Wein-Wettbewerbe

Bringt Medaillen-Regen auch Wein-Segen?

Neben Weinführern und Fachmagazinen haben es sich zahlreiche Wein-Wettbewerbe zur Aufgabe gemacht, Weine zu beurteilen und zu bewerten. Unser Weinfreund Jürgen Overheid zeigt auf, wie die Wettbewerbe funktionieren und was Otto-Normal-Weinfreund davon hat.

Die Weinwelt ist eine riesige: unterschiedliche Rebsorten, hunderte von Weinregionen, verschiedene Stilistiken und dies jedes Jahr auf ein Neues. Da tut Orientierungshilfe Not, denn wie sollte es ein Einzelner schaffen die vielen Weine zu verkosten, die mit jedem Jahrgang auf die Flasche kommen? Zumal nicht nur interessiert, welches die vermeintlich besten Weine sind, sondern auch zählt, welche anderen Weine noch als gut befunden wurden. Eine solche Orientierungshilfe und gar eine Ratgeberrolle beim Weinkauf beanspruchen die großen Wein-Wettbewerbe für sich. Jeder Weinfreund kennt die Abbildung der Medaillen auf den Flaschen, die mit der Auszeichnung auch eine Kaufempfehlung aussprechen. Aber was ist dieses Urteil wirklich wert? Wie kommen die Bewertungen und Auszeichnungen zustande? Welche Wein-Wettbewerbe sollten sich Weinfreund und Weinfreundin merken?

Um eine erste Übersicht in Sachen Awards und Medaillen zu geben, habe ich die wichtigsten Wettbewerbe einmal zusammengetragen. Dabei sind jene Wettbewerbe, die Weine aus aller Welt verkosten, von jenen Veranstaltungen zu unterscheiden, die sich nur der Weine eines Landes annehmen.

Decanter World Wine Awards

Wein-Wettbewerbe Decanter

Dieser Wein-Wettbewerb ist aus einem der international namhaftesten Weinmagazine hervorgegangen, dem „Decanter“. Seit 1975 erscheint das Magazin und 2003 feierten die Decanter World Wine Awards ihre Premiere. In der Jury sitzen nur hochrangige, handverlesene Experten, die mittlerweile jedes Jahr rund 15.000 Weine aus aller Welt verkosten.

Bei der Verkostung der Weine arbeitet die Jury mit der 100-Punkte-Skala und vergibt anschließend vier unterschiedliche Medaillen sowie eine Sonderauszeichnung:

Bronze: Weine mit 86 bis 89 Punkten

Silber: Weine mit 90 bis 94 Punkten

Gold: Weine mit 95 bis 100 Punkten

Platin: Weine mit 95 bis 100 Punkten, die zudem die besten Wein in ihrer Kategorie sind

Best-In-Show: der beste aller Platin-Weine


Mundus Vini

Mundus Vini Wein-Wettbewerbe

Der deutsche Meininger Verlag veranstaltet seit rund 15 Jahren den Mundus Vini Wettbewerb. In zwei Verkostungsrunden im Frühjahr und Sommer nehmen rund 150 Juroren – Sommeliers, Weinkritiker und -journalisten – rund 10.000 Weine aus aller Welt unter die Lupe. Prämiert werden Weine, die auf der 100-Punkte-Skala mindesten 85 Punkte erzielen und damit eine echte Kaufempfehlung darstellen:

Silber: Weine mit mindestens 85 Punkten

Gold: Weine mit mindestens 90 Punkten

Großes Gold: Weine mit mindestens 95 Punkten

 

Berliner Wein Trophy

Berliner Wine Trophy

Ebenso oft wie die Mundus Vini-Medaillen findet man im Handel auch das Emblem der Berliner Wein Trophy. Erstmals 2004 vergeben und klein gestartet, hat dieser Wein-Wettbewerb in den vergangenen Jahren deutlich an Renommee gewonnen, was sich auch der Tatsache verdankt, dass die Internationale Organisation für Rebe und Wein (OIV) das Patronat der Veranstaltung übernommen hat. Drei Medaillen vergibt die Jury anhand der Punktewertungen:

Silber: Weine mit 82,0 bis 84,99 Punkten

Gold: Weine mit 85,0 bis 91,99 Punkten

Großes Gold: Weine mindestens 92 Punkten

 

International Wine Challenge

International Wine Trophy Wein-Wettbewerbe

Mehr als 30 Jahre existiert bereits die International Wine Challenge, kurz IWC. Der in England veranstaltete Wein-Wettbewerb ist ebenfalls wegen seines hohen Standards bei der Verkostungsarbeit bekannt. Nur Juroren mit bester Reputation nehmen die Bewertung der rund 10.000 Weine nach der 100-Punkte-Skala vor. Für die besten Weine gibt es eine Medaille und für den allerbesten eine Sonderauszeichnung:

Bronze: Weine mit 75 bis 79,9 Punkten

Silber: Weine mit 80 bis 89,9 Punkten

Gold: Weine mit 90 bis 100 Punkten

Best-In-Class (auch Trophy-Medaille genannt): Bester Wein des Wettbewerbs

 

Concours Mondial Bruxelles

Concours Mondial Bruxelles

Seit über 20 Jahren vergibt der Concours Mondial Bruxelles seine Grand Gold-, Gold- und Silber-Medaillen. Rund 350 Juroren bewerten rund 8.750 Weine und vergeben die Punkte auf der 100-Punkte-Skala. Namensgebend ist die belgische Hauptstadt, wo der Wein-Wettbewerb anfänglich ausgetragen wurde. Mittlerweile wandert der Wettbewerb durch verschiedene Länder und ist beispielsweise 2017 in Valladolid in Spanien zu Gast. Der Concours Mondial Bruxelles genießt eine hohe Reputation in Weinkreisen, was sich der Auswahl der Juroren, aber auch den strengen Verkostungsvorschriften verdankt.

Veritas Awards & Concours des Grands Vins de France

Beispielhaft möchte ich noch zwei Wettbewerbe erwähnen, die sich ausschließlich den heimischen Weinen verschrieben haben. Dazu zählen beispielsweise die Veritas Awards, die ausschließlich Weine südafrikanischer Herkunft anhand der 20-Punkte-Skala bewerten. Erntete der Wein-Wettbewerb zu Beginn – immerhin gibt es die Veritas Awards seit 1991 – noch wenig Aufmerksamkeit, gilt er mittlerweile als ernste Orientierungshilfe für die Weine vom Kap.

Der im Burgund stattfindende Wein-Wettbewerb zeichnet ausschließlich Weine aus Frankreich aus und das bereits seit Mitte der 1950er Jahren. In Frankreich genießt er besonders hohes Ansehen, und jene Weine, die eine Goldmedaille erwerben, dürfen sich tatsächlich zu den besten Weinen Frankreichs zählen. Das sind nur sieben der bekannteren Wein-Wettbewerbe, doch beileibe nicht alle. Nationale Wettbewerbe gibt es in jedem großen Weinland, darüber hinaus widmen sich andere Wettbewerbe ausschließlich einzelnen Regionen oder Rebsorten. In den vergangenen Jahren entstanden auch erste Wettbewerbe für Bioweine. Einen besonderen Hinweis ist auch die „Féminalise“ wert, bei der ausschließlich Frauen Weine verkosten und bewerten.

Der eigene Gaumen zählt

Doch selbst wenn man sich näher mit den Wein-Wettbewerben beschäftigt hat, schmeckt etwas Skepsis nach. Zum einen wollen die Wettbewerbe ausdrücklich eine Orientierungshilfe für den Weinfreund sein, andererseits ist es gerade diese Funktion, die die Medaillen und Awards zum wirkungsvollen Werbemittel machen. Das nehmen Winzer gern in Anspruch, um ihre Weine auch im internationalen Maßstab zu vermarkten. Hinzu kommt, dass die Auszeichnungen nicht einfach zu vergleichen sind. Ein Wein, der in einem Wettbewerb „nur“ Bronze erhält, bekommt mit derselben Punktzahl bei einem anderen Silber. Wer beispielsweise 90 Punkte erzielt, darf beim Decanter World Wine Awards mit Silber rechnen, bei Mundus Vini, der Berliner Wein Trophy oder der International Wine Challenge gäbe es dafür aber schon Gold.

Das sollte dem Weinfreund stets bewusst sein, wenn er Medaillen auf dem Etikett erblickt. Mein Tipp an dieser Stelle: Einfach eine eigene Meinung bilden, inwiefern die Wettbewerbe die eigene Qualitätserwartung widerspiegeln. Schon bald entwickelt man auf diese Weise eigene Referenzpunkte unter den Medaillen und erst dann sind die Auszeichnungen tatsächlich eine wichtige Orientierungshilfe.

Wein-Wettbewerbe

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