Weingott sei Dank

Die vinophile Götterwelt

Dionysos und Bacchus, Wein-Götter, Weinheiliger und Abendmahl: Die Verbindung vom Glauben an das Höhere und den Segen des Weines hat abendländische Tradition. Unser Weinfreund Jochen Pfadler betritt für uns heiligen Boden. 

In der griechischen und römischen Götterwelt haben die Unsterblichen alle so ihre Zuständigkeiten. Aphrodite kümmert sich um die Liebe, Poseidon herrscht über die Meere und Dionysos darf als Gott des Weines und der Freude sowie der Trauben und der Fruchtbarkeit walten. Dabei verraten uns die Eigenschaften, die Dionysos und seinem römischen Gegenstück Bacchus zugeschrieben werden, auch viel über die Wirkung des Weines und die näheren Umstände seines Genusses.

So trinkt Dionysos selten allein, sondern gibt sich dem Rebensaft meist im Gefolge von Satyrn und Mänaden hin: lüsterne Mischwesen mit Eselsohren und Pferdeschweif die einen, rasende Frauen die anderen. Nahezu folgerichtig, dass den Weingott Dionysos sowohl die Ekstase als auch der Wahnsinn umgeben. Interessant zudem sein Beiname Bromius, der „Lärmer“, der wie Bacchus, der „Rufer“, auf das Lärmen und Grölen fortgeschrittener Zecher anspielt.

Weingötter

Göttliche Inspiration: Dionysos und Bacchus

Man muss kein Liebhaber alter Meister sein, doch um diese üppig sinnenfreudige Götterwelt besser zu verstehen, empfiehlt sich ein Blick auf die vielen Skulpturen und Gemälde, die Dionysos oder Bacchus in Aktion darstellen. Von Peter Paul Rubens bis Giovanni Bellini, von Lovis Corinth bis Paul Cézanne: Die Künstler, die sich von der weinseligen Götterwelt inspirieren ließen, können sich im doppelten Wortsinn sehen lassen. Als Inspiration und Namenspatron dient Weingott Bacchus übrigens auch  dem Jurastudenten Sven Finke, der derzeit aus akuter Personalnot im kleinen Moselort Kesten die erste männliche Weinkönigin mit dem Titel „Bacchus Castanidi“ (Kestener Weingott) für die nächsten zwei Jahre gibt.

Eine konkrete Weinempfehlung für ein dionysisches Gastmahl oder eine römische Bacchanalie haben wir in unserem Online-Shop leider nicht zu bieten. Bekannt ist jedoch, dass die Menschen im antiken Griechenland dem Wein Gewürzmittel zugaben, um ihn zu aromatisieren oder auch die Rauschwirkung zu steigern. Weniger sinnenfreudig geht es im Christentum zu. Jesus Verwandlung von Wasser in Wein sowie der Messwein beim Abendmahl haben eine symbolische Bedeutung, nicht aber eine geschmackliche oder gar berauschende.

Weinheilige: von der Tagesform abhängig

Tatsächlich haben die sogenannten Weinheiligen, von denen es gleich einige Handvoll gibt, nicht immer etwas mit Wein zu tun. Zumeist ist es ihr Namenstag, der im Jahresverlauf ein für den Weinbau wichtiges Datum markiert. Das gilt schon für den Apostel Matthäus, dem folgender Winzerspruch angedichtet wurde:

„Wenn Matthäus weint statt lacht,
er aus dem Wein nur Essig macht.“

Und zum heiligen Vitus sowie dem ihm zugeordneten 15. Juni heißt es:

„Ist geblüht der Wein auf Sankt Vit,
so bringt er schönes Weinjahr mit.“

Beim Heiligen Urban gehen Legende und historische Wirklichkeit, das Symbolische und das Konkrete ineinander über. Gleich drei reale Personen mit diesem Namen stiften das besondere Verhältnis zum Wein. So steht Papst Urban I. aus dem 3. Jahrhundert in den Kirchenbüchern, weil er für das Abendmahl den Messbecher aus Silber oder Gold vorschrieb. Der zweite Urban, im 5. Jahrhundert Bischof von Langres, floh vor seinen Feinden in einen Weinberg, wo er sich lebensrettend versteckte. Dann gibt es noch den dritten Heiligen Urban, der am deutschen Neckar den Weinbau einführte. Für den 25. Mai, den Ehrentag dieses Heiligen-Trios, liefert die Spruchsammlung der Winzerzunft folgende Einsicht:

„Hat Urbanstag schönen Sonnenschein,
verspricht er viel und guten Wein.“

Weingötter

Diesseits von Heiligenkalender und Weingöttern

Die gefühlten Weinwetterwahrheiten gaben natürlich keine Garantie ab, weshalb die in den Weinbergen, Ortschaften und Kellern aufgestellten Statuen der Heiligen durchaus den Zorn der Weinbauern zu fürchten hatten. Blieben nämlich günstiges Wetter und gute Lese aus, liefen die Abbilder Gefahr, mit Wasser überschüttet oder gar im Brunnen versenkt zu werden:

„Sankt Urban, lieber Herr,
mach’ die Trauben schwer.

Bist du aber nass,
bringt es nichts ins Fass,
musst du selbst ins Nass.“

Heutzutage halten sich die Winzer eher an den Mondkalender als an den katholischen Heiligenkalender. Anscheinend sind uns die Weingötter abhandengekommen und angesichts des Klimawandels halten die Wetteransagen der Weinheiligen auch nicht mehr das, was sie versprechen. Aber eines hat Bestand: Göttlich gute Weine gibt es noch immer und davon einige in unserem Online-Shop.

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