Lob an den Korkenzieher: lässt den Wein aus der Flasche!

 

Der Korkenzieher ist der verlässliche Helfer eines jeden Weinliebhabers. Manchmal sogar, weiß unser Weinfreund Jochen Pfadler zu berichten, wird der Korkenzieher selbst zum Objekt sammelnder Begierde und Schaustück im Museum.

Nicht wenige Weinfreunde haben ihren ganz persönlichen Liebling unter den Korkenziehern. Ist er mal nicht sofort zur Hand, macht sich bereits leichte Besorgnis bemerkbar. Noch schlimmer: Es ist gar kein Korkenzieher aufzutreiben und der Weingenuss bleibt einem im wahrsten Sinne des Wortes verschlossen. Das kleine Werkzeug mit der Schraubspindel war nur für Weintrinker ein unentbehrliches Utensil. In Glasflaschen kamen vor rund 300 Jahren nämlich nicht nur edle Tropfen aus Trauben, sondern auch Parfums, Öle, Essenzen und kostbare feste Stoffe wie Gewürze daher. Die Flaschen waren allesamt mit Korken verschlossen, was das schadlose Öffnen zunächst zu einem ganz praktischen Problem machte.

Angeblich steht ein Reinigungsinstrument für Waffen Pate bei der Erfindung des Korkenziehers wie wir ihn heute kennen. Den sogenannten Stopfbüchszieher führte man in den Lauf ein und drehte die an der Spitze angebrachte Spindel in die steckengebliebene Kugel, um sie anschließend herauszuziehen. Dabei machte es wohl irgendwann bei Samual Henshall aus Oxford „Plopp“ und er reichte 1795 das erste Patent für einen Korkenzieher ein.

Flügelkorkenzieher: Drückt man die beiden Flügel beidhändig wieder nach unten, wird der Korken mit geringem Kraftaufwand aus der Flasche gezogen.

T-, Flügel- oder Glockenkorkenzieher: Hauptsache Seele

Beim Entfernen des Korkens aus der Flasche geht es also (fast) immer um das Drehen und das Ziehen. Die Spindel dreht sich in den Korken, darf dabei allerdings nicht den Korken unten durchbrechen – sonst könnten Kork-Krümel in den Wein rieseln. Damit die Spindel den Korken beim Herausziehen auch festhält, haben alle guten Korkenzieher eine „Seele“. Das meint, dass die Spirale einen Freiraum in der Mitte ausspart und somit besser den Korken fasst.

In der einfachsten Form besteht der Korkenzieher aus der Spindel und einem Griff – aus Holz oder Horn, Knochen oder Metall. In deutschen Haushalten weit verbreitet sind noch der Flügelkorkenzieher und der Glockenkorkenzieher. Sie setzen einen physikalischen Kniff ein, um beim Herausziehen weniger Kraft aufbringen zu müssen. Beim Flügelkorkenzieher ziehen sich mit dem Hineindrehen in den Korken zwei „Flügel“ am Gewinde der Spindel nach oben. Indem man diese Flügel beidhändig wieder nach unten drückt, zieht man den Korken aus der Flasche. Beim Glockenkorkenzieher sorgt das Arretieren einer Metallglocke, die sich mit dem Eindrehen der Spindel nach unten bewegt, dafür, dass die fortgesetzte Drehbewegung den Korken aus der Flasche zieht.

Korkenzieher Pulltaps

Das klassische Kellnermesser mit zwei Hebeln und kleinem Messer für die Kapsel: elegant in der Handhabung, klein genug für die Hosentasche.

Das Kellnermesser: Wer hat es erfunden?

Es gibt noch Federzungen-Korkenzieher oder welche, die mit Überdruck den Korken aus der Flasche pressen. Natürlich können Sie sich auch gleich einen massiven Tischkorkenzieher in der Küche montieren. Für mich kann es jedoch nur einen geben – nämlich das klassische Kellnermesser mit zwei Hebeln und dem zusätzlichen kleinen Messer zum Entfernen der Kapsel: ebenso elegant wie einfach in der Handhabung, und eingeklappt passt es in jede Hosentasche. Die Spindel wird in den Korken gedreht, der erste Hebel am Flaschenhals angesetzt, der Korken das erste Stück angehoben, um dann mit dem Wechsel auf den zweiten Hebel, das letzte Stück sanft zu erledigen. Diese Ausführung des Korkenziehers geht übrigens auf den Deutschen Karl Wienke zurück, der 1882 sein Patent anmeldete.

Man kann aus dem Korkenzieher einen regelrechten Kult machen und mit der „Pomelkophilie“ liegt sogar ein Fachbegriff für die Liebhaberei von Korkenziehern vor. Das erscheint Ihnen abstrus? Dann besuchen Sie mal eines der zahlreichen Korkenzieher-Museen, die Ihnen die Kuriosa und Kostbarkeiten, die Designobjekte und die Massenanfertigungen dieses unscheinbaren und doch so wichtigen Utensils vor Augen führen.

T-Korkenzieher

T-Korkenzieher: Die einfachste Form des Korkenziehers besteht aus der Spindel und einem Griff – entweder aus Holz oder Horn, Knochen oder Metall.

Ausflugsziel und interessanter Zeitvertreib: Korkenzieher-Museen

Kleinere Sammlungen von Korkenziehern finden sich in fast allen Weinregionen. Persönlich empfehlen möchte ich insbesondere das Korkenzieher-Museum in Ménerbes in der Provence im schönen Weinland Frankreich. Dort hat die Domaine de la Citadelle  vom Korkenzieher für den Frontsoldaten bis zur exklusiven Ausführung für den französischen Staatspräsidenten über 1.200 Exemplare zusammengetragen. Pikantes Detail: Die Domaine de la Citadell gehört mit Yves Rousset-Pouard dem Filmproduzenten der „Emmanuelle“-Filme, was auch erklärt, dass es eine nicht jugendfreie Sektion mit Korkenziehern in Ménerbes gibt.

Im Weinland Italien ist zu aller erst das Museum im weineinschlägigen Barolo zu nennen. Wer nicht nur schlendern und staunen will, kann sich in Barolo auch einer Führung samt Weinprobe anschließen. Aber auch Deutschland ist eine Korkenzieher-Reise wert. Es lohnt der Besuch des Korkenzieher Museums am Kaiserstuhl oder des Museums in Leinsweiler in der Pfalz. Und selbstverständlich gibt es auch dort, die zum Korkenzieher passende Flasche Wein. Viel Spaß beim Drehen und Ziehen.

PS: Wer wissen will, wie man eine Weinflasche auch ohne Korkenzieher öffnen kann, sollte einen Blick in unseren Life-Hack-Artikel zum Thema Weinflasche öffnen ohne Korkenzieher werfen.

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