VDP - Verband Deutscher Prädikatsweingüter

Stellvertreter deutschen Spitzenweins auf Erden

Der Prophet gilt im eigenen Lande nichts. Das galt nach den süßen Weinen der 1960er und dem Glykolskandal in den 1980er Jahren lange auch für deutschen Wein. Dass dies mittlerweile nicht mehr so ist, daran hat der VDP seine unbestrittenen Verdienste. Hier erfahren Sie alles über den Verband der Verbände in der deutschen Weinlandschaft.

Vielen gilt er als Stellvertreter deutschen Spitzenweins auf Erden: der Verband Deutscher Prädikatsweingüter, kurz VDP. Tatsächlich sind die Weine der rund 200 Mitglieder nicht nur in Deutschland als Aushängeschild herkunftsorientierter Weine aus streng ausgewählten Lagen und von bestem Winzerhandwerk anerkannt. Das hat seine Gründe und seine Geschichte. Da sind zum einen die strengen Qualitätsvorgaben, die über die Standards des deutschen Weingesetzes deutlich hinausgehen: Es beginnt mit der exakten Bestimmung der einzelnen Lagen und ihrer besonderen Böden, setzt sich in der Arbeit mit den in Deutschland traditionellen Rebsorten wie Riesling, Silvaner und den Burgundersorten fort und zieht sich bis in die Festlegung des maximalen Ertrags pro Hektar sowie des Oechslegrades der eingesetzten Trauben.

Auf Grundlage dieser Kriterien hat der VDP 2002 seine vierstufige Klassifikation entwickelt. Dabei hat er sowohl die Einteilung der Weingüter im Bordeaux als auch die Lagenklassifikation des Burgunds im Blick. Ein direkter Hinweis auf den Selbstanspruch des VDP, in der ersten Liga der internationalen Weinwelt ganz oben mitzuspielen.

VDP Pyramide

VDP.Gutsweine

Die Basis der Qualitätspyramide bilden die VDP.Gutsweine. Sie stammen aus gutseigenen Lagen, die den Verbandsvorgaben entsprechen, wozu beispielsweise der Anbau von für die Region typischen Rebsorten zu mindestens 80 Prozent zählt. In dieser Kategorie bezeichnen die klassischen Prädikate „Kabinett“ und „Spätlese“ auch die trockenen Weine. In allen anderen drei Qualitäten sind diese Bezeichnungen ebenso wie „Auslese“, „Beerenauslese“, „Trockenbeerenauslese“ und „Eiswein“ allein den frucht- und edelsüßen Weinen vorbehalten. Auf dem Etikett der Gutsweine sind das Weingut, die Region sowie die Rebsorte zu finden.

Zum Beispiel: Krüger Rumpf Weißer Burgunder trocken 2017

VDP.Ortsweine

Die nächste Qualitätsstufe bilden die VDP.Ortsweine. Sie unterscheiden sich von den VDP.Gutsweinen durch die strengere Auswahl der Lagen, die das Terroir der Gemeinde hochwertig und charaktervoll wiedergeben sollen. Überschreitet der besondere Boden eines Weinbergs die Gemeindegrenzen, kann er als „Terroirwein“ gesondert gekennzeichnet werden. Generell nennen die Etiketten der VDP.Ortsweine das Weingut, den Namen des Ortes sowie die Rebsorte.

VDP.Erste Lage

Nicht umsonst erinnert der Begriff „VDP.Erste Lage“ an einen Premier Cru aus dem Burgund. Darunter fallen besonders gute Lagen, die nachweislich und nahezu traditionell für Spitzenweine stehen. Für deren Auswahl haben die Regionalverbände des VDP besonders strenge Anforderungen festgelegt. Mit 60 Hektoliter pro Hektar fällt der maximale Ertrag nochmals geringer als bei den Guts- und den Ortsweinen mit 75 Hektolitern pro Hektar aus. Darüber hinaus müssen die Trauben bei der Lese mindestens 85° Oechsle aufweisen. Entsprechend genau fallen die Angaben auf dem Etikett aus, das neben dem Weingut und der Rebsorte auch eine Kombination aus Lage und Ortsnamen führt.

Zum Beispiel: Müller-Catoir Riesling trocken Erste Lage 2015

VDP.Große Lage

An der Spitze der Qualitätspyramide steht die „VDP.Große Lage“ – und erneut denke man an die Grands Crus aus dem Burgund. Ein maximaler Ertrag von 50 Hektolitern pro Hektar, die Lese per Hand, aber auch eine Mindestreifezeit beschreiben diese Klassifikation. Die Große Lage steht für Weine von ausgesprochener Komplexität, die expressiv und in bester Qualität die ausgewählten Lagen kennzeichnen. Auf dem Etikett werden neben dem Weingut und der Rebsorte auch der Name der einzelnen Lage angegeben. Im allgemeinen wird ein solcher Wein auch „Großes Gewächs“ oder schlicht „GG“ genannt. Auffällig ist auch das geprägte Glas der Flaschen, die ein Großes Gewächs schnell erkennen lässt.

Zum Beispiel: Müller-Catoir Riesling Großes Gewächs Bürgergarten Im Breumel 2017

VDP Flaschen

Obgleich der VDP sich gern etwas verächtlich gegenüber dem deutschen Weingesetz zeigt, da man deren Anforderung deutlich überschreitet, verdankt sich sein Name letztlich doch dem „neuen“ Weingesetz von 1969/1971. Dieses schaffte nämlich den weinrechtlichen Begriff des „Naturweins“ ab und machte damit auch eine Umbenennung des bis dato als „Verband Deutscher Naturweinversteigerer“ (VDNV) firmierenden Zusammenschlusses notwendig. Da bestand der VDNV knapp 60 Jahre und der berühmte „Traubenadler“, der bis heute – inzwischen in modernisierter Version – den Verband und seine Mitglieder kennzeichnet, war bereits in Gebrauch.

Die VDP-Weingüter sitzen in allen deutschen Weinbaugebieten, denn im Gegensatz zu den namhaften Kollegen im Burgund und in Bordeaux, prägt die Qualitätsphilosphie des VDP nicht nur eine Region. So steht der VDP nach eigenem Anspruch für beste Weine aus insgesamt zehn Regionen: Baden, Franken, Mittelrhein, Nahe-Ahr, Mosel-Saar-Ruwer, Pfalz, Rheingau, Rheinhessen, Sachsen-Saale-Unstrut und Württemberg. Eine schönere Deutschlandreise kann sich ein Weinfreund nicht wünschen.

Der Video-Clip des VDP erklärt auch nochmal die vierstufige Klassifikation:

Lese-Tipp: Was bedeutet Qualität beim Wein?

 

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