Deutsch-Italienische Freundschaft: unser Wein des Jahres 2020

Der Roccia Rosso ist unser „Wein des Jahres“. Aber was macht einen Wein dazu? Und wie fallen die Entscheidungen auf dem Weg zum Titelgewinn? Wir haben mit denen gesprochen, die es wissen müssen.

Manche Dinge verdienen etwas mehr Aufmerksamkeit. Dies gilt auch für den „Wein des Jahres“ der Weinfreunde. Nicht einfach nur eine Auszeichnung, eher ein Ehrentitel, der sich vielen Überlegungen und noch mehr Handgriffen verdankt. Was genau das meint, verraten uns Antonio Tumulo und Ennio Cagnazzo von der Cantina Vecchia Torre sowie Sven und Stefan aus dem Weinfreunde-Team. Sie sind die Köpfe hinter dem Roccia Rosso und standen uns exklusiv Rede und Antwort.

Signore Tumulo, was für ein Gefühl ist es, dass der Roccia Rosso der „Wein des Jahres“ bei Weinfreunde ist?

Antonio Tumulo: Die Wahl unseres Roccia Rosso zum „Wein des Jahres“ ist eine außergewöhnliche Überraschung für uns und macht uns ungeheuer stolz. Wir sehen diesen Titel vor allem als Auszeichnung für das Engagement und die Leidenschaft aller Mitarbeiter der Cantina Vecchia Torre.

Können Sie bitte kurz die Cantina Vecchia Torre vorstellen?

Antonio Tumulo: Die Leidenschaft für Weine von Qualität ist quasi das Markenzeichen der Cantina Vecchia Torre. Unsere 1959 gegründete Winzergenossenschaft vereint Tradition und Innovation, Kunst und Wissenschaft, große Aufmerksamkeit für die Weinberge vor Ort und einen offenen Blick in die Weinwelt. Ziel unserer täglichen Arbeit ist es, Weine von einnehmender Qualität zu erschwinglichen Preisen herzustellen.

Die Cantina Vecchia Torre in Leverano

Unsere Geschichte ist eng mit der unserer Mitglieder verwoben: Über 1.100 von ihnen ernten jährlich rund 14 Tonnen Trauben, die auf mehr als 1.300 Hektar Rebfläche wachsen. In den 60 Jahren seit der Gründung haben wir eine enorme Entwicklung vollzogen. Wir sind von einer kleinen, kaum bekannten Genossenschaft zu einer der größten und bedeutendsten in ganz Italien gewachsen. Diesen Weg setzen wir mit großer Entschlossenheit fort, immer mit dem Ziel vor Augen, die Qualität unserer Weine weiter zu verbessern, aber auch um die gesamte Region wirtschaftlich und sozial zu befruchten. Denn mit dieser Region ist unser Schicksal als Weinhersteller untrennbar verbunden.

Heute ist die Cantina Vecchia Torre mit einem Umsatz von rund 20 Millionen Euro eine der solidesten Genossenschaften Italiens. Über 70 Prozent unserer Weine verkaufen wir ins Ausland – besonders erfolgreich nach Deutschland, wo man unsere Weine sehr schätzt und wir zahlreiche Auszeichnungen gewonnen haben.

Sven, was war dein erster Gedanke, als nach all den Blindverkostungen klar war, dass der „Wein des Jahres“ in Zusammenarbeit mit Vecchia Torre entsteht?

Sven: Ich habe mich sehr gefreut, dass es nach Apulien geht. Die Beliebtheit von Primitivo ist in den vergangenen Jahren enorm gewachsen. Nun beginnen wir, die Rebsorte Negroamaro zu entdecken. Es war also klar, dass wir mit Vecchia Torre aus dem Vollen schöpfen würden: tolle Weinregion, ganz eigenständige Rebsorten und jede Menge Potential und Tradition. So etwas gefällt mir.

Stefan, wie genau erfolgt die Auswahl? Welche besonderen Qualitäten muss ein „Wein des Jahres“ mitbringen?

Stefan: Klingt selbstverständlich, ist aber wichtig: Zuallererst muss es ein guter Wein sein, der uns „blind“ überzeugt – und das gleich mehrfach. Genauso wichtig: Es soll ein Wein für Weinfreunde sein. Wir orientieren uns also auch an dem, was unsere Kunden besonders mögen und trinken. Zum dritten geht es natürlich um ein attraktives Preis-Genuss-Verhältnis. Einen Top-Wein für viel Geld zu machen ist einfacher, als einen guten Wein für einen guten Preis zu machen.

Herr Tumulo, Ihr erster Gedanke, als die Mail mit der Anfrage von Weinfreunde ankam?

Antonio Tumulo: Die Mail der Weinfreunde zu lesen, war ein wirklich bewegender Moment für mich. Wir sind sehr stolz darauf, sehen diese Auszeichnung aber auch als Ansporn für unsere Arbeit und das Bemühen, unsere Kunden, also jeden einzelnen Weintrinker, stets zufrieden zu stellen.

Als Sie dann mit dem Weinfreunde-Team den Roccia Rosso kreiert haben: Wie war die Zusammenarbeit mit Sven und Stefan?

Ennio Cagnazzo: Die Zusammenarbeit mit den beiden war sehr inspirierend und fruchtbar. Sie haben unsere Vorschläge stets sorgfältig geprüft und anschließend mit uns offen die Stärken und Schwächen der Weine diskutiert. Wir können ehrlich sagen, dass der Roccia Rosso in einer sehr engen, intensiven Zusammenarbeit entstanden ist.

Weinfreunde bei Vecchia Torre: Weinfreund Stefan (l.), Önologe Ennio Cagnazzo (2.vl.), „Präsident“ Antonio Tumulo (2.vr.), Weinfreund Sven (r.)

Ganz offen nachgefragt: Wo habt ihr gelernt, Wein zu machen? Was für Erfahrungen kommen da im Team zusammen?

Stefan: Also Sven ist ein echter Diplom-Weinbetriebswirt. Er hat auf Weingütern in Baden und im Weinhandel gearbeitet. Seine Erfahrung im Verkosten und Analysieren von Weinen, aber auch seine Kenntnisse über die Weinherstellung sind bei solchen Projekten eine echte Bank. Ich selbst habe in Geisenheim Internationale Weinwirtschaft studiert, wobei ich das „International“ sehr ernst genommen habe. Ich war in Neuseeland, in Kalifornien und an der Nahe unterwegs, habe meine Erfahrung auf VDP-Weingütern und im Weinhandel gesammelt. Ein wenig kennen wir uns also schon aus (lacht).

Wir kennen Primitivo aus Apulien und auch Negroamaro. Beim Roccia Rosso handelt es sich jedoch um eine Cuvée aus Primitivo, Negroamaro und Syrah. Warum die Vermählung dieser Rebsorten? Wie drückt sich das im Wein aus?

Sven: Ich habe es ja schon erwähnt, es ging uns auch darum, das besondere Potential von Apulien aufzuzeigen. Dazu zählen die typischen Rebsorten Primitivo und Negroamaro, aber Vecchia Torre kultiviert eben auch die Rhône-Rebsorte Syrah, die mit ihren würzig-pfeffrigen Noten perfekt zu den Kräuteraromen und der sanften Wucht von Primitivo und Negroamaro passt.

Ein Teil der Trauben des Roccia Rosso wurde vor der Maische getrocknet, ähnlich wie bei einem Doppio Passo oder Ripasso. Warum dieser zusätzliche Aufwand? Wie verändert diese Methode den Wein?

Ennio Cagnazzo: Die Negroamaro-, Primitivo- und Syrah-Trauben werden später geerntet als normal, so dass sie noch an der Rebe einen Trockenprozess durchlaufen. Durch das verdunstende Wasser erhöht sich die Konzentration von Zucker und Aromen. Die Weine, die aus solchen Trauben hervorgehen, besitzen eine größere Komplexität, sie zeigen sich durch die sanften Tannine am Gaumen sehr weich und harmonisch.

Dann geben Sie uns doch mal einen Tipp. Zu welcher Gelegenheit und zu welchem Essen empfehlen Sie den Roccia Rosso?

Antonio Tumulo: Ganz hervorragend passt der Roccia Rosso zu Gegrilltem oder gebratenem Rind und Schwein, aber auch zu Wildgerichten und gereiftem Käse.

Wie seht ihr das? Eure Tipps für den größtmöglichen Spaß mit dem „Wein des Jahres“?

Sven: Mein größtmöglicher Spaß wäre, dass wir mit unserem „Wein des Jahres“ auch alle unsere Weinfreunde überzeugen, und wir uns vor Begeisterung nicht retten können (lacht). Ganz ehrlich, es steckt viel Herzblut im Roccia Rosso und der Wein hat es einfach verdient, gemocht zu werden.

Stefan: Für mich ist der Roccia Rosso perfekt für einen Grillabend mit Freunden. Vor allem weil der Wein als Essensbegleiter eine super Figur abgibt. Aber auch solo nach dem Essen ist er ein großer Genuss. Er ist markant und gleichzeitig charmant unkompliziert.

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