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Quinta da Padrela

Zu Besuch bei einem sympathischen Winzerpaar auf der Suche nach dem eleganteren Douro-Wein.

 

Tabuaço ist keine große Stadt – genauer gesagt ist es ein Nest –, aber hier im Cima Corgo, der zentralen Zone der DOC Douro, ist es schon ein Begriff. Kommt man von Süden, bietet sich eine Aussichtsterrasse am Straßenrand, um einen ersten Eindruck zu bekommen. Kurzentschlossen treten wir auf die Bremse. Man läuft von hinten auf eine Statue zu, die aus dieser Perspektive wie eine Mischung aus Donald Duck und Kolumbus aussieht. Einmal herumgelaufen lässt die Aufschrift „Es a nossa padroeira / não largues o padroado“ vermuten, dass es sich um die Patronin des Orts handelt. Von der Vorderseite betrachtet sieht jedenfalls nun auch die Statue danach aus.

Statue Tabuaço

Nein, weder Donald Duck noch Kolumbus wachen hier über Tabuaço.

Ein Blumengesteck liegt umgestürzt neben der steinernen Patronin, es ist windig hier oben. Von der Plattform hat man jedoch das beglückende Gefühl, es geschafft zu haben: Hier beginnt das Douro-Weinbaugebiet, die gleichmäßig geschwungenen Hügel mit ihren geradegezogenen Rebenreihen im Hintergrund sehen aus wie gekämmt. Davor drängt sich Tabuaço, die blassroten Dächer dem hellblauen Sommerhimmel entgegenreckend.

Die Quinta da Padrela, die wir besuchen wollen, liegt allerdings nicht im Ort. Aber wozu hat man ein Navi? Die Frage wird leider unbeantwortet bleiben, denn irgendwas ist da schiefgelaufen. Letztendlich besinnen wir uns auf die hergebrachten Kulturtechniken und fragen einen Mann auf einem Traktor – wieder machen sich die unzureichenden Portugiesischkenntnisse schmerzlich bemerkbar. Doch beim Namen Rodrigues hellt sich die Miene des Einheimischen auf: Aaaah, a doutora!, ruft er aus und weiß, in welche Richtung er uns schicken muss.

Ja, meine Mama ist Ärztin und in der Gegend wohlbekannt, erklärt Teresa, als wir erklären, was oder wer uns letztlich ans Ziel geführt hat. Logisch, denken wir, „doutoras“ sind hier rarer gesät als Weingüter, und damit berühmter. Aber dass der freundliche Traktorfahrer mit dem Namen der Quinta so gar nichts anfangen konnte, hat uns doch stutzig gemacht. Oder lag’s an der Aussprache?

Es ist heiß. Hier ist es windgeschützt und die Sonne dübelt ungehemmt auf den mit Schieferverwitterungsgestein durchsetzten Boden. Während Teresas Mann Pedro, mit dem sie das Weingut zusammen führt, keinen Schmerz zu kennen scheint, muss Teresa immer mal wieder eine Weile ihr hellblaues Sonnenhütchen aufsetzen, das sie aber wohl für wenig präsentabel hält. So sympathisch dieser Kampf zwischen Eitelkeit und Vernunft rüberkommt, so sympathisch ist sie, sind die beiden auch insgesamt. Und so kurzweilig es ist, Teresas lebhafter Erzählung und den ergänzenden Einschüben Pedros zuzuhören – letztlich ist es die Sonne, die uns zur Mittagszeit im Hochsommer aus dem flirrenden Weinberg in den Keller treibt. Auch den Blick über die liebevoll gepflegte Quinta, auf der auf 12 Hektar Wein, aber auch Oliven und Walnüsse stehen, hätten wir gerne noch etwas länger genossen.

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Kommen mit und ohne Sonnenhut sympathisch rüber – Teresa Rodrigues und Pedro Francisco von Quinta da Padrela.

Gerade einmal 20.000 Flaschen produzieren die beiden hier pro Jahr, zwei Weiße, fünf Rote. Alles wird per Hand in 20 Kilo-Kisten gelesen, und zwar dann, wenn die Trauben reif sind. Warum er das betone? Nun, sagt Pedro ein bisschen umständlich, in Portugal esse man sehr proteinreich und bevorzuge daher besonders schwere Weine – für die das Lesegut dann oftmals erst überreif gelesen werde. Wir aber wollen elegante Weine machen und dafür brauchen wir reife, nicht überreife Trauben, erklärt er. Ob deswegen der Einheimische auf dem Trecker mit dem Namen des Gutes nichts anfangen konnte? Und Teresa und Pedro ihren Wein eher außerhalb, teils sogar bis Hongkong und Macau verkaufen „müssen“?

Wir jedenfalls finden: Recht so! Just am Vortag irritierte uns eine im Übrigen sehr nette Winzerin ein paar Kilometer weiter flussaufwärts, die davon schwärmte, dass an ihren Hängen nicht nur nachmittags die pralle Sonne draufbügelt, sondern der so aufgeladene Schiefer dann auch nachts noch für tolle Wärme und hohe Zuckerbildung sorgt. Solche Zucker- und damit Alkoholbomben züchtet man auf der Quinta da Padrela nicht auch noch hoch. Und so hat der Einstiegswein, eine Cuvée der vier angebauten roten, typischen Douro-Rebsorten Tinta Roriz, Touriga Franca, Tinta Barroca sowie Touriga Nacional auch 13,5% Alkohol – was in dieser Region eindeutig eher wenig ist. Er fließt nicht schon opak ins Glas, sondern präsentiert sich schlanker und lässt den Blick noch gerade hindurchgehen. Da ist zwar durchaus etwas Erdiges und etwas Graphit, aber eben auch ein tolles Aroma von prallen Kirschen. Gut 500 Höhenmeter und Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht ermöglichen es dem jungen Paar, die Frucht und eine gewisse Frische ein gutes Stück nach vorne zu bringen.

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Schieferverwitterungsgestein, typisch für das Cima Corgo.

Der hochmoderne Keller hilft dabei natürlich. Da Pedro auch für ein portugiesisch-italienisches Unternehmen mit Winzerequipment handelt, fällt es ihm leicht, technisch auf der Höhe der Zeit zu sein. Einige in der Gegend hochgehaltene Traditionen wie das Zerstampfen der Trauben mit den Füßen in den Lagares genannten Steintrögen hält er für anachronistisch, da sich so der Qualitätsprozess nicht kontrollieren lasse. Konsequenterweise hält er auch ein kleines Labor vor, nur ein paar Stufen über der Kellerei, damit er während der heißen Phase im Herbst, wenn in kurzer Zeit bei Lese, Vermostung und Gärung viel passiert, trotzdem immer kurz bestimmen kann, ob alles in den Edelstahlbottichen in die richtige Richtung läuft.

Als wir später wieder draußen stehen und das Auge schweifen lassen über die liebevoll angelegten Reihen der Reben, eine Zypresse hier, ein Olivenbaum da, im Hintergrund schroffe Berge, darüber nur der blaue Himmel, dann zweifeln wir , ob Teresas Mutter, die „doutora“, viele Patienten haben kann? Krank zu werden kann man sich hier und bei 290 Tagen Sonnenschein im Jahr, wie Pedro bemerkt, kaum vorstellen. Den Gästen aus Paderborn, die gerade da waren – denn übernachten kann man hier auch –, habe es so ausnehmend gut gefallen. Wir glauben es gern.

Adresse

Quinta da Padrela – Barcos
5120-082 Tabuaço-Portugal

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