte zu sein. Unter Federführung des florentinischen Weinhauses Marchese Antinori entstanden ab den 1970er-Jahren Rotweine, die sich durch die Verwendung von Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Merlot ganz bewusst an der Stilistik von Bordeaux-Cuvées orientierten. Im Falle des Tignanello wurden die französischen Gewächse mit dem heimischen Sangiovese als Hauptrebsorte verschnitten, beim fast zeitgleich eingeführten Sassicaia hingegen wurden ausschließlich die beiden Cabernet-Sorten eingesetzt. Die lediglich als Vino da Tavola (heute IGT) klassifizierten Weine sorgten fortan für großes Aufsehen in der Weinwelt und verhalfen den toskanischen Rotweinen zu einem nachhaltigen Reputationsgewinn. Im Fahrwasser dieser kleinen Weinrevolution profitierten schließlich auch die traditionellen Weine der Region. Allen voran der Chianti Classico errang neue Aufmerksamkeit, was die heimischen Winzer wiederum dazu motivierte, ihre Qualitätsanstrengungen zu forcieren. Heute bilden die Supertoskaner eine feste Größe in der internationalen Weinelite: Namen wie die schon genannten, aber auch Solaia, Masseto oder Guado al Tasso konkurrieren wie selbstverständlich mit den Grand-Cru-Classé-Châteaux des Bordelais um die Gunst von Weinkennern mit allerhöchsten Ansprüchen.
Wie lauten weitere bekannte Rotweine der Toskana?
Neben den Supertoskanern, von denen viele zu globalen Marken aufgestiegen sind, und dem Chianti bzw. Chianti Classico ziert nicht zuletzt der Brunello di Montalcino jede Toskana-Weinkarte, die etwas auf sich hält. Der aus der Gemeinde Montalcino im Süden der Provinz Siena stammende, typischerweise opulent ausfallende Rotwein beruht auf einem Sangiovese-Klon, der ursprünglich auch auf den Namen Brunello getauft wurde. Kaum weniger renommiert für seine Exzellenz ist der elegante Vino Nobile aus der Ortschaft Montepulciano. Er stützt sich auf mindestens 70 Prozent Sangiovese und darf allein darum keinesfalls mit Weinen aus der Rebsorte Montepulciano verwechselt werden, die hauptsächlich in den Abruzzen beheimatet ist. 85 Prozent Sangiovese als Minimum gelten für den Morellino di Scansano, der die südliche Toskana, die sogenannte Maremma, repräsentiert und als mediterraner Toskaner ebenso weithin geschätzt wird.
Welche bekannten Weißweine stammen aus der Toskana?
Geht es um Bekanntheit, ragt der weiße Vernaccia di San Gimignano so weit in den toskanischen Himmel, wie die bis heute erhaltenen Geschlechtertürme der gleichnamigen Stadt, die nicht ohne Grund als mittelalterliches Manhattan bekannt ist. Der bisweilen etwas gedehnte Begriff der autochthonen Rebsorte bekommt vor Ort eine besondere Relevanz. Denn tatsächlich bezeichnet Vernaccia di San Gimignano nicht nur den besagten Wein, sondern auch die Rebsorte selbst, die folglich nur (ausdrücklich nur) auf den Weinbergen von San Gimignano zu Hause ist. Bereits in Dantes Göttlicher Komödie findet der Vernaccia wohlwollende Erwähnung, auch das ist Teil des Markenmythos, an den kein anderer Weißwein der Toskana heranreicht. Geht es jedoch etwas allgemeiner um eine toskanische Weißwein-Typik, wird diese vorwiegend durch die Rebsorte Vermentino repräsentiert und damit gleichzeitig durch die küstennahe Maremma als Herkunftsgebiet. Selbstredend sind es die großen Winzerdynastien, wie Ornellaia, Villa Antinori und Frescobaldi, die auch den Weißweinen der Toskana eine sichtbare Identität verleihen.
Welche Rebsorten werden in der Toskana angebaut?
Über den Sangiovese ist schon viel gesagt; es sei aber nochmals betont, dass er die Weinberge der Toskana unangefochten beherrscht. Bei den roten Gewächsen folgen ihm inzwischen Merlot, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc (in dieser Reihenfolge) sowie die traditionellen Gewächse Canaiolo und Ciliegiolo, während sich die Syrah-Traube langsam, aber stetig in küstennahen Regionen etabliert. Bei den weißen Rebsorten führt mengenmäßig der Trebbiano Toscano, der aber nicht nur weiß ins Glas kommt, sondern auch in bedeutendem Umfang für Rotwein-Cuvées gebraucht wird. Gleich danach folgt, trotz seiner rein lokalen Verwurzelung, bereits der Vernaccia di San Gimignano und schließlich der Vermentino. Malvasia Bianco, auch als Lunga bekannt, verdankt seine Stellung dem mit ihm süß ausgebauten Vin Santo, kommt aber auch bei Chianti-Verschnitten zum Einsatz. Chardonnay, Sauvignon Blanc und Viognier ergänzen den weißen Rebsortenspiegel als internationale Sorten, die auch in der Toskana weiter auf dem Vormarsch sind.
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