Gemischter Satz

Gemischter Satz ist die Bezeichnung für eine ganz besondere Cuvée: Hierfür ist ein Weinberg oder Weingarten mit verschiedenen Rebsorten nebeneinander bestockt. Die Trauben werden in der Regel zum gleichen Zeitpunkt geerntet und zusammen vergoren. Der Gemischte Satz, englisch auch „Field Blend“ genannt, ist vorwiegend in Österreich weitverbreitet.

Der Gemischte Satz – eine Kulturgeschichte

Die landwirtschaftliche Tradition des Gemischten Satzes war noch im 17. Jahrhundert die in Mitteleuropa vorherrschende Methode des Weinbaus. Verschiedene Rebsorten nebeneinander anzubauen und zu einem Wein auszubauen, diente der Risikominimierung für den Winzer. Mochten einzelne Rebsorten durch Fröste, Trockenheit oder Schädlinge vom Ernteausfall bedroht sein, so lieferte der Weingarten in Gänze zuverlässig eine Ernte. Zudem existieren noch heute alte Weingärten, bei denen schlichtweg nicht genau darauf geachtet wurde, ob es sich darin um nur eine Rebsorte handelt.

Erst durch Reblaus-Katastrophe Ende des 19. Jahrhunderts geriet diese Tradition in Bedrängnis. Man setzte auf Klon-Selektion, um widerstandsfähige Reben zu erhalten und setzte damit der Vielfalt im Weinberg ein vorläufiges Ende.

Der Gemischte Satz unterscheidet sich von einer klassischen Cuvée dadurch, dass die Trauben verschiedener Rebsorten gemeinsam vergoren werden, während bei der Cuvée die Grundweine erst nach der Lagerung kombiniert werden.

Die Bedeutung des Gemischten Satzes in Österreich

Der Gemischte Satz war und ist hauptsächlich in Österreich weitverbreitet. Besonders in den Weinanbaugebieten Wien, Carnuntum und Wagram wird der Gemischte Satz intensiv betrieben und belegt über 1.000 Hektar Rebfläche. Aufgrund der historisch gewachsenen Bedeutung des Gemischten Satzes für Österreich wurde er 2008 von der Organisation Slow Food in die „Arche des Geschmacks“ aufgenommen. Weitreichender noch war jedoch die EU-Verordnung aus dem Jahr 2009, die Gemischter Satz als geschützte Herkunftsbezeichnung für Österreich anerkannte. Seitdem darf kein anderes Land Weine so benennen, selbst wenn sie nach dem identischen Verfahren hergestellt werden.

Seit 2013 ist der Wiener Gemischter Satz sogar als DAC-Wein geschützt. Er darf ausschließlich aus weißen Rebsorten hergestellt werden.

Gemischter Satz in anderen Ländern

In Deutschland ist in Sachsen der sogenannte Schieler populär, ein aus Weißwein- und Rotweinreben gekelterter Wein, in Württemberg gibt es den Schillerwein, in Baden den Badisch Rotgold. Aber auch in anderen Regionen – wie etwa im Markgräflerland – entdecken Winzer den Gemischten Satz für sich und legen Weingärten neu an.

Auch in Portugal und Italien wird nach wie vor Wein nach der Methode des Gemischten Satzes produziert, in Frankreich gibt es hierfür sogar eine eigene Appellation: Bourgogne-passe-tout-grains.

Die im Gemischten Satz verwendeten Rebsorten

Im österreichischen Gemischten Satz müssen mindestens drei verschiedene Rebsorten verwendet werden, meistens sind es jedoch mehr. Es werden vor allem Weißburgunder, Riesling, Silvaner, Traminer, Grüner Veltliner, Müller-Thurgau, Chasselas, Elbling, Fütterer, Hanns, Heunisch, Muskateller, Neuburger, Grüner Hainer, Orleans, Österreichisch-Weiß und Zierfandler verwendet.

So schmeckt Gemischter Satz

Da die beim Gemischten Satz verwendeten Rebsorten immer unterschiedlich sind, schmecken auch die Weine recht unterschiedlich. Hinzu kommen die Unterschiede in Sachen Terroir und Klima, sodass der Gemischte Satz stets ein sehr eigenständiger und individueller Wein ist. Durch die häufig zeitgleiche Ernte lässt sich allerdings sagen, dass noch unreif geerntete Trauben für Säure sorgen und überreife Trauben Süße und Komplexität beisteuern.

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