Interview zum Wein des Jahres 2021 – Moulin Saint-Jean La Réserve

Der Moulin Saint-Jean La Réserve der Domaine Moulin Saint-Jean ist der Weinfreunde Wein des Jahres 2021. Im Video-Call mit dem verantwortlichen Winzer Frédéric Bousquet und dem Weinfreunde-Einkaufsleiter Sven Reinbold möchten wir im Folgenden mehr über den Wein des Jahres 2021 in Erfahrung bringen.

Was macht den Moulin Saint-Jean La Réserve für euch so besonders?

Sven Reinbold: Für uns im Weinfreunde Einkaufsteam ist der Moulin Saint-Jean die perfekte Verkörperung eines Rotweins aus dem Süden Frankreichs. Die Rebsorten Syrah und Grenache passen einfach herrlich zusammen. Da trifft intensive Frucht auf eine gefällige Würze und die dritte Rebsorte der Cuvée – Marselan – versorgt unseren Wein des Jahres mit zusätzlicher Kraft und Struktur. Dieser Dreiklang macht den Moulin Saint-Jean einfach wunderbar trinkbar. Er verlangt Weinfreunden nicht zu viel ab, wirkt aber auch alles andere als einfach. Es ist daher nicht nur ein Wein für besondere Gelegenheiten, sondern ganz explizit ein großartiger Alltagswein. Und klar: Bei jedem Schluck kommt irgendwie mediterranes Urlaubsfeeling auf (lacht).

Sven Reinbold

Sven Reinbold leitet den Einkauf bei Weinfreunde

Frédéric Bousquet: Was soll ich dem noch hinzufügen (lacht)? Vielleicht noch etwas zu den Voraussetzungen auf unseren Weinbergen im Languedoc: Kaum jemand wird davon überrascht sein, dass wir uns in der Region nicht über fehlende Sonne und Wärme beklagen müssen. Was allerdings nur wenige wissen ist, dass das recht nahe Mittelmeer einen kühlenden Einfluss auf das Klima der Region hat. Dadurch kommt es zu keinem Hitzestau in den Weinbergen und die Trauben verfügen bei der Ernte über ausreichend viel Säure. Zudem gibt es bei uns einen Wind, den wir Cers nennen. Sein trocknender Effekt ist besonders dann ein Segen, wenn in der Erntezeit mal etwas Niederschlag kommt. Und eines noch: Die von uns als Garrigue bezeichneten Büsche, die aus den Kräuterpflanzen der Region bestehen, haben einen ganz typischen aromatischen Einfluss auf unsere Weine. All diese Eigenschaften wohnen dem Moulin Saint-Jean inne.

Frédéric Bousquet

Frédéric Bousquet – Winzer unseres Wein des Jahres 2021

Bitte erzähle uns ein wenig über die Domaine Moulin Saint-Jean?

Frédéric: Gerne. Mein Vater kaufte die in Lezignan-Corbieres beheimatete Domaine zusammen mit einer Rebfläche von etwas über 20 Hektar im Jahr 1988. Er war als leidenschaftlicher Winzer von Anfang mit dem Weingut erfolgreich und alles sah nach einer wirklich rosigen Zukunft aus. Dann geschah 1999 etwas völlig Unvorhergesehenes: Durch flutartige Regenfälle wurde praktisch die komplette Rebfläche der Domaine zerstört. Nur durch die großzügige Hilfe von Freunden und Familie gelang der Wiederaufbau. Eine Geste für die wir ewig dankbar sein werden. Seit 2014 bin auch ich der Domaine komplett verschrieben und unterstütze meinen Vater, wo es nur geht. Besonders wichtig ist uns eine möglichst naturnahe Bewirtschaftung der Rebflächen und auch im Keller wird die menschliche Beeinflussung bei der Weinherstellung auf ein Mindestmaß reduziert.

Domaine Moulin Saint Jean

Domaine Moulin Saint-Jean bei der Ernte

Welche spezifischen Bedingungen herrschen in den Weinbergen der Domaine Moulin Saint-Jean?

Frédéric: Neben den bereits erwähnten klimatischen Begebenheiten sind für uns zwei Faktoren unserer Weinberge besonders wichtig: Die Sonnenexposition und die Bodeneigenschaften. Unser Grenache und Marselan bringen auf den terrassenförmigen Weinbergen in südlicher Ausrichtung ganz hervorragende Ergebnisse. Hier ist der Boden sehr steinig und von Kies geprägt. In Kombination erhalten wir wunderbar reifes Lesegut, das trotzdem noch sehr mineralische und feine Weine entstehen lässt. Unser Syrah stammt auch aus einer Hanglage, doch ist hier der Boden von einer Mischung aus Sand und Lehm geprägt. Dieser Boden speichert Wasser gut und versorgt auch tiefere Erdschichten. Durch den Sand wird aber Stauwasser verhindert. Für die kräftige und etwas würzige Rebsorte Syrah ein idealer Boden.

Boden

Durch den steinigen und von Kies geprägten Boden entstehen besonders mineralische Weine

Sven, wie kam es zu dem Kontakt mit der Domaine Saint-Moulin?

Sven: Wir probieren im Team ja ohnehin schon sehr viele Weine. Und auf der Suche nach dem Wein des Jahres erhöhen wir diese Taktzahl noch zusätzlich (lacht). Durch den Réserve Royal kennen und schätzen wir die Domaine Moulin Saint-Jean schon etwas länger. Daher war klar, dass wir auch neue Weine der Domaine im Rahmen der Suche verkosten.

Wie kann man sich den Auswahlprozess für den Wein des Jahres vorstellen?

Sven: In allererster Linie versuchen wir uns natürlich in unsere Kunden hinein zu versetzen. Dazu gehört eine ganze Reihe von Fragestellungen. Welche Weine waren im vergangenen Jahr besonders beliebt? Welche Trends scheinen sich fortzusetzen? Womit können wir unsere Kunden positiv überraschen? Und wie gelingt es uns einen außergewöhnlich guten Wein zu finden, der noch dazu einen günstigen Preis besitzt? Unsere persönlichen Erfahrungen und auch die individuellen Präferenzen innerhalb des Weinfreunde Einkaufsteam spielen letztlich natürlich auch mit rein. Es wird auf jeden Fall nicht nur viel probiert, sondern auch viel diskutiert. Ein Wein des Jahres ist nun einmal etwas ganz Besonderes in unserem Kalender.

Sven und Stefan

Sven und Stefan vom Einkauf bei der Weinauswahl

Was hat letztlich den Ausschlag für die Domaine Saint-Moulin gegeben?

Sven: Das mag sich jetzt etwas klischeehaft anhören, aber es war das Gesamtpaket. Zum einen hat uns die Qualität wirklich restlos überzeugt – ein Wein mit purer Trinkfreude. Zum anderen ist der Moulin Saint-Jean auch ein Wein des Jahres, wie wir ihn noch nie hatten. Wir wollen uns schließlich nicht wiederholen, sondern unseren Kunden ein möglichst großes Spektrum in Sachen Wein aufzeigen. Und natürlich braucht es dafür einen verlässlichen Partner, der unsere Ansprüche und auch unsere Begeisterung teilt. Frédéric mit der Domain Moulin Saint-Jean ist auch in dieser Hinsicht die perfekte Wahl.

Wie war das Gefühl, unter den vielen Produzenten ausgewählt worden zu sein?

Frédéric: Zunächst einmal: Danke für das Kompliment, Sven (lacht). Natürlich erfüllt es uns mit großem Stolz einen „Wein des Jahres“ stellen zu dürfen. Besonders toll ist für mich die Tatsache, dass der Wein in Deutschland präsentiert wird. Im Ausland einen solchen Erfolg zu erzielen, ist etwas ganz Besonderes. Meinem Vater und mir liegt sehr viel daran, nicht nur unser Weingut, sondern die ganze wundervolle Region, in der wir zuhause sind, bekannter zu machen.

Wie war die Zusammenarbeit mit Weinfreunde bei der Entstehung des Moulin Saint-Jean?

Frédéric: Jetzt darf ich wohl nichts Falsches sagen (lacht)? Nein, Spaß beiseite. Wie Sven schon sagte: Man merkt in einer Zusammenarbeit recht schnell, ob man auf einer Wellenlänge ist. Zwischen dem Weinfreunde Team und mir hat sich in der Zeit eine wirklich freundschaftliche Partnerschaft entwickelt. Es hat mir großen Spaß gemacht und bereitet mir immer noch viel Freude.

Habt ihr noch Tipps für die Weinfreunde Kunden wie man den Moulin Saint-Jean am besten genießen sollte?

Sven: In Deutschland wird Wein ja gerne solo getrunken, also ohne Essensbegleitung. Das funktioniert mit dem Moulin Saint-Jean auch bestens, da er eine wunderbare Harmonie und Geschmeidigkeit mitbringt. Und in diesem Zusammenhang werde ich nicht müde zu betonen, dass die richtige Trinktemperatur eine große Rolle spielt. Wenn er bei Zimmertemperatur gelagert wird, am besten 20 bis 30 Minuten vor dem Genuss in den Kühlschrank stellen. Dann sollte er eigentlich mit optimalen 16 bis 18 Grad ins Glas kommen.

Frédéric: Wir Franzosen genießen Wein in der Tat meistens im Rahmen eines Essens. Aufgrund der schon genannten Garrigue-Noten in dem Wein und einem leichten Anklang von Oliven, empfehle ich möglichst mediterrane Gerichte zu dem Wein. Also Speisen, die die Gewürze und Kräuter der Region widerspiegeln. Eine Tapenade aus schwarzen Oliven auf Baguette als Vorspeise zum Beispiel. Als Hauptspeise vielleicht ein gegrilltes Stück Fleisch mit Rosmarin, Thymian und Salbei? Als Beilage passt dann ein Ratatouille mit gutem Olivenöl und frischen Kräutern sehr gut. Dazu serviere ich gern noch ein Couscous mit Zitronenabrieb und frischer Petersilie.

Frédéric, Sven, danke für das Gespräch!

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