Für den richtigen Gin, vier im Sinn!

 

Nein, es muss nicht immer Wein sein. Gerade an heißen Sommerabenden, meint Kollege Jochen Pfadler, ist ein Gin Tonic an Erfrischung und belebendem Geschmacksglück kaum zu übertreffen. Mit seinen vier empfohlenen Gins beweist er obendrein, dass Weinfreund und Spirituosenliebhaber sich nicht ausschließen.

Am Anfang stehen eine holländische Wacholder-Spirituose und die Rinde eines südamerikanischen Baumes. Sie sind die Ur-Zutaten des Gin Tonics, der mittlerweile zu den unangefochtenen Cocktail-Klassikern an der Bar zählt. Verbinden wir heute Genusskultur und Kennerschaft mit einem Gin Tonic, sind seine Anfangsjahre eher von medizinischen Absichten geprägt. Mit gutem Grund kann man daher mit einem Gin Tonic auf die Gesundheit anstoßen.

Gin

Gin: Arznei und Botanicals

Mitte des 18. Jahrhunderts belebt ein Arzt in Holland die Idee, Alkohol mit Wacholder zu versetzen, um dessen positive Wirkung bei Magen- und Nierenleiden zu nutzen. Das ist die Geburtsstunde des Genevers, der in der Folge in England als Gin eine steile Karriere hinlegt. Zunächst mit nicht gewünschten Nebenfolgen, denn die Engländer sprechen dem neuen, günstig herzustellenden Spirituose in Ausmaßen zu, die alles andere als gesund sind.

Der Vorläufer des Tonic Water ist nicht weniger alt. Als Mitte des 17.Jahrhunderts in Peru die Condesa de Chinchón mit der Rinde eines einheimischen Baumes von der Malaria geheilt wird, horchen die Mediziner auf. Insbesondere für die Kolonialmacht England ist die Krankheit ein Fluch. Die Truppen in Indien und anderen tropischen Regionen leiden stark unter der Malaria. Also beschließen die Generäle und Admirale des Empires an ihre Soldaten vorbeugend Chinin auszugeben. Chinin, so heißt inzwischen der Wirkstoff der Baumrinde in Anlehnung an die geheilte Herzogin.

Der Rest ist Legende. Das Chinin wird zunächst in Wasser gelöst und so zum stärkenden Tonikum, eben zum Tonic Water. Angeblich sind es die englischen Offiziere, die zuerst beginnen, die tägliche Ration Tonic Water in den abendlichen Gin zu mixen: Der Gin Tonic ist geboren. Wer zudem etwas gegen Vitaminmangel tun will, fügt dem Getränk noch eine Zitronenscheibe zu. Gesünder geht es kaum, reden sich die Gentlemen den Drink schön und nehmen das Rezept nur all zu gern mit zurück in die Heimat. Dort beginnt man bald, weitere Kräuter und Gewürze dem Gin beizugeben – die sogenannten Botanicals. Doch da geht es längst schon mehr um den Geschmack und weniger um die Gesundheit.

Sommer-Quartett: Vier Gin Empfehlungen

Die Zahl der in Deutschland angebotenen Gins geht mittlerweile in die Hunderte. Doch der Hype macht die Orientierungshilfe nur notwendiger. Zur vollen Wacholderlust locken regionale Kostbarkeiten und internationale Klassiker ebenso wie innovative Rezepturen und große Originale. Für den Einstieg in diese fabelhafte Welt des Wacholders möchte ich vier Gins empfehlen, die jeder auf seine Art sommerlichen Hochgenuss versprechen.

Tanqueray – London Dry Gin

Tanqueray

Der Name der Ginmarke geht auf den Gründer der Londoner Destillerie Charles Tanqueray zurück. Zwar produziert Tanqueray inzwischen im schottischen Cameron Bridge, doch bis heute ist Tanqueray der Klassiker unter den London Dry Gins, der international beliebtesten Gin-Kategorie. Er ist ein sehr ausbalancierter, weicher Gin, der von Wacholder- und Süßholz-Noten getragen wird. Die grüne Apothekerflasche des Tanqueray erinnert an den medizinischen Hintersinn der Wacholderspirituose.

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Ophir Gin – Oriental Spiced London Dry Gin

Ophir

Der Ophir Gin verzichtet auf eine klassische Stilistik und rückt stattdessen seine exotischen Botanicals, das sind die Kräuter- und Gewürzzutaten, in den Vordergrund: darunter schwarzer Pfeffer aus Indien, Koriander aus Marokko und Kubeben-Beeren aus Indonesien. Ophir ist ein Ort, der in der Bibel als Herkunft kostbarer Gewürze genannt wird. Entsprechend würzig zeigt sich der Ophir: Kreuzkümmel und Kardamon, Grapefruit und eine feine Süße. Geht auch besonders gut mit Ginger Ale.

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Bombay Sapphire – London Dry Gin

Bombay Sapphire

Wenn es um die Bedeutung der Botanicals für einen Gin geht, ist als erstes der Bombay Sapphire zu nennen. Zwar sind es nur zehn handverlesene Kräuter, die diesem Gin seine ungeheure Balance und Sanftheit verleihen. Doch die nach einem berühmten 536 Karat schweren Saphir benannte Marke, macht die Botanicals erstmals zum eigentlichen Unterscheidungsmerkmal eines Gin. Wer diesem eleganten Geheimnis nachschmecken will, darf sich auf feine Koriander- und Zitrusaromen freuen, die den Wachholdereindruck umschmeicheln. Einfach ein hochkarätiger Genuss.

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Hendrick’s Gin – der mit der Gurke

Hendrick`s

Der Hendrick’s Gin kommt aus Schottland. Sein besonderes Merkmal ist die außergewöhnliche, ganz eigene Aromatik. Aber keine wilde Exotik, sondern Noten von Rosenwasser und Salatgurke geben Hendrick’s Gin diesen besonderen englischen Twist mit. Die traditionelle Herstellung in kleinen Brennblasen, die nur 200 Liter fassen, unterstreicht den Qualitätsanspruch des Gins. Genau der richtige für alle, die einen Gin-Spleen haben. Very british, indeed, und bitte immer mit einer Scheibe Gurke zu servieren.

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Für Reisen in die Tropen und heiße, europäische Sommerabende ist man diesen vier Empfehlungen bestens gerüstet. Eines muss jedoch noch gesagt sein. Gleich ob der Gin mit Tonic Water daherkommt, als „Gimlet“ mit Lime Juice (einer Sirup aus Limettensaft) oder auch mit Ginger Ale bevorzugt wird. Unbedingt vorab einen kleinen Schluck Gin pur probieren, um die unterschiedlichen Aromen unverfälscht einzufangen. Auf Ihre Gesundheit!

Basis-Rezept

Vielleicht tragen wir jetzt Eulen nach Athen. Aber wer Zuhause sein Gin Tonic-Glück versuchen will und gerade nicht das Basis-Rezept zur Hand hat, dem hilft folgende Anleitung:

In ein großes Longdrink-Glas drei, vier Eiswürfel füllen. Zuerst den Gin und anschließend das Tonic Water über das Eis ins das Glas laufen lassen. Das Mischungsverhältnis kann je nach Vorliebe variieren. Wer den Gin in den Vordergrund rücken will, nimmt auf 1 Teil Gin, 1 Teil Tonic Water. Wer die Gin-Aromen eher im Hintergrund belassen möchte, aber die Kräuternoten für die Erfrischung benötigt, mixt auch mal 1 Teil Gin auf 4 Teile Tonic Water.

Mit einem Barstab oder langen, schmalen Löffel den Inhalt langsam durchrühren. Nun fehlt nur noch eine Scheibe Zitrone oder Limette und fertig ist der Gin Tonic. Alle Hendrick’s Gin-Freunde tauschen die Zitronen- gern gegen eine Gurkenscheibe ein.

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