Uhudler: Kurioser Wein aus Österreich

Aus dem österreichischen Südburgenland stammt ein Wein, der mittlerweile Kultstatus genießt. Und das obwohl er aus Rebsorten hergestellt wird, die kaum jemand kennen dürfte: Oder sagt Dir Concord, Delaware oder Elvira etwas? Aus ihnen entsteht der Uhudler. Was ähnlich klingt wie eine österreichische Kräuterlimonade ist in Wahrheit ein echtes Wein-Kuriosum.

Um den Uhudler zu verstehen, muss man zunächst den Blick zum Ende des 19. Jahrhunderts richten. In dieser Zeit vernichtete die aus Nordamerika eingeschleppte Reblaus fast alle Rebstöcke in Europa. Eine Rettung wurde letztlich durch die Wurzeln von resistenten, amerikanischen Rebstöcken gefunden. So propfte man die europäischen Reben – wissenschaftlich Vitis Vinifera genannt – auf die Wurzeln der amerikanischen Wildreben – Vitis Labrusca. Nur auf diese Weise konnte man die Pflanzen vor der Reblaus effektiv schützen.

Einige wenige Winzer nutzten die Reben aus Übersee aber auch in ihrer ursprünglichen Form – nämlich um Wein aus ihren Beeren herzustellen. Sie bezeichneten die Pflanzen als „Direktträger“, da sie ja noch auf ihren ursprünglichen Wurzeln standen. Im österreichischen Südburgenland werden noch heute Weine aus den Amerikareben hergestellt. Sie hören auf den ungewöhnlichen Namen Uhudler.

Uhudler: ein Naturprodukt

Durch die Vorgeschichte wird klar, dass in dieser Region Österreichs bereits seit mehr als 100 Jahren Amerikareben kultiviert werden. Und zwar nicht nur wegen der Beliebtheit des Uhudlers, sondern auch wegen praktischer Vorteile der Vitis Labrusca Reben.

Rebsorten dieser Spezies sind nicht nur sehr resistent gegen die Reblaus, sie trotzen auch vielen Pilzkrankheiten. Dadurch kann in den Weinbergen auf chemische Schädlingsbekämpfung und Fungizide verzichtet werden. Im Ergebnis macht das den Uhudler zu einem echten Naturprodukt.

Warum also haben sich die amerikanischen Reben und Weine wie der Uhudler nicht anderswo in Europa verbreitet? Dazu muss man nochmals eine Reise in die Vergangenheit unternehmen.

Die bewegte Geschichte des Uhudlers

Nach der Reblauskrise – Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts – erlebten die Weine aus den Ameriakreben zunächst einen Aufschwung. Doch bereits 1936 wurde europaweit der Verkauf dieser Weine, und auch das weitere Auspflanzen der Direktträger, verboten.

Reblaus

Ein von Rebläusen befallenes Blatt

Den Weinen wurde unterstellt, dass sie für „Siechtum, Hysterie, Zornexzesse“ und Missbildungen bei Kindern verantwortlich seien. Als Grund wurde ein zu hoher Methanolgehalt genannt. Wie man heute weiß, existierte dafür keinerlei wissenschaftliche Grundlage. Trotzdem wurden in Folge fast sämtliche Rebbestände der Amerikareben systematisch vernichtet.

Erst Anfang 1970 wurde die Produktion des Uhudlers für den Eigengebrauch wieder erlaubt. Doch hielt dieser Teilerfolg engagierter Winzer nicht lange an: Im Zuge des Glykolwein-Skandals, Mitte der 1980er Jahre, wurde der Uhudler wieder verboten.

Uhudler: ganz legal

Das Hin und Her ging weiter, denn 1992 wurde der Uhudler schließlich wieder erlaubt. Grund dafür war ein Kniff findiger Winzer, um das geltende Weingesetz „auszuhebeln“. Sie kreuzten Vitis Vinifera Reben in die Amerikareben ein – dadurch waren die Direktträger aus genetischer Sicht wieder gesetzeskonform.

So dürfen heute in 25 Gemeinden des Südburgenlandes wieder Direktträger angebaut werden, um Uhudler-Weine zu produzieren.

Spannend bleibt es trotzdem, denn im Jahr 2030 wird eine neue Regelung entscheiden, ob die Uhudler-Weinberge weiterhin bestehen dürfen.

Aus welchen Rebsorten wird Uhudler gemacht?

Wie schon erwähnt, gehören die wurzelechten Amerikareben zu der Spezies Vitis Labrusca, auch amerikanische Wildrebe oder Direktträger genannt. Vitis Vinifera ist wiederum die gängige europäische Rebenspezies zu der alle bekannten und international genutzten Rebsorten gehören – von Albariño über Cabernet Sauvignon, Merlot und Riesling bis Zweigelt.

Die gängigsten Rebsorten der Vitis Labrusca Pflanzen hören wiederum auf so klangvolle Namen wie Noah und Elvira (beide weiß) sowie Isabella, Concord (Synonym: Ripatella), Clinton, Othello und Noah Noir (alle rot).

Wie schmeckt Uhudler?

Je nach Sorte und Herkunft variiert die Farbe von einem blassen Stroh- bis Hellgelb beim weißen Uhudler und einem zarten Rosa oder hellem Kirschrot bis hin zu einem Ziegelrot bei den roten Sorten. Der Uhudler wird hauptsächlich aus den roten Rebsorten gewonnen und erinnert in der Farbe eher an einen dunklen Roséwein als an einen Rotwein.

Im Duft erinnert ein solcher Uhudler an Erdbeeren oder auch Himbeeren und manchmal auch an frisch gelesene Trauben. Typisch ist auch ein deutlicher Jasminduft, der von einigen Kritikern auch als Foxton bezeichnet wird – eine geschmackliche Eigenart vieler Amerikareben, die an den Geruch rund um einen Fuchsbau erinnern soll.

Der Geruch eines Uhudlers lässt zunächst einen Wein mit Restsüße vermuten, doch wird der Wein meist trocken ausgebaut und ist von frischer Säure geprägt. Dadurch eignet sich ein Uhudler auch bestens als Grundlage einer Weinschorle.

Warum heißt der Wein Uhudler?

Es ist nicht vollständig gesichert, wie der Wein zu seinem Namen kam, doch existiert eine Legende dazu: Als in vergangenen Zeiten die Mobilität noch eingeschränkt war, verbrachten Winzer während der Ernte oft eine ganze Woche in den Weinkellern nahe der Weinberge. Als die Ernte vorbei war und die Winzer ins Dorf zurückkehrten, spotteten ihre Frauen angeblich: „Du hast wieder Augen wie ein Uhu“, weil sie dachten, ihre Ehemänner hätten während der Lese zu tief ins Glas geschaut.

Egal ob diese Legende stimmt oder nicht: Zu viel sollte man sich natürlich weder vom Uhudler noch von einem anderen Wein gönnen. Doch Ausprobieren sollte man den Uhudler unbedingt – nicht zuletzt, um den eigenen Weinhorizont zu erweitern.

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