Weinjahrgang 2017: Frühe Lese, wenig Menge, gute Qualität


So mancher Weinfreund hatte Ende April nicht nur den eigenen Garten bei Minusgraden im Blick, sondern fragte sich auch, was der extreme Frost wohl den jungen Trieben in den Weinbergen dem Weinjahr 2017 antun würde. Nichts Gutes, wie man mittlerweile weiß. Etwa 15 bis 30 Prozent Mengenverlust sind in 2017 praktisch der Normalfall, interessanterweise in ganz Europa und nicht nur wegen des April-Frosts. Unser Kollege hat sich den neuen Jahrgang etwas genauer angeschaut und kann zum Glück vermelden, dass in 2017 zwar vergleichsweise wenig, aber dafür sehr guter Wein entstehen wird.

Jahrgang 2017 in Deutschland und Österreich: Überraschend ähnlich

Weinjahr 2017

Besonders der April-Frost setzte den frischen, jungen Trieben zu, die es bereits durch eine längere Wärmeperiode in den Vormonaten des Weinjahrs 2017 gab.

Auch wenn Mosel und Donau weit auseinander liegen, einte die beiden Weinregionen im späten April 2017 ein mehr als unangenehmes Wetterphänomen: Frost. Und nicht nur hier, sondern in allen 13 Weinregionen Deutschlands sowie in weiten Teilen Österreichs herrschten nachts Temperaturen von bis zu minus 16 Grad Celsius. Verzweifelt versuchten die Winzer gegenzusteuern, doch selbst Maßnahmen wie die in den Weinbergen zu Hunderten aufgestellten Fackeln oder Tiefflüge mit Hubschraubern bewirkten kaum etwas. Besonders problematisch war der April-Frost, da es zuvor eine längere Periode wärmeren Wetters gab, die für frische, junge Triebe sorgte. Viele der zarten Pflänzchen erfroren und so gingen die betroffenen Winzer davon aus, den Großteil ihrer Produktionsmenge zu verlieren.

Väterchen Frost gibt sich versöhnlich

Weinjahr 2017

Wer es sich als Winzer leisten kann, schützt seine Weinstöcke mit Netzen vor ungewünschten Wetterkapriolen wie z.B. Hagelschlag

So war nach diesen turbulenten Tagen im April der Optimismus auf dem Nullpunkt und die Aussichten auf ein gelungenes Jahr praktisch abgeschrieben. Doch manchmal kommt es anders, als man denkt: Der Mai bescherte solides Wetter und sorgte für einen idealen Vegetationsverlauf. In der Folge regulierten sich viele durch den Forst verursachte Schäden ganz natürlich. Und auch in den anschließenden Monaten meinte es das Wetter gut mit den Winzern in Deutschland und Österreich. Abgesehen von örtlichem Hagel Anfang August, beispielsweise in Rheinhessen, sorgte das Wetter 2017 für eine erstaunlich frühe Reife der Beeren. Im Vergleich zum Jahrgangsdurchschnitt ging es gut zwei Wochen früher an die Lese als üblich. Und das eingeholte Traubenmaterial ist gut, teilweise sogar sehr gut. So sind zwar die Erntemengen frostbedingt kleiner, doch lässt die gute Qualität das viel zitierte Sprichwort zu: weniger ist mehr!

2017 in Europa: voll im Wettertrend

Weinjahr 2017

Trotz Feuertonnen und Fackeln mussten einige Winzer vor allem im Burgund und der Loire teils dramatische Ernteverluste im Weinjahr 2017 hinnehmen.

In den nördlichen Weinregionen Frankreichs, allen voran der Loire und dem Burgund, kämpfte man ebenfalls Ende April mit dem Frost. Und obwohl die in den burgundischen Weinbergen aufgestellten Fackeln romantisch anmuteten, hatten die Winzer partiell dramatische Verluste zu beklagen.

Ansonsten eint Europa auch der extrem frühe Erntebeginn. Rund zehn bis 14 Tage früher als üblich ging es in Frankreich, Italien und Spanien zur Ernte – teilweise sogar mit Leseterminen, die es so früh im Jahr noch nie in der Geschichte der Weingüter gab. In vielen Regionen Italiens sorgten vor allem Trockenheit und eine enorme Hitzewelle für den frühen Lesetermin. Diese Hitze, der bereits geschilderte Frost und andere Wetterkapriolen reduzierten die Erntemenge in ganz Europa um mindestens 15 Prozent, regional betrachtet bis zu 30 Prozent.

Jahrgang 2017: Qualitätssache

Weinjahr 2017

Zwar fallen die produzierten Mengen im Weinjahr 2017 für viele Winzer kleiner aus, aber auch in herausfordernden Jahren können bekanntlich gute Weine entstehen.

Doch der frühe Erntebeginn hat sich gelohnt: Die Trauben sind – wie auch in Deutschland und Österreich – von hoher Qualität. Die Umsicht und Erfahrung der meisten Winzer hat somit einmal mehr bewiesen, dass auch in herausfordernden Jahren gute Weine entstehen können. Zumindest wenn man sich mit dem Gedanken anfreunden kann, dass die produzierte Menge kleiner ausfällt als es einem lieb ist.

Aus Europa lässt sich noch kein Wein aus 2017 kaufen – selbst der Beaujolais Primeur folgt erst am dritten Donnerstag im November (16.). Dennoch möchten wir zum Thema passend einen Wein aus diesem Jahrgang vorstellen. Durch die entgegengesetzten Jahreszeiten der südlichen Erdhalbkugel ist uns das glücklicherweise möglich. Ein besonders günstiger Chilene mit beeindruckender Qualität stammt bereits aus dem Jahr 2017 und ist hier zu bestellen:

Weinjahr 2017

Carmenère Pupilla 2017, Luis Felipe Edwards, Chile

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