Cognac, Brandy & Co. – wenn Wein zur Spirituose wird

Jochen aus dem Weinfreunde-Team geht heute fremd. Die informative Beichte einer großen, exklusiven Liebe für Cognac.

Wahrscheinlich verdanken wir es dem Cognac, dass der Genuss von edlen Spirituosen zu einer Frage des guten Geschmacks wurde. Dabei war der Cognac lange Zeit der unangefochtene König unter den hochgeistigen Getränken. Sein Glanz überstrahlte den Ruf der nahen Verwandten. Denn letztlich gehören Cognac und Brandy, Weinbrand, Armagnac und Pisco zur selben Spirituosenfamilie. Alle vier verbindet die entscheidende Grundzutat – nämlich Wein.

Cognac: Es kann nur einen geben

Der Brandy hat gleich in mehreren Ländern sein Zuhause. Bei uns am bekanntesten sind sicherlich die Brandys aus Italien und vor allem Spanien. Der Cognac aber ist einmalig und exklusiv in der französischen Charente beheimatet. Rund um die Stadt Cognac finden sich die sechs Cru-Lagen des Cognacs. Tatsächlich ist Cru nicht der einzige Begriff aus der Welt des Edelbrands, der an die Klassifizierung von Wein erinnert. So ist der Cognac bereits seit 1936 als geschützte Herkunftsbezeichnung AOC Cognac offiziell. Die Regeln der Appellation d’Origine Contrôlée sind umfangreich und werden strikt ausgelegt. Diese Art Lastenheft legt beispielsweise die zugelassenen Rebsorten fest, gibt auch ein bestimmtes Herstellungsverfahren und sogar den Zeitrahmen für die Herstellung des Cognacs vor.

Cognac-Liebhaber verstehen keinen April-Scherz. Für sie ist der 1. April ein ernstes Datum, beginnt doch an diesem Tag das neue Cognac-Jahr. Bis zum 31. März muss die Destillation des im Vorjahr gelesenen Weins abgeschlossen sein. Ab diesem Tag tickt die Uhr für die Altersangabe des Brands. Die Reife im Holzfass stellt neben der Unterteilung in Cru-Lagen ein weiteres, strikt geregeltes Qualitätsmerkmal des Cognacs dar. Während jedoch bei Whisky und Rum die Dauer der Reife mit konkreten Jahreszahlen benannt wird – zum Beispiel 8 years old – gibt es beim Cognac eine Dreiteilung zum Unterscheiden der Reifezeit. Alle diese Angaben finden sich auf dem Etikett eines Cognacs, um sie schneller entschlüsseln zu können eine kleine Übersicht der wichtigsten Begriffe.

Das kleine Cognac-ABC

Cognac Rebsorten

Die wichtigste Rebsorte ist mit Abstand Ugni Blanc. Daneben dürfen aber auch Colombard, Folle Blanche, Montils und Folignan für die Grundweine verwendet werden.

Cognac Lagen

Das gesamte Cognac-Gebiet ist in sechs Lagen – französisch Cru – unterteilt. Folgende Angabe der Lage findet sich auf dem Etikett, sobald der Cognac nur aus einer der Cru-Lagen stammt:

Grande Champagne

Steht für Cognac mit großer Vielschichtigkeit und Finesse, der jedoch längere Reifezeiten erfordert.

Lafont de Saint Preuil Cognac Grande Champagne 1er Cru
Maison Peyrat
Lafont de Saint Preuil Cognac Grande Champagne 1er Cru

Petite Champagne

Von ähnlichem Charakter wie die benachbarte Grande Champagne, gilt jedoch als etwas weniger fein und vielschichtig.

Borderies

Die Brände aus dieser Region geben sich besonders weich und harmonisch. Um sich zu entfalten, benötigen sie weniger Reifezeit als die Cognacs aus der Grande und der Petite Champagne.

L´Hermitage Cognac Borderies
Maison Peyrat
L´Hermitage Cognac Borderies

Fins Bois

Auch diese Destillate reifen schneller. Sie stehen für eher weiche, sanfte Brände.

Bons Bois: Als besonders kraftvoll und aromatisch gelten die Brände aus dieser Lage.

Bois Ordinaires

Eher einfache, kraftvolle Destillate. Meistens nur für eine kurze Reife ausgelegt.

Eine Besonderheit ist noch zu beachten: Stammen die Grundweine für den Cognac ausschließlich aus der Grande Champagne, steht nicht einfach nur der Name der Lage auf dem Etikett, sondern „Grand Fine Champagne“. Gleiches gilt für die Petite Champagne. Werden nur Grundweine aus diesem Unterbereich verarbeitet, findet sich der Begriff „Petite Fine Champagne“ auf der Flasche. Ist dort jedoch nur „Fine Champagne“ zu lesen, handelt es sich um Weine, die aus beiden Lagen stammen – und nur aus diesen beiden Lagen!

Reife & Altersangabe

Ein Cognac lagert mindestens zwei Jahre im Holzfass, das zwischen 270 und 450 Liter groß ist. Da ein Cognac aus mehreren Lagen, Rebsorten und sogar Jahrgängen vermählt wird, gilt die Regel: Das jüngste Destillat zählt für die Angabe der Reifedauer. Zunächst gibt es drei Kategorien:

V.S. (very superior): mindestens 2 Jahre Reife

V.S.O.P. (very superior old pale): mindestens 4 Jahre Reife
XO (extra old): mindestens 10 Jahre Reife

Mitunter finden sich auf Etiketten auch alternative Begriffe für XO Cognacs wie Extra und Hors d’âge.

Das Paradies auf Erden

Mit der Reife im Fass kommen sogar die Engel ins Spiel. „Part d’ange“, Anteil für die Engel, wird jener Teil des Cognacs genannt, der sich während der Zeit im Fass im wahrsten Sinne des Wortes in Luft auflöst. Je länger der Cognac reift, desto leerer wird das Fass. Von den Engeln bis zum Paradies ist es dann nur ein kleiner Schritt. Paradies ist nämlich der Name für den Keller, in dem die verschiedenen Jahrgänge lagern. Kein Wunder also, dass der österreichische Literat Roda Roda im Cognac gleich einen Gottesbeweis erkannte. „Wie will man das Dasein Gottes leugnen und zugleich die Existenz von Cognac erklären?“, formulierte er begeistert.

Cognac Fässer

Cognac Fässer

Rückte die Cognac-Begeisterung zwischenzeitlich ins biedere Abseits, so ist sie mittlerweile ganz neu entflammt – und zwar so gar nicht großbürgerlich. Total hip ist der Edelbrand nämlich unter US-Rappern. Sie sind die neuen Markenbotschafter des Kultgetränkes wie die Liaison zwischen Rapper Nas und Hennessy zeigt. Andere Stars wie Jay-Z, der mit Cognac D’Ussé verbandelt ist, steigen sogar als Investoren ein. Manchmal ist es aber auch nur ein Song, der dem Cognac huldigt wie „Pass the Courvoisier“ von Busta Rhymes.

Brandy aus Spanien: stapelweise Reife

Machen wir es noch einmal grundsätzlich. Das Prinzip, aus Wein eine Spirituose zu destillieren, ist selbstverständlich auch aus anderen Regionen bekannt. Im Wettbewerb mit dem großen Cognac setzten die Branntwein-Verwandten dabei auf ganz eigene Besonderheiten in der Herstellung und vor allem der Reife. Bestes Beispiel ist der spanische Brandy und das aufwändige Solera-System. Während die Cognac-Destillate getrennt in Eichenfässern reifen und anschließend zu einem Edelbrand vermählt oder „assembliert“ werden, übernimmt dies im andalusischen Süden Spaniens eine ausgeklügelte Systematik.

Brandy de Jerez Solera Gran Reserva
Rey Fernando de Castilla
Brandy de Jerez Solera Gran Reserva

Entlehnt ist dieses System der traditionellen Sherry-Herstellung. Dort ordnet man bis zu zehn Fässer übereinander an. Nur vom untersten, ältesten Fass wird Brandy für das Vermählen oder die Abfüllung entnommen. Anschließend wird die entnommene Menge durch den Brandy im darüber liegenden Fass ersetzt. Dieser Vorgang zieht sich bis zur obersten Reihe durch, wo dann Platz für den neue Jahrgang geschaffen wird.

Brandy oder Cognac?

Wer Brandy mag, wird Cognac lieben. Und wer Cognac liebt, wird ihn über kurz oder lang mit dem Brandy betrügen. So munkelt man in der Genießer-Fraktion mit den großen Schwenkern in der Hand. Und der Brandy ist nicht der einzige Nebenbuhler des Cognacs, wenn es um die Gunst der Spirituosen-Freunde geht. Viele sehen den Pisco aus Peru und Bolivien als Geheimtipp an. Auch der deutsche Weinbrand ist längst weg vom Altvorderen-Image und macht mit besonderen Qualitäten und alten Destillaten von sich reden. Und nicht zuletzt der Armagnac sorgt für Konkurrenz im eigenen Land. Eines ist dabei unbestritten: Wenn es um die Frage des guten Geschmacks geht, sind Cognac und Konsorten allemal für paradiesische Zustände gut.

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