Der Kaiserstuhl: die wärmste Weinregion Deutschlands

Baden ist das südlichste Wein-Anbaugebiet Deutschlands und bringt durch sein sonnenreiches Wetter ausgezeichnete Rotweine und gehaltvolle Weißweine hervor. Auf die Spitze getrieben wird dies im Weinbaubereich Kaiserstuhl: Hier gibt es im Jahresmittel die meisten Sonnenstunden in ganz Baden, ja in ganz Deutschland. Doch auch der Boden im Kaiserstuhl eignet sich durch seine besondere Beschaffenheit optimal für den Weinbau. Kollege Sven Reinbold stammt aus dieser Traumgegend und berichtet uns daher gerne.

Der Kaiserstuhl ist gleichermaßen Tourismus-Hochburg wie auch Heimat einiger der besten Weiß-, Grau- und Spätburgunder Deutschlands. Ein Resultat der hervorragenden klimatischen Bedingungen, denn der Kaiserstuhl ist die wärmste Region Deutschlands. Aber auch landschaftlich hat die Gegend mit ihren sanften Hügeln viel zu bieten. Weinbau ist daher mit über 4.000 Hektar Rebfläche ein wichtiger Bestandteil der Region in der Nähe von Freiburg im Breisgau.

Böden mit vulkanischer Prägung

Um die Besonderheiten des Kaiserstuhls für den Weinbau besser zu verstehen, lohnt ein Blick auf die Erdgeschichte: Im Tertiär, also vor rund 15 Millionen Jahren, entstand der Kaiserstuhlvulkan im südlichen Oberrheingraben. Damals hatte er eine beeindruckende Höhe von rund 1.000 Metern. Heute ist der Vulkankegel nur noch etwas über 550 Meter hoch – Erosion hat in den vergangenen Millionen Jahren einen großen Teil des Gesteins abgetragen.

Vulkanböden Kaiserstuhl

Die Rebflächen im Kaiserstuhl sind geprägt von Vulkangestein

Es sind ebendiese vom Vulkangestein geprägten Rebflächen, die den Weinbau im Kaiserstuhl in besonderem Maße auszeichnen: Vor allem dort, wo die Reben direkt in das Vulkangestein wurzeln, wird tagsüber Wärme in den dunklen Steinen gespeichert und in den kühlen Nächten an die Reben abgegeben. So können die Trauben besser und gleichmäßiger ausreifen. In vielen vulkanischen Lagen lassen sich zudem weiße Kalkeinschlüsse und Löss finden. Eine Kombination, die insbesondere Burgunder-Rebsorten hervorragende Voraussetzungen bietet.

Traumhaftes Klima

Mit über 1.700 Stunden weist der Kaiserstuhl die meisten Sonnenstunden pro Jahr in ganz Deutschland auf. Durch die schützenden Vogesen und den Schwarzwald ist es im Kaiserstuhl besonders im Sommer kontinuierlich warm. Von extremen Wetterkapriolen bleibt das Gebiet meistens verschont.

Wegen des ausgezeichneten Wetters beginnt der Frühling deutlich früher als anderswo und der Herbstanfang ist wiederum vergleichsweise spät. Die Trauben profitieren somit von einer sehr langen Vegetationsperiode. Die Beeren können durch die lange Zeit an der Rebe ihr volles Potenzial ausschöpfen und reifen im warmen Sommer perfekt aus. Besonders die Südhänge rund um die Weinorte Achkarren und Ihringen sind für ihre heißen Sommer bekannt.

Der anhaltende Klimawandel birgt mittlerweile allerdings die Gefahr, dass mit den sehr reifen Beeren übermäßig alkoholbetonte Weine entstehen. Daher wird immer mehr Augenmerk auf die Auswahl der spezifischen Weinlage gelegt.

Die Rebsorten im Kaiserstuhl

Durch die lange Vegetationsperiode im Kaiserstuhl fühlen sich hier Rebsorten besonders wohl, die bei höheren Temperaturen und vielen Sonnenstunden die besten Qualitäten erbringen. Rebsorten aus dem südlich gelegenen Burgund sind daher in ganz Baden – und speziell im Kaiserstuhl – für Winzer die erste Wahl.

Spätburgunder

Spätburgunder ist die meist angebaute Rebsorte im Kaiserstuhl

Der rote Spätburgunder ist mit über 35 Prozent Anteil die meist angebaute Rebsorte im Kaiserstuhl. Gefolgt von Grauburgunder und Müller-Thurgau. Der Anbau letzterer Rebsorte, die auch Rivaner genannt wird, ist allerdings stagnierend. Dahingegen wächst die Popularität von Weißburgunder zunehmend.

Weingüter, Genossenschaften und Weinlagen

Und obwohl fast jeder Ort im Kaiserstuhl eine eigene Winzergenossenschaft beheimatet, lassen sich in der Gegend einige der besten Weingüter Deutschlands finden. Namen wie Franz Keller, Salwey, Heger und Knab sind mittlerweile von internationalen Kritikern anerkannte Top-Weingüter, die Jahr für Jahr Spitzenweine produzieren.

Aber auch eine ganze Reihe der erwähnten Genossenschaften liefern Weine von hoher Qualität – insbesondere die in Achkarren ist hier zu nennen.

Im Folgenden ein Überblick der Weinbaugemeinden im Kaiserstuhl mit ihren Einzellagen. Die mit „GL“ markierten Lagen sind vom Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) als Große Lage klassifiziert – der höchsten Qualitätsstufe. Die mit „EL“ markierten sind VDP Erste Lagen und damit auf Rang zwei der VDP-Qualitätspyramide. Sofern sich Weine aus diesen Lagen im Weinfreunde Online-Shop finden lassen, sind diese direkt verlinkt.

Achkarren: Castellberg, Schlossberg (GL)

Amoltern: Steinhalde

Bahlingen: Silberberg

Bickensohl: Herrenstück, Steinfelsen (EL)

Bischoffingen: Enselberg, Rosenkranz, Steinbuck

Blankenhornsberg: Doktorgarten (GL)

Bötzingen: Eckberg, Lasenberg

Buchheim: Rebstuhl

Breisach: Augustinerberg, Eckartsberg (EL)

Burkheim: Feuerberg (EL, GL: Gewanne Feuerberg Kesselberg u. Haslen), Schlossgarten (EL, GL: Gewanne Schlossgarten Villinger), Schlossberg

Eichstetten: Herrenbuck, Lerchenberg

Endingen: Engelsberg, Steingrube, Tannacker

Ihringen: Castellberg, Fohrenberg (EL), Kreuzhalde, Schlossberg, Steinfelsen, Winklen (GL), Winklerberg (EL, GL: Gewanne Winklerberg Fohrenberg, Winklerfeld, Hinter Winklen, Wanne, Vorderer Winklerberg)

Jechtingen: Eichert (EL), Enselberg (GL), Gestühl, Hochberg, Steingrube (EL)

Kiechlingsbergen: Ölberg, Teufelsburg

Königschaffhausen: Hasenberg, Steingrüble

Leiselheim: Gestühl

Neuershausen: Steingrube

Nimburg-Bottingen: Steingrube

Oberbergen: Bassgeige (EL, GL: Gewanne Leh und Kähner), Pulverbuck (EL)

Oberrotweil: Eichberg (GL), Henkenberg (GL), Käsleberg, Kirchberg (GL), Schlossberg, Steingrubenberg (GL)

Riegel: St. Michaelsberg

Sasbach: Limburg (EL), Rote Halde

Schelingen: Kirchberg

Wasenweiler: Kreuzhalde, Lotberg

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