Glühwein

 Heiß getrunken. Heiß diskutiert


Ein Glas Glühwein? Diese Frage lässt keinen kalt, denn über den gewürzten und erhitzten Wein gehen Meinungen und Trinkerfahrungen weit auseinander. Wir haben kühlen Kopf bewahrt und klären über das Heißgetränk in der kalten Jahreszeit auf.

Zuallererst möchte ich dem Glühwein gratulieren! Jawohl, denn in diesem Jahr feiert der „Signature Drink“ jeden Weihnachtsmarktes seinen 60 Geburtstag. Der Augsburger Rudolf Kunzmann kam 1956 erstmals auf die Idee, einen gewürzten und mit Zucker gesüßten Wein auf dem Markt seiner Heimatstadt anzubieten. Der Ärger ließ nicht lange auf sich warten. Es waren allerdings nicht die Kunden, die sich unzufrieden zeigten, vielmehr belegten die Behörden Kunzmann mit einem Bußgeld wegen Verstoßes gegen das Weingesetz, das zu jener Zeit die Zugabe von Zucker strikt verbot.

Glühwein

Einfach, aber bitte gut: Glühwein

Inzwischen ist der Glühwein von keinem Winter- oder Weihnachtsmarkt mehr wegzudenken: Rund 50 Millionen Liter Glühwein erwärmen jährlich der Deutschen Leib und Seele. Aber Vorsicht, Glühwein wirkt stärker als normaler Wein, weshalb er eine deutlich langsamere Gangart verlangt – was sicherlich nicht wenige bestätigen können. Und noch ein Hinweis ist tunlichst geboten: Gerade weil stets ein einfacher Wein als Basis des Glühweins angepriesen wird, sollte man auf die Qualität achten. Denn auch vom einfachen gibt es guten und schlechten. Insbesondere dort, wo vorgefertigter Glühwein nur erhitzt und das Winter-Wein-Getränk gar nicht mehr selbst angesetzt wird, ist also Achtsamkeit geboten.

Allen, die dennoch kein „Glühwein-Miraculix“ werden wollen, kann ich den „Edelheiss“ des württembergischen Weinguts Kern aus unserem Sortiment empfehlen. Der Wein aus Cabernet Dorsa, Regent und Schwarzriesling bringt das richtige Maß an Säure und Frucht mit, um einen guten Glühwein abzugeben. Zudem ist der „Edelheiß“ in Edelstahltanks ausgebaut und damit frei von Holznoten und zusätzlichen Gerbstoffen. Aber wenn ich das so erläutere, bin ich eigentlich schon bei meinen Tipps für die „Do-it-yourself-Fraktion“ unter den (Glüh)Weinfreunden.

Weinauswahl: Heimspiel oder Internationale?

Gleich ob ein Rotwein oder ein Weißwein zum Glühwein werden soll, die Anforderungen sind eigentlich die gleichen. Es empfehlen sich halbtrockene und trockene Weine, die moderate Säure und wenig Tannine aufweisen. Zuviel Säure im Glühwein wirkt störend und die Gerbstoffe können beim Erhitzen das Geschmacksbild unangenehm verändern. Aus diesem Grund sind auch Weine, die im Holzfass gelegen haben, von der heimischen Glühwein-Herstellung unbedingt auszuschließen. Und wenn schon heimisch, kann man auch auf deutsche Rot- und Weißweine zurückgreifen. An roten Rebsorten bieten sich Dornfelder, Regent, Trollinger aber auch Spätburgunder an. Für einen weißen Glühwein ist man mit Silvaner und Müller-Thurgau auf der sicheren Seite. Wer lieber etwas Internationales im Glas hat, kann für einen roten Glühwein ebenso gut einen Merlot oder Montepulciano verwenden.

Glühwein Gewürze

Die Mischung macht es: klassisch oder kreativ

Insbesondere, wenn man den Wein nicht übertünchen muss, darf man auch mit der Zugabe der Gewürze etwas zurückhaltender bleiben. In den vergangenen Jahren habe ich schon mit den tollsten Mischungen experimentiert. Denn ein Glühwein kann auch exotisch daherkommen, wenn Kardamon und Muskat ihn begleiten, selbst Varianten mit Anis oder mit Pflaumenmus und Mandeln habe ich schon ausprobiert. In diesem Jahr ist mir das klassische Quartett aus Sternanis, Zimt, Gewürznelken und Zitronenschalen allerdings das liebste. Da ich zu diesen Würznoten gern etwas Frucht als Gegenwicht habe, gehe ich mit dem Zucker sehr moderat um. Weniger ist mehr, lautet hier meine Devise. Wer den Alkoholgehalt des Glühweins reduzieren will, kann durchaus etwas Wasser beifügen. Wichtig beim Erhitzen des Glühweins: bitte langsam und sachte vorgehen und keinesfalls den Glühwein stark aufkochen! Bei knapp 80 Grad Celsius verdampft nämlich der Alkohol und auch die Gewürze verlieren bei zu hoher Temperatur an geschmacklicher Charakteristik. Irgendwann bildet sich beim Erhitzen ein feiner Schaum an der Oberfläche aus, er signalisiert den richtigen Zeitpunkt, um die Hitzezufuhr zu reduzieren. Noch etwas bei geringer Temperatur ziehen lassen – und fertig ist er auch schon, der selbst gemachte Glühwein

Gleich ob fertig eingekauft oder selbst gemacht, beim Glühwein ist die schnellere Wirkung des Alkohols nicht zu unterschätzen. Die warme Temperatur des Glühweins sorgt für eine bessere Durchblutung des Magen-Darm-Trakts, was wiederum die schnellere Aufnahme von Alkohol im Blut nach sich zieht. Diese Wirkung wird noch verstärkt, wenn dem Glühwein zusätzlich Zucker hinzugegeben wurde. Ein Glühwein steigt einem also tatsächlich schneller zu Kopf, was ihm bei unvorsichtigen Gemütern einen schlechten Ruf eingetragen hat. Um so mehr bedenkt ein wahrer Weinfreund, welcher Wein ihm in den Glühwein kommt und wie viel des Heißgetränkes er mit kühlem Kopf genießen kann. Sonst gibt es eine böse Bescherung.

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