Domäne Wachau: der Puls einer ganzen Region

Keine anderen Weine stehen so für die Wachau wie ihre. Eigentlich verkörpert sie die komplette Weinregion im nicht ganz so kleinen. Jochen über die Domäne Wachau.

Latein ist ziemlich aus der Mode, doch in diesem Fall trifft das oft zitierte „nomen est omen“ den Nagel so ziemlich auf den Kopf: Domäne Wachau. Der Begriff Domäne rührt eigentlich von einer Bezeichnung für große landwirtschaftliche Güter her, er erinnert aber auch sympathisch an das französische „domaine“ für Weingut. Nur folgerichtig, dass die Domäne groß ist und in Wein macht. Nun kommt die Wachau ins Spiel. Das Weinbaugebiet an der Donau, rund 50 Kilometer westlich von Wien gelegen, zählt rund 1.350 Hektar Rebfläche. Davon entfallen etwa 650 Hektar auf die Domäne Wachau – da trägt man wohl zu Recht die Region im Namen. Eben „nomen est omen“. Und deshalb redet man immer auch über die gesamte Wachau, wenn man nur von der Domäne Wachau spricht.

Kellerschlössel am Kellberg der Domäne Wachau

Kellerschlössel am Kellberg der Domäne Wachau

Weinbau in der Wachau: aus besten Verhältnissen

Streng genommen sind es nur 33 Kilometer der Donau, die die Wachau ausmachen. Doch die haben es in sich, wenn es um gute Bedingungen für den Weinbau geht. Es beginnt mit den geologischen Umständen. Die sogenannten Urgesteinböden zählen zu den ältesten geologischen Formationen Österreichs. Es sind verschiedene Arten von Gneis, teilweise mit Lössauflage, die aber selbst auf diesem kleinen Gebiet sehr unterschiedlich ausfallen. Das Gestein ist reich an Quarz und Mineralen, was den Weinen in Sachen Reintönigkeit und Klarheit sehr zu Gute kommt. Ebenfalls den Reben zuträglich sind die Steillagen an der Donau, die aufwändig terrassiert sind – doch dazu später mehr.

Auch das Klima spielt mit. Zum einen ist es westlich-atlantisch geprägt. Das meint kalte Winter und heiße, trockene Sommer. Es gibt aber auch einen östlich-pannonischen Einfluss, der vor allem im Spätherbst und bis in den Winter hinein für wärmende Lufteinströmungen sorgt. So sind in der Wachau auch späte Ernten bis in den November hinein in vielen Jahren möglich. Zudem schützen zwei Höhenzüge die Wachau – das Waldviertel und der Dunkelsteiner Wald. Nicht zuletzt sorgt die Donau selbst für Temperaturausgleich und verhindert zum Beispiel in extremen Sommern zu große Hitze.

Wachau

Region Wachau in Österreich

Viel Arbeit für nicht viel Wein

Soweit die Vorgaben von Mutter Natur. Doch der gestaltende Einfluss des Menschen auf die Weinregion ist enorm groß. Es geht um die Steillagen zu beiden Seiten der Donau, die erst durch die mühevolle Terrassierung für den Weinbau nutzbar gemacht wurden. Dies allerdings schon seit dem Mittelalter. So findet beispielsweise der historische Vorgänger der Domäne Wachau, das Weingut der Herrschaften von Dürnstein und Thal Wachau, schon 1137 in einer Urkunde Erwähnung. Bis heute ist die Pflege der Trockensteinmauern mit viel Aufwand und speziellem Know-how verbunden. Zudem sind auf diesen Terrassenlagen keine großen Maschinen einzusetzen, das meiste muss von Hand geschehen.

Andererseits ergibt die Wachauer Kombinatorik von Steillage x Ausrichtung x Boden x Mauern oder Felsen eine Vielzahl von Mikroklimata. Das erinnert ein wenig an die Climats des Burgunds. Es erklärt auf jeden Fall, warum die einzelnen Lagen – in der Wachau „Rieden“ genannt – eine so große Rolle spielen.

Die Qualitätsstufen in der Wachau

Schon wieder Latein. Es sind einige Winzer, die 1983 die Vinea Wachau Nobilis Districtus, kurz Vinea Wachau, gründen. Als Gründungsmitglied von Anfang mit dabei: die Domäne Wachau. Die Vinae Wachau führt drei Qualitätsbegriffe ein, die den Wein anhand seiner Alkoholstärke unterscheiden. Was so technisch klingt, bekommt jedoch besonders poetische Namen.

Steinfeder

Das ist der Name einer Gras-Art, die nur in bestimmten Lagen der Wachau zu finden ist. Er bezeichnet leichte Weißweine mit maximal 11,5% vol. Alkohol. Ein Wein, der mit seinen feinen Fruchtaromen, seiner eleganten, fast spritzigen Art den idealen Sommerwein abgibt. Steinfeder klingt also nach leichtem Vergnügen und viel Trinkfreude.

Grüner Veltliner Steinfeder Hochrain 2019
Steinfeder bei Weinfreunde
Domäne Wachau
Grüner Veltliner Steinfeder Hochrain 2019

Federspiel

Federspiel ist ein Begriff aus der Falknerei, ein Beute-Imitat, mit dem der Falke dressiert wird. Auf diesen Namen hören die Wachau-Weine mit einem Alkoholgehalt zwischen 11,5% und 12,5% vol. Sie zeigen mehr Fruchteindrücke, sind intensiver und einnehmender, ohne dabei die Frische und Eleganz zu verlieren, die schon der Steinfeder vorführt.

Grüner Veltliner Federspiel Terrassen 2019
Federspiel bei Weinfreunde
Domäne Wachau
Grüner Veltliner Federspiel Terrassen 2019

Smaragd

An sonnigen Tagen gibt sie in den Terrassenanlagen, an den Mauern und den verstreuten Felsen einen häufigen Gast, die Smaragd-Eidechse. Sie ist Namenspate für die kraftvolleren Weine. Sie heben sich mit ihrer Vielschichtigkeit und ihrer Dichte von den beiden anderen Kategorien ab. Smaragd-Weine sind ausgesprochen reife- und lagerfähig. Und nicht zu vergessen: mindestens 12,5% vol. Alkohol müssen sie enthalten.

Seit dem Jahr 2020 firmiert das Weinbaugebiet auch als DAC Wachau. Das DAC steht für „Districtus Austriae Controllatus“ – oh Gott, schon wieder Latein! Diese eigene Klassifikation für das Weinland Österreich unterscheidet nach Lagen und Rebsorten, die die Typizität einer Region zum Ausdruck bringen. Daher können uns ab dem aktuellen Jahrgang noch drei weitere Begriffe auf dem Etikett begegnen:

Gebietsweine aus der Wachau

Für diese Weine sind insgesamt 17 Rebsorten zugelassen. Wer auf die ganze Vielfalt der Region aus ist, wird in dieser Kategorie fündig und kann einige Überraschungen erleben.

Ortsweine aus der Wachau

Bei den Ortsweinen ist die Auswahl der Rebsorten schon eingeschränkter. Es sind Grüner Veltliner, Riesling, Weißer Burgunder, Grauer Burgunder, Chardonnay, Neuburger, Muskateller, Sauvignon Blanc oder auch Traminer, die als typisch für die Herkunft aus der Wachau gelten. In diesem Fall steht der Name des Ortes ebenfalls auf dem Etikett.

Riedenweine aus der Wachau

„Riede“ ist in Deutschland mit „Lage“ zu übersetzen. Riedenweine sind also Weine aus den besten Lagen: 157 gibt es aktuell davon in der Wachau. Um erneut die Herkunft aus der Wachau herauszustellen, sind für Riedenweine nur die beiden Rebsorten Grüner Veltliner und Riesling zugelassen. Die Weine dürfen keinen Holzeinfluss aufweisen und müssen gänzlich aus Trauben einer Riede entstehen, die dann auf dem Etikett genannt wird.

Brennglas der Region: Domäne Wachau

Wir hatten es schon bemerkt: Region Wachau und Domäne Wachau, das erklärt sich immer auch gegenseitig. Die Ausführungen zu den Qualitätsbegriffen von Vinea Wachau und DAC Wachau zu kennen, ist daher wichtig. Die Dömane ist bei beiden von Beginn an dabei.

Aber wir müssen noch einmal zurück in das Mittelalter. Die Herren über die Weinberge wechselten in schöner Regelmäßigkeit, sogar die Habsburger waren darunter. Später ist das Weingut im Besitz des Chorherrenstifts Dürnstein. Doch als Ende des 18. Jahrhunderts in Österreich der Kirchenbesitz aufgelöst wird, erwirbt die Familie der von Starhemberger den Grund. Die wiederum scheitern an der Wirtschaftskrise der 1930er Jahre. Erneut wird verkauft, doch dieses Mal schlägt die Stunde der kleinen Weinpächter. Sie schließen sich zur Winzergenossenschaft Wachau zusammen und übernehmen die Rebflächen.

Man wechselt noch zwei Mal den Namen, doch seit 2008 firmiert man mit großem Erfolg als Domäne Wachau. Die Genossenschaft steigt in den 1980er Jahren zu den besten des Landes auf und gewinnt auch schnell internationales Format. So erhält sie 1999 die Auszeichnung „International Winemaker oft he Year“ des Fachtitels Wine & Spirits. Ein weiterer großer Sprung nach vorn ist mit den Personen Roman Horvath und Heinz Frischengruber verbunden. Horvath, Master of Wine und Geschäftsführer der Domäne Wachau, lenkt gemeinsam mit Frischengruber, dem Herrn über Keller und Weine, die Winzergenossenschaft in die erste Reihe.

Horvath (Geschäftsführer) und Frischengruber (Kellermeister)

Horvath (Geschäftsführer, r.) und Frischengruber (Kellermeister, l.)

In Stein gemeißelt: Die Reise geht weiter

Dafür setzen sie auf Qualitätsverbesserung in den Weinbergen, sie organisieren die Anlieferung der Trauben neu, nehmen bei diesem Projekt erfolgreich die Mitglieder mit auf den Weg – immerhin rund 250 Winzerfamilien. Alles nur mit dem einem Ziel vor Augen: Weine zu machen, die in ihrer Typizität und Qualität für die Wachau stehen. Weine mit einer präzisen Signatur für jede einzelne der herausragenden Rieden der Domäne: Bruck, Tausendeimerberg, Singerriedel, Hochrain, Kollmitz, Achleiten, Kellerberg, Loibenberg.

Weinkeller Domäne Wachau

Weinkeller der Domäne Wachau

Neuster Clou aus Dürnstein ist der „Steinwerk“. Der Wein – lediglich 1830 Liter – wurde tatsächlich in Stein vergoren. Dazu wurde aus einem Felsbrocken von über sechs Tonnen ein 700 Liter fassender Kegel gefertigt. Ein Gärbehälter aus Granit mit 1130 Liter Volumen kam noch dazu. Die Trauben für die steinige Edition kamen aus bester Lage und so wurde daraus ein: Grüner Veltliner Steinwerk Spitzer Graben. Mal schauen, was das mit der ganzen Wachau macht.

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