Der Weinkühlschrank – hilfreich, notwendig oder überflüssig?

Nicht alle Weinfreunde besitzen zur Lagerung einen eigenen Keller, oder dieser ist klimatisch nicht optimal für Wein geeignet. Weinkühlschränke, auch Weinklimaschränke genannt, bieten eine gute Möglichkeit, vor allem bei hochwertigen Weinen kein Risiko bei der Lagerung einzugehen. Doch lohnt sich die Anschaffung tatsächlich? Und für wen ist ein Weinkühlschrank wirklich ratsam? Weinfreund Sven Reinbold berichtet.

Zum Thema Weinlagerung habe ich in einem früheren Artikel bereits darauf hingewiesen, dass sich nicht alle Wein für eine lange Lagerung eignen. Daher stellt sich die Frage nach einer optimalen Lagerung gar nicht erst bei Weinen, die in naher Zukunft genossen werden sollen. Jedoch sollte man bei Weinen, die über mehrere Monate, Jahre oder gar Jahrzehnte reifen können, schon für optimale Lagerbedingungen sorgen. Schließlich soll das lange Warten und all die Vorfreude doch im Genießen eines top gereiften Weines münden und nicht in einer Enttäuschung.

Optimale Weinlagerung – eine kurze Auffrischung

Wein sollte idealerweise kühl, zwischen 7° und 18° Celsius gelagert werden. Dabei sind allzu große Temperaturschwankungen unbedingt zu vermeiden. Zudem sollte es vorwiegend dunkel und vibrationsarm zugehen. Wein neben einer Bahnlinie zu lagern, ist demnach keine gute Idee. Die durchschnittliche Luftfeuchtigkeit sollte mindestens 60 Prozent betragen – sofern Weine mit Naturkorken gelagert werden. Diese könnten nämlich anderenfalls austrocknen, undicht werden und der eintretende Sauerstoff lässt den Wein oxidieren. Grässliche Vorstellung.

Diese idealen Voraussetzungen bieten die wenigsten Kellerräume – von normalen Kühlschränken ganz zu schweigen. Insbesondere die Luftfeuchtigkeit in einem normalen Kellerraum lässt dort befindliche Kartons oder andere Gegenstände von Schimmel befallen. Das sieht nicht nur hässlich aus, sondern gefährdet auch die Naturkorken.

Weinkühlschränke – Lösung für die perfekte Weinlagerung daheim?

Immer mehr Hersteller und auch Online-Händler bieten Weinklimaschränke mit unterschiedlichen Lagerkapazitäten an, die auch für den kleinen Geldbeutel geeignet sind. Dank vibrationsarmer Kompressoren, konstanter Temperaturen, ausreichender Luftfeuchtigkeit und geregelter Luftzirkulation schaffen sie beste Bedingungen für die Reife von Weinen. Die Bandbreite reicht von Modellen für acht Flaschen bis hin zu Modellen, die über 250 Flaschen fassen und ein verlässliches Zuhause bieten.

Weinkühlschrank

Weinkühlschränke vs. Weintemperierschränke

Weinkühlschränke oder auch Weinklimaschränke halten dauerhaft im gesamten Innenraum die voreingestellte Temperatur ein, und lasse die Weine so in Ruhe optimal reifen. Sie sind somit erste Wahl für alle Weinliebhaber, die eine Langzeitlagerung für ihre Weine anstreben. Der Weinkühlschrank ist also die sichere Home Base, für die wahren Kostbarkeiten in Flaschenform. Mitunter macht ihn das zu einer regelrechten Schatztruhe.

Wer hingegen eher spontan eine perfekt temperierte Flasche Wein genießen möchte, sollte über einen Weintemperierschrank nachdenken. Diese Geräte haben unterschiedliche Temperaturzonen, um unterschiedliche Weine mit der jeweils optimalen und gradgenauen Trinktemperatur vorzuhalten.

So können Rot-, Weiß-, Rosé- sowie Schaumweine gleichzeitig in einem Gerät gelagert und stets mit der optimalen Trinktemperatur entnommen werden. Dabei ist zu beachten, dass die unterschiedlich eingestellten Temperaturen dazu führen können, dass die Weine vorschnell altern und an Trinkfreude einbüßen. Das gilt vor allem für Rotweine, wenn diese dauerhaft beispielsweise bei einer eingestellten Trinktemperatur von + 18° Celsius im Gerät verbleiben.

Weinkühlschränke in Zeiten von Nachhaltigkeit und Klimaschutz

Weinklimaschränken jagt der Ruf des Energiefressers nach und ganz unbegründet war oder ist dieser Einwand nicht. Ältere Modelle ziehen in der Tat noch eine Menge Strom und stoßen nicht allerorten auf Gegenliebe. Mittlerweile sind neben Modellen mit eher hohen Stromverbräuchen aber auch Modelle mit den Energieeffizienzklassen A+ und A++ auf dem Markt. Diese verbrauchen mitunter weniger Strom als ein normaler Kühlschrank.

Optik und Funktionalität

Weinklima- und Weintemperierschränke sind normalen Kühlschränken nicht nur aufgrund der besseren Lagerungsbedingungen vorzuziehen. Sie sind sehr häufig auch schön anzusehen und werden mitunter als stylischen Einrichtungsgegenstand verstanden, der nicht in Küche oder Keller verbannt werden muss. Und mal ganz ehrlich: Ein Weinklimaschrank mit dezent beleuchtetem Innenraum und einer durchsichtigen Klarglas- oder Rauchglastür mit Blick auf die Weinflaschen, die einen in Zukunft beglücken werden, ist nicht hübsch anzusehen, sondern auch etwas sehr Befriedigendes.

Wein in Weinkühlschrank

Ein Weinkühlschrank muss nicht teuer sein

Regelmäßig werden Weinklima- und Weintemperierschränke mit Kapazitäten von acht bis 18 Flaschen für Preise unter 100 Euro angeboten – vor allem im Online-Handel oder beim Discounter. Und ich beantworte die Frage direkt: Ja, sie sind eine verlässliche und überlegenswerte Alternative für kleine Haushalte oder Menschen, die nur einen geringen Vorrat an Wein zuhause lagern möchten und dies vielleicht auch nicht direkt über mehrere Jahre.

Wer allerdings zahlreiche, auch sehr hochwertige Weine über Jahre oder gar Jahrzehnte lagern möchte, dem rate ich zu einem Gerät eines namhaften Herstellers mit langer Erfahrung bei der Herstellung von Weinkühlschränken. Zudem sollten bei einer solchen Anschaffung unbedingt auch auf Energieeffizienz geachtet werden. Nur so wird der Weingenuss im doppelten Sinne zu einem nachhaltigen Vergnügen.

Wein in das Schlafzimmer

In der vergangenen Zeit war immer wieder zu lesen, dass das Schlafzimmer der beste Lagerraum für Wein sei. Zwar zählt das Schlafzimmer meist zu den kühlen nur wenig geheizten Räumen und bietet im Kleiderschrank auch manche dunkle Ecke. Eine echte Alternative insbesondere für eine Langzeitlagerung stellt das Schlafzimmer allerdings nicht dar.

 

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