Sind Bioweine immer gute Weine?

Wir Deutschen lieben Bio. Biologische Lebensmittel und auch Bioweine mit dem entsprechenden Siegel verbuchen seit Jahren wachsende Umsätze. Doch wofür steht das Bio-Siegel und welche Qualität drückt sich darin aus? Unsere Weinfreundin Dominique Groten gibt noch einmal “Bio-Unterricht”.

Zunächst gilt festzuhalten, dass Bioweine nicht automatisch die besseren Weine sind, steht das Siegel doch „nur“ für eine kontrollierte Herstellung des Weins nach vorgegebenen Standards. Diese legen fest, welche Substanzen und Methoden beispielsweise bei der Bearbeitung des Bodens oder der Bekämpfung von Krankheiten und Schädlingen eingesetzt werden dürfen. So ist etwa die Verwendung von Pestiziden und Herbiziden ausgeschlossen, andere Mittel wie Kupfer oder Schwefel sind mengenmäßig begrenzt. Das klingt gut, ist auch gut – nur eben kein Patentrezept für hohe Weinqualität. Denn sind wir einmal ehrlich: Schon lange haben tüchtige Marketing-Experten entdeckt, dass sich mit dem Biotrend ordentlich Kasse machen lässt.

Bio-Weine

So schwappen immer wieder Bioweine auf den Markt, die zwar zertifiziert sind, doch spätestens beim ersten Schluck den Anschein erwecken, dass es bei der Herstellung lediglich um die Erfüllung der Anforderungen eines Bioweins ging und nicht um das Streben nach guter Weinqualität. Ein weiterer Beleg dafür, dass “Biowein” nicht immer “guter Wein” heißt. Zudem kann ein rechter Weinfreund auch ein Winzer sein, der konventionellen Weinbau betreibt. Liegt es doch in seinem ureigenen Interesse, besonders gute und gesunde Trauben wachsen zu lassen und deshalb sorgsam mit Boden und Reben umzugehen. So ist es nicht selten, dass insbesondere kleinere Weingüter nach den Standards arbeiten, sich dies jedoch nicht zertifizieren, also durch ein Institut oder eine Behörde bestätigen lassen. Denn das Bio-Siegel kostet die Winzer zunächst erst mal Zeit, Geld und viel administrative Mühen. Ein zusätzlicher Aufwand, den nicht alle leisten wollen, manche gar nicht können. Ein Aufwand auch, der sich im Verkaufspreis des Weines wiederfindet, ja, wiederfinden muss.

Mehr als ein Siegel für Bioweine

Eine gewisse Mühe wird aber auch uns trinkenden Weinfreunden abverlangt, denn schnell stellt man fest, dass es eben nicht nur EIN Bio-Siegel gibt. Uns mag das deutsche Bio-Siegel am geläufigsten sein, doch gibt es noch andere Kürzel und Namen für zertifizierte Bioweine: natürlich eines nach der EU-Verordnung, aber eben auch die nationalen Kennzeichnung wie beispielsweise das „AB“ bei französischen Weinen. Und zu gern verwechselt man die Biozertifizierung mit den Siegeln für biodynamisch angebaute Weine, die mit geringeren Höchstmengen arbeiten und noch strengeren Kriterien folgen – unter anderem der Berücksichtigung von Mondphasen. Wenden wir das ganze mal ins Praktische. Bioweine sind immer einen besonderen Augenmerk wert und mitunter einen kritischen. Aber dort, wo Biowinzer mit ihren Weinen ein Portrait ihres Terroir zeichnen oder eine Rebsorte in ihrer eigenen Typik einfangen wollen, sollten wir hellhörig werden und dem Biowein verkostend Glauben schenken.

Unsere Bioweine mit guten Noten

Passend zum Thema stellen wir Ihnen 3 wirklich gute Bioweine aus Österreich vor, die preislich locker auf dem Niveau konventionell hergestellter Weine liegen. Natürlich finden Sie im Weinfreunde Sortiment noch viele weitere Bioweine, selbstverständlich auch rote. Einfach den Suchbegriff “Bio” im Online-Shop eingeben und Sie erhalten alle bio- oder biodynamischen Weine angezeigt.

2014 Loimer Grüner Veltliner Kamptal DAC
Der grüner Veltliner vom Weingut Loimer im Kamptal überzeugt durch eine wunderbar strahlende Frucht und die rebsortentypischen Pfeffernoten. Fred Loimer produziert bereits seit 2006 Bioweine und für ihn reduziert sich dies nicht auf ein Zertifikat. Ihm geht es um Weinherstellung in Einklang mit dem naturreichen Boden, den Pflanzen und Tieren sowie zuletzt mit dem Menschen.

2014 Geyerhof Grüner Veltliner Rostensteig
Ein weiterer Grüner Veltliner in der Bio-Kiste stammt vom Geyerhof im Kremstal. Der Wein besticht durch eine feine Kräuterwürze und auch er portraitiert die Rebsorte besonders typisch und unverfälscht. Selbstredend hat sich der Geyerhof dem Thema Bio voll und ganz verschrieben. Dies zeigt sich nicht zuletzt in der Tatsache, dass neben den Weingärten auch 30 Hektar Ackerfläche rein biologisch bewirtschaftet werden.

2014 Zillinger Gelber Muskateller Velue
Der dritte Biowein im Bunde ist der Gelbe Muskateller vom Weingut Zillinger in Niederösterreich. Er wurde sogar nach biodynamischen Grundsätzen vinifiziert. Der Wein wirkt wiederum extrem authentisch für die Rebsorte und verführt durch seinen blumigen, fruchtigen und würzigen Charakter. Bereits seit den 1980er-Jahren arbeitet das Weingut biologisch und Johannes Zillinger betrachtet seine Weingärten als Biotop, das zu schützen und nicht etwa zu vergiften sei.

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