Weinjahrgang 2018

Eine wetterfühlige Ersteinschätzung


Die Weinlese ist beendet, die Arbeit im Keller für den Weinjahrgang 2018 hat begonnen. Was man bereits jetzt über den neuen Jahrgang sagen kann, hat unser Weinfreund Jochen Pfadler zusammengetragen.

Es bedarf keiner Fachkenntnisse eines Winzers oder Wetterkundlers, um nachzuvollziehen, dass das Weinjahr 2018 seinen ganz eigenen und mitunter extremen Verlauf hatte. Den langen, heißen Sommer und die auch in Deutschland spürbare Dürre haben wir alle selbst erlebt. Bereits im August waren allerdings erste Stimmen zu hören, die einen außergewöhnlichen, gar herausragenden Jahrgang ankündigten. Grund genug, etwas genauer hinzuschauen und einen Blick in die einzelnen Weinbauländer und -regionen zu werfen.

Der eine oder andere Weinfreund mag unsere kleine Reihe über die Arbeit des Winzers im Weinberg verfolgt haben (Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter). Nahezu alle Tätigkeiten, die darin beschrieben werden, stehen im direkten Bezug zur Wetterlage und der durch sie geprägten Entwicklung der Reben. Dies gilt für das gesamte Weinjahr und es gehört zu den besonderen Eigenschaften guter Winzer, dass sie eben das Richtige zum richtigen Zeitpunkt machen. Das war im heißen Jahr 2018 nicht anders – nur eben anders.

Weinjahrgang 2018

Für Burgunder-Sorten oder Silvaner war der lange Sommer für den Weinjahrgang 2018 in Deutschland ein wahrer Segen für die Winzer.

Deutschland: frühe Lese & beste Aussichten

Eines muss beim Blick auf Deutschland im eigentlichen Sinne vorausgeschickt werden: Der Winter war sehr regenreich und schuf damit Feuchtigkeitsreserven, ohne die es im heißen Sommer nicht gut ausgegangen wäre. Denn ab Juni gab es nahezu keinen Niederschlag mehr, was insbesondere für junge Reben zum Problem wurde. Während nämlich alte Reben mittels tiefreichender Wurzeln an die Feuchtigkeit in weit unten gelegenen Erdschichten gelangen, sind jüngere Reben dazu noch nicht in der Lage. Sie benötigen den nachsickernden Niederschlag, um dauerhaft hohe Temperaturen zu verkraften.

Dank des anhaltenden trockenen Wetters machten dagegen Pilze und Schädlinge weniger Probleme. Das tat sowohl der Menge als auch der Güte der Trauben gut. So kennzeichnet diesen Weinjahrgang nicht nur in Deutschland, dass die Winzer sowohl gute Qualitäten ernteten als auch mit der Menge des Leseguts sehr zufrieden waren. Ebenfalls in vielen Weinregionen zu beobachten: Der Beginn der Weinlese fiel sehr früh aus. In Deutschland brachten die Winzer in vielen Anbaugebieten bereits Mitte August die ersten Trauben in den Keller. Mancherorts war die Lese schon beendet, noch bevor der Oktober begonnen hatte.

Das bis in den September und Oktober hineinreichende gute Wetter war vor allem für spätreifende Rebsorten wie die Burgunder-Sorten oder den Silvaner ein Segen. Bei diesen Rebsorten dürfen wir also besonders gute Weine erwarten. An der Ahr jubelten beispielsweise die VDP-Weingüter über diesen „absoluten Spätburgunder-Jahrgang“.

Ebenso bei den rest- und edelsüß ausgebauten Weinen steht der Jahrgang 2018 für beste Mostqualitäten und die Aussicht auf richtig gute Weine. Am Mittelrhein begannen die hängengelassenen Trauben bereits im Oktober zu rosinieren. Für den Winzer bedeutet dies besonders gute Extraktwerte, da die Beeren Wasser verlieren, aber die wichtigen Aromen und auch der Zucker zurückbleiben. Mit anderen Worten: Das Jahr verspricht wunderbare Auslesen, Beerenauslesen sowie Trockenbeerenauslesen und selbst auf Eiswein lässt sich hoffen – wenn das Wetter im November mitspielt.

Weinjahrgang 2018

Auch in Österreich freuen sich die Winzer über den Weinjahrgang 2018. Winzer aus dem Burgenland erwarten erstklassige, gehaltvolle Weine mit moderater Säure.

Österreich: überdurchschnittliche Qualität trotz Lese-Aussetzer

Ähnlich wie in Deutschland begann auch in Österreich der Austrieb der Reben relativ spät. Einerseits nicht schlecht, falls später nochmals Frost droht, andererseits nicht gut, da die Reben so Zeit für ihr Wachstum verlieren. Doch es folgte der zweitwärmste Frühling seit 1767 und damit eine wahre Aufholjagd im Weinberg. Der Sommer in Österreich war gleichfalls von Trockenheit gekennzeichnet, so dass beispielsweise im Burgenland und in Niederösterreich die Winzer bereits im August die Weinlese aufnahmen.

Allerdings fiel Ende August, Anfang September noch einmal Starkregen, so dass vielerorts die Lese unterbrochen wurde. In der Steiermark sorgte die Kombination von viel Regen und hohen Temperaturen sogar für Fäulnisprobleme, auf die die Winzer mit viel Aufwand bei der Selektion der Trauben reagierten. In der Gesamtbilanz kann Österreich jedoch sowohl mit guten Traubenqualitäten als auch mit einer gewachsenen Erntemenge aufwarten. In Niederösterreich freut man sich „heuer“ über gehaltvolle Weine mit moderater Säure, im Burgenland erwarten die Winzer sehr fruchtige und dichte Weine. Aus der Steiermark kommt die Prognose, der aktuelle Jahrgang zeichne sich durch vollreife und sehr rebsortentypische Weine aus. Auch in der Region Wien steht die Sortentypizität im Vordergrund und man rechnet mit eher gehaltvollen Weinen.

Weinjahrgang 2018

Aus dem Burgund in Frankreich erwarten uns sicherlich elegante Weißweine, da die Trauben noch genug Säure aufwiesen, sowie vollreife, gehaltvolle Rotweine.

Frankreich: Entwarnung aus Burgund und Bordeaux

Den beiden Parade-Appellationen Frankreichs bescherte das Weinjahr die eine oder andere Aufregung. Im Burgund lief zunächst alles bestens. Doch wie bereits im Vorjahr gab es im April noch einmal Frost und die Winzer befürchteten eine Wiederholung der Tragödie aus 2016 und 2017. Doch der Schaden fiel kleiner aus als erwartet und der weitere Verlauf des Jahres entschädigte für alles Bangen.

Zwar gab es vereinzelte Hagelstürme im Sommer, aber auch deren Schaden hielt sich in Grenzen. Probleme mit jüngeren Rebanlagen gab es hier wie anderswo wegen der großen Hitze. Doch den erfahrenen Reben tat das trockene, heiße Wetter eher gut. Auch im Burgund begann man bereits Ende August mit der Lese und schloss sie Ende September glücklich ab. Nach ersten Einschätzungen erwarten uns elegante Weißweine, da die Trauben noch genug Säure aufwiesen, und vollreife, gehaltvolle Rotweine.

Mal zu viel Regen, mal zu wenig und dazu zwei schwere Hagelstürme hielten die Winzer im Bordelais bis Mitte des Jahres auf Trab. Die Arbeit im Weinberg forderte alle Kraft, um den anfänglichen Widrigkeiten entgegenzuwirken. Doch zum Glück für alle Weinfreunde half ein guter Sommer mit hohen Temperaturen und einigen Niederschlägen den Jahrgang auf die rechte Bahn zu bekommen.

Im August wurden die Trauben für Rosé und Schaumweine gelesen, Mitte September begannen die Winzer im Bordeaux mit der Lese für den Rotwein. Im Oktober wurden die Trauben für die berühmten weißen Süßweine geerntet. Trotz der Hagelstürme und verstärkten Problemen mit Mehltau zeigten sich die Winzer zufrieden. Die Qualität der Trauben ist trotz des schwierigen Jahresverlaufs gut und nach den katastrophalen Ernteausfüllen in 2017 konnte man auch wieder in der Menge zulegen.

Weinjahrgang 2018

In Spanien wurden dieses Jahr deutlich mehr Trauben in die Keller gebracht als noch in 2017. Und dank des guten Weinjahrgangs 2018 wird Italien wohl erneut zum weltgrößten Weinproduzenten aufsteigen.

Spanien & Italien: deutlicher Zuwachs der Weinproduktion

In Spanien setzte die Weinlese dagegen mit leichter Verzögerung ein. Das Wetter bereitete regional unterschiedliche Schwierigkeiten, die aber allesamt keine größeren Probleme bereiteten. So wurden nicht nur gute bis sehr gute Qualitäten geerntet, sondern vor allem deutlich mehr Trauben in die Keller gebracht. Das gleiche gilt für Italien in noch größerem Maßstab. Das gute Weinwetter wird die Italiener auch in 2018 zu dem weltweit größten Weinproduzenten machen. Da auch die Traubenqualität überall als gut eingeschätzt wird, können sich Weinfreunde also auch auf gute Weine des Jahrgangs

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