Alles eine Frage der Schale: Blanc de Noirs


Unsere Weinfreundin Dominique Groten hat ein Faible für einen ganz besonderen Kunstgriff des Winzerhandwerks, den Blanc de Noirs. Was die weiß gekelterten Weine aus roten Rebsorten so faszinierend macht, will sie uns selbstverständlich nicht vorenthalten.

Machen wir es doch sofort anschaulich. Am besten erkläre ich, was mir am Blanc de Noirs so gefällt, indem ich drei Flaschen auf den Tisch stelle: einen Weißwein, einen Rosé und einen Champagner. Dennoch finden wir den Zusatz „Blanc de Noirs“ auf allen drei Etiketten. Was hat das zu bedeuten? Wenn ich den französischen Begriff etwas freier übersetze, verbergen sich hinter dem Blanc de Noirs, helle („Blanc“) Weine und Schaumweine, die jedoch aus dunklen („Noirs“) Trauben gemacht werden. Der Kniff, den die Winzer dafür anwenden, erklärt zugleich etwas über die Traube im Allgemeinen.

Was selbst viele Weinfreunde nicht wissen: Auch die meisten Trauben mit dunkler, roter Schale besitzen ein helles Fruchtfleisch. Es kommt also auf die Schale an. Sie gibt dem Wein die Farbe – oder eben nicht! Für einen Blanc de Noirs ist es daher wichtig, die roten Trauben unbeschädigt und möglichst schnell in den Keller zu bekommen. In den Most, der dort aus den Trauben gewonnen wird, dürfen keine Farbstoffe aus der Schale übergehen, wenn er weiß bleiben soll. Auf dieselbe Art entstehen auch Rosés, nur dass man dem Most doch etwas Farbe aus den Schalen mitgibt. Mehr über die Herstellung von Roséweinen findet man in unserer Weinschule.

Blanc de Noirs

Blanc de Noirs überzeugt in der Regel mit einem etwas würzigeren Charakter und einem geringeren Säuregrad.

Weiß aus Rot: Warum das Ganze?

Hat man dieses Prinzip einmal verstanden, lässt man sich auch nicht mehr durch die Rebsorten verwirren, die auf meinen drei Flaschen auftauchen. Sowohl der Weiße als auch der Champagner sind zu 100 Prozent aus Pinot Noir, beziehungsweise Spätburgunder, gemacht. Der Rosé-Wein wartet sogar mit einer roten Cuvée aus Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon und Merlot auf. Aber warum greift man zu dieser speziellen Herstellungsweise?

Hört man sich unter Kollegen um, fallen immer wieder zwei Erklärungen. Die eine erkennt im Blanc de Noirs einfach eine Möglichkeit für den Winzer, auch mit roten Rebsorten auf die Nachfrage von weißen Weinen zu reagieren. Schließlich lassen sich die Reben ja nicht von heute auf morgen austauschen. Die andere Begründung beruft sich auf den in der Regel etwas würzigeren Charakter und den geringeren Säuregrad eines Blanc de Noirs. In Jahren, da die Lese weißes Rebmaterial mit sehr hoher Säure einbringt, ist es erneut der Blanc de Noirs, der einen Ausweg weist.

Blanc de Noirs

Winzer Peth-Wetz weiß wie man einen vorzüglichen Blanc de Noirs auf die Flasche bringt.

Ein Spätburgunder aus Rheinhessen: unkomplizierter Einstieg

Alle Theorie ist bekanntlich grau, dagegen sind meine drei Blanc de Noirs-Empfehlungen weiß und rosé. Beginnen wir mit einem Blanc de Noirs aus Rheinhessen. Vom Weingut Peth Wetz stammt der Pinot Blanc de Noirs, ein halbtrocken ausgebauter Spätburgunder. Die Fruchtnoten zeigen sich dezent in der Nase und geben am Gaumen lebendige Frische, die von feiner Restsüße eingefasst wird. Dieser Blanc de Noir ist der unkomplizierte Einstiegs-Blanc de Noirs schlechthin. Ein Wein mit wunderbarem Trinkfluss und leicht nussigem Nachhall.

Blanc de Noirs

Wenn mehr Farbe aus der Schale in den Most wandert, wird aus dem Blanc de Noirs ein lachsfarbender Rosé.

Ein Rosé aus Südafrika: verführerisch und unwiderstehlich

Ein Rosé unterscheidet sich in der Herstellung von einem Blanc de Noirs nur dadurch, dass der Winzer bewusst etwas Farbe aus der Schale in den Most wandern lässt. Er ist eben rosé und nicht mehr ganz blanc. Aus dem südafrikanischen Anbaugebiet Constantia stammt dieser „Rosé zum Verlieben“, wie ein Weinfreund formulierte. Aus den klassischen Bordeaux-Rebsorten Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon und Merlot zaubern die Weinmacher des bekannten Guts Buitenverwachtig dieses Frische-Elixir mit lachsfarbenem Schimmer. Der Blanc de Noir Rosé besticht mit feinen Pfirsichnoten und aromatischen Anklängen von frischer Erdbeere. Bestens geeignet für warme Sommerabende.

Blanc de Noirs

Längst zählt ein Blanc de Noirs zum festen Repertoire bei der Herstellung von Champagner.

Grand Cru geht auch: Ausdrucksstarker Blanc de Noirs-Champagner

Insbesondere bei der Herstellung von Champagner zählt ein Blanc de Noirs zum festen Repertoire. Der trockene Champagner hat selbstverständlich die klassische Flaschengärung durchlaufen. Der Pinot Noir verleiht ihm feine Gewürznoten, die dezente Aromen von gelber Frucht untermalen. Immer elegant und fein ausbalanciert, eignet er sich nicht nur ideal als Essenbegleiter. Dieser Blanc de Noir ist auch als Solokünstler erste Wahl. Und er sorgt dafür, dass man den Begriff „Blanc de Noirs“ nicht so schnell vergisst.

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