Neue Welt: die ersten Weine des Jahrgangs 2017 sind da

 

In Europa steht die Weinlese kurz bevor. Doch in den Weinregionen auf der Südhalbkugel ist die Ernte längst im Keller. Wie haben in Übersee nachgefragt, was wir vom Jahrgang 2017 aus der Neuen Welt erwarten dürfen.

Im „alten“ Europa fällt das Weinjahr tatsächlich mit dem Kalenderjahr überein. Dabei gerät leicht aus dem Blick, dass dies in der Neuen Welt genau andersherum ist. Wenn bei uns die Reben ausschlagen, sind einige Winzer in Australien, Neuseeland und Südafrika, in Chile und Argentinien ((Links auf Weinländer)) bereits mit der Weinlese beschäftigt. Und während die Weinmacher in unseren Gefilden nach dem optimalen Erntezeitpunkt jagen, kommen aus Übersee bereits die ersten Weißweine des neuen Jahrgangs auf den Markt.

Solange der Weinfreund auf die Ernteberichte aus Deutschland und Frankreich, Spanien und Italien wartet, bleibt Zeit, genauer in die Weinregionen der Südhalbkugel zu schauen. Meine knappe Übersicht der Einschätzungen und Prognosen will genau das versuchen. Eines gilt es dabei zu bedenken. Wenn dort von Frühjahr die Rede ist, ist damit jene Jahreszeit gemeint, die bei uns Herbst heißt. Das gleiche gilt natürlich auch umgekehrt und ebenso für das Verhältnis von Sommer und Winter.

Argentinien: Malbec wird knapp

Weinlese Argentinien

Die Weinregion Mendoza zählt zu den bekanntesten Anbauregionen in Argentinien.

Ein kühles Frühjahr ließ zunächst auf eine späte Reife schließen. Doch der recht warme Sommer in Argentinien hat die Reife der Trauben erneut angetrieben. Am Ende begann die Weinlese früher als erwartet und brachte ausgesprochen gesundes Rebmaterial ein. Die Erntemenge fällt etwas höher als im Vorjahr aus, sie ist jedoch niedriger als in 2015. Dazu trugen auch Fröste bei, die in der bekanntesten Weinregion, in Mendoza, zu einer deutlichen geringeren Malbec-Ernte führten. Für die Renommierweine aus Mendoza ist daher mit einer Verknappung zu rechnen. Die Qualität der Lese wird als durchgehend gut beschrieben. So dürfen sich Weinfreunde auf mehr Frische und Säure in den argentinischen Tropfen freuen.

Chile: weniger ist mehr bei der Weinlese

Weinlese Elqui Valley, Chile

Malerisch erstrecken sich die Weinstöcke im Elqui Valley vor der mächtigen Kulisse der Anden in Chile.

Die Winzer in Chile hatten mit dem warmen und trockenen Sommer zunächst so ihre liebe Not. Erstmals waren viele Weingüter auch Waldbränden ausgesetzt, die ihre Rebflächen bedrohten. Die Lese startete bereits recht früh. Die Erträge fielen spürbar geringer aus. Doch die kleinen Beeren, die in den Keller kamen, zeichneten sich durch perfekte Reife und ausgeprägte Aromatik aus. Etwas verallgemeinernd gilt für den Jahrgang 2017 aus Chile: weniger (Menge) ist mehr (Qualität).

Neuseeland: stärker von Aromen geprägt

Weinlese_Neuseeland

Cloudy Bay, eine Bucht im Marlborough District im Nordosten der neuseeländischen Südinsel, steht synonym für international herausragende Weißweine.

Den neuseeländischen Winzer kam ein kühleres Weinjahr zu gute. Zwar gab es leichte Einbußen bei der Erntemenge, jedoch wurde dies durch eine gute bis sehr gute Qualität der Trauben aufgewogen. Insbesondere die Ausbildung von genügend Säure scheint im Jahrgang 2017 kein Problem zu sein. In einigen Regionen wie etwa Marlborough gab es für manche Winzer während der Ernte doch noch Probleme. Einsetzende Regenfälle zögerten die Lese hinaus. Jene, die vor dem Regen geerntet haben, dürfen sich auf sehr aromengeprägte Weine freuen. Bei den anderen muss man schauen, was die spätere Lese bewirkt hat. Generell aber erwarten den Weinfreund mit dem neuen Jahrgang aus Neuseeland besonders aromatische Sauvignon Blancs und sehr elegante Pinot Noirs mit großem Reifepotential.

Australien: Elegante Chardonnays zu haben

Weinlese_Hunter_Valley_Australien

Das Hunter Valley, Australiens älteste Weinbauregion, ist nur zwei Stunden von Sydney entfernt, und immer eine genussvolle Weinreise wert.

Wie die Kollegen in Neuseeland freuten sich die australischen Winzer über eine kühle Weinsaison. Bereits bei der Lese der weißen Rebsorten Ende Februar, zeigte sich die daraus resultierende aromatische Qualität. Sie werden in 2017 eher eleganter und aufgrund der ausreichenden Säure auch frischer ausfallen als in den wärmeren Vorjahren. Dies dürfte vor allem für Freunde des australischen Chardonnays eine gute Nachricht sein. Bei den Rotweinen drückt sich die gute Reife der Trauben in sauberen Tanninen und ausgeprägten Aromen aus. Bereits nach der Lese der Trauben für die Rotweine, wurde über ein besonders großes Potential des Jahrgangs spekuliert.

Südafrika: Gutes Jahr für Chenin Blanc und Chardonnay

Weinlese_Süd_Afrika

Weinbau wird in Südafrika seit dem 17. Jahrhundert betrieben und ist längst zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor in Südafrika avanciert.

Bereits das zweite Jahr in Folge machte den südafrikanischen Winzern ein heißer und trockener Sommer zu schaffen. Die Böden waren sehr trocken, allein die kühlen Nachttemperaturen haben den Reben über diese wasserknappe Zeit hinweggeholfen. Trotz dieser nicht ganz einfachen Umstände fiel die Erntemenge sogar etwas höher aus als in 2016. Die in diesem Jahr eher kleinen Beeren zeichnen sich durch gute Farbe, dichte Aromatik und perfekte Reife aus. Entsprechend zuversichtlich zeigen sich die Winzer am Kap.

SignatureSauvignon Blanc vom Kap

Damit meine Übersicht keine Trockenübung bleibt, empfehle ich an dieser Stelle einen frisch eingetroffenen Sauvignon Blanc aus Südafrika. Der Signature Sauvignon Blanc vom Spier Wine Estate aus der Kap-Region ist ein unkomplizierter Weißer für den täglichen Genuss. Die typischen Aromen von reifer Stachelbeere und Passionsfrucht machen uneingeschränkt Freude. Ein Sauvignon Blanc mit Körper und überraschender Eleganz. Auf jeden Fall ein guter Einstieg in den neuen Jahrgang 2017.

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