Weinverkostung im Freundeskreis - Teil 2

 

Probieren geht über Studieren

Wie man eine Weinverkostung im Freundeskreis vorbereitet, hat uns Jürgen Overheid bereits verraten. Jetzt geht es an das Sehen, Riechen und Schmecken – aber auch an das Beschreiben der Eindrücke. Unser Weinfreund macht ernst.

Der erste Beitrag zum Thema Weinverkostung mit Freunden hat sich mit der richtigen Vorbereitung beschäftigt. Wer sich an die kommentierte Checkliste hält, ist schon mal auf der richtigen Seite. Nun aber geht es um das Verkosten, das Degustieren oder einfach das Riechen und Schmecken des Weins selbst. Damit ist ein Punkt erreicht, an dem sich die Geister scheiden und manche Gemüter erregen.

Leider erlebe ich viel zu oft, dass Menschen, die gerne Wein trinken, schnell abwinken, sobald es um das Beschreiben dessen geht, was ihnen genau schmeckt. Es fehlten ihnen schlichtweg die richtigen Worte dafür. Schließlich sei man ja kein Profi, sondern nur jemand, der gerne Wein trinke. Manchmal schwingt noch etwas Spott mit über dieses blumige Fachchinesisch mit den eigentümlichen Vergleichen: Leder, Tabak, Weihrauch, wie kommt man denn auf sowas? Zumeist lassen sich diese Weinfreunde von den Weinbeschreibungen der Profis nur unnötig einschüchtern. Selbst wenn man das Fachvokabular nicht parat hat, kann man beschreiben, was man schmeckt. Es verlangt also eher etwas Mut und Offenheit, um bei einer Weinverkostung Spaß zu haben. Und ohne zu viel zu verraten, der Rest ergibt sich dann schon von selbst. Um so schneller, je mehr man sich mit den Freunden darüber austauscht.

So geht es: Auge, Nase, Gaumen

Noch einfacher wird das Reden über den Wein, wenn alle gewisse Regeln befolgen. Das gilt zum Beispiel für die Unterteilung der Wahrnehmung und Beschreibung in die Bereiche Auge, Nase und Gaumen. Gemeint ist damit, dass man den Wein sich genauer anschaut, dann nur riecht und erst zum Schluss den Wein auch tatsächlich in den Mund bekommt. Das klingt zunächst banal, öffnet aber tatsächlich die Sinne für den Wein.

Auge: Farbe und Klarheit

Weinverkostung

Dabei ist es zweitrangig, ob Sie auf Anhieb die ganzen Granat- und Rubin-Töne eines Rotweins richtig benennen. Oder ob Sie die Gelbtöne und grünlichen Reflexe eines Weißweins treffsicher aufsagen können. Wichtiger ist, dass Sie die Unterschiede sehen und erst einmal das überraschend große Spektrum entdecken. Später werden Sie die Farbe als Hinweis auf eine Rebsorte und sogar das Alter des Weines verstehen. Das kann der große Ehrgeiz sein, der hinter solchen Weinverkostungen mit Freunden steht. Aber beginnen Sie zunächst mit den einfachen Dingen.

Ein Weißwein mit intensiven Gelbtönen ist beispielsweise körperreicher oder gereifter, als ein hellerer Weißwein mit noch grünlichem Schimmer. Beim Rotwein sind es die lilafarbenen und bläulichen Töne, die auf einen jungen Jahrgang hinweisen, hingegen die Rotweine, die ins Bräunliche abwandern, sicherlich bereits ein paar Jahre auf dem Buckel haben.

Achten Sie aber nicht nur auf die Farbe, sondern schauen Sie ob der Wein trüb ist oder klar: Das könnte beispielsweise bedeuten, dass der Wein geklärt oder gefiltert wurde. Sogar über den Alkoholgehalt verrät Ihnen das Auge etwas. Schwenken Sie den Wein im Glas und beobachten Sie anschließend, wie die Schlieren an der Glaswand kleine Bögen formen und wie schnell diese nach unten laufen. Je langsamer diese Bögen in den Wein zurückwandern, desto mehr Alkohol enthält der Wein.

Nase: Früchte, Blumen und Gewürze

Weinverkostung

Mit dem Riechen am Wein fängt der Spaß erst richtig an. Jetzt können Sie ruhig die Augen schließen und sich ganz darauf konzentrieren, welche Assoziationen Ihnen der Geruchssinn präsentiert. Vertrauen Sie zudem auf Ihre ersten Eindrücke, denn die Aromen, die mittels der Nase aufgespürt werden, sind flüchtig. Aber auch der Austausch mit der Luft verändert die „Nase“ des Weines. So empfiehlt es sich gerade bei Weinen, die sich zu Beginn noch etwas verschlossen zeigen, also zum Riechen gar nicht so viel bieten, ihnen durch vorsichtiges, kreisförmiges Bewegen des Glases etwas mehr Sauerstoff zu geben, bevor man ein zweites Mal die Weinwitterung aufnimmt.

Für das Beschreiben der Geruchswahrnehmung beginnt man mit einfachen Zuordnungen und arbeitet sich dann im Austausch mit den anderen Teilnehmern der Verkostung vor. Dabei ist natürlich klar, dass Sie nur Gerüche assoziieren können, die Ihnen auch geläufig sind, die Sie in Erinnerung haben. Und das wiederum ist für jeden Verkoster eine ganz individuelle Angelegenheit.

Legen Sie doch erst einmal fest, ob es um Fruchtaromen geht oder Gewürznoten? Denken Sie beim Riechen eher an Blumen oder hat der Wein sogar eine holzige Note? Wenn es beispielsweise Fruchtaromen sind, die ihnen der Rotwein serviert: Sind es eher rote Beeren und Früchte oder die dunklen, schwarzen? Vielleicht können Sie die roten Früchte sogar benennen? Ist es eher Kirsche, Erdbeere, Johannisbeere? So machen es die Profis auch, ergänzen aber oft noch weitere Beschreibungen des Fruchteindrucks, indem sie zum Beispiel von frischen, gereiften oder auch eingekochten Früchten reden.

Selbstverständlich geben auch die per Nase wahrgenommenen Eindrücke erneut Hinweise, um die Rebsorte aufzuspüren oder etwa den Ausbau des Weins in Holzfässern zu erkennen. Um so lehrreicher ist es, wenn Sie den großen Vorteil einer Verkostung nutzen und am Ende die probierten Weine direkt vergleichen und so die Unterschiede noch besser erkennen.

Gaumen: den Mund nicht zu voll nehmen

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Das Schmecken am Gaumen und auf der Zunge fällt letztlich das Urteil über einen Wein. Um den Geschmack zu beschreiben, nähern Sie sich erneut über ein paar einfache Fragen: Wie setzt sich der aromatische Eindruck der Nase am Gaumen fort? Schmecken Sie beispielsweise die Birnen oder Aprikosen im Weißwein, die Sie eben gerochen haben? Schmecken sie diese Aromen intensiver und länger? Beim Schmecken treten auch einzelne Komponenten des Weins stärker hervor, die Säure, der Alkohol und der Restzucker. Zu wenig Säure macht den Wein stumpf, das richtige Maß davon sorgt hingegen dafür, dass der Wein frisch wirkt und an Eleganz gewinnt. So etwas schmecken Sie schnell.

Eine hohe Prozentzahl bedeutet noch lange nicht, dass der Alkohol im Wein auch stärker durchschmeckt. Sorgen Säure und das Zusammenspiel mit den Gerbstoffen dafür, dass dieser Alkohol gut eingebunden ist, werden sie selbst 14,5% nicht als stark empfinden. Apropos Gerbstoffe, auch die Tannine schmecken Sie schnell heraus. Stellen Sie sich einfach vor, Sie beißen auf einen Traubenkern. Der pelzige Eindruck, der sich auf die Zunge legt, führt sie letztlich zu den Tanninen. Treten sie gezähmt zum Vorschein, geben sie dem Wein Struktur. Ist der Wein noch jung oder handelt es sich um eine besonders tanninreiche Rebsorte, wird Ihre Mundschleimhaut so sehr aufgeraut, dass Sie es vielleicht als unangenehm empfinden. Auch ein bitterer Eindruck kann von den Gerbstoffen ausgehen. Beispielsweise, wenn die Kerne der Trauben zum Zeitpunkt der Ernte nicht vollständig gereift waren.

Hinweis zur Etikette: Schlürfen erlaubt

Als es um die „Nase“ ging, fiel bereits der Hinweis, dass sich der Wein mit zusätzlichem Sauerstoff noch einmal deutlicher zeigt. Denselben Effekt kann man auch im Mundraum erzielen. Nehmen Sie einen guten Schluck des Weins, aber machen Sie den Mund nicht zu voll. Ziehen Sie nun bei geschlossenen Zähnen zusätzliche Luft in den Mundraum, anschließend bewegen Sie den Wein ein wenig hin und her. Sie werden den Wein nun besser schmecken.

An das tatsächlich schlürfende Begleitgeräusch dieser Mundbearbeitung gewönnen Sie sich schnell, zumal wenn alle dem Ritual des Besserschmeckens folgen. Das gleiche gilt übrigens auch für das Ausspucken des Weines – wenn Sie es den Profis gleichtun wollen.

Weinfreunde Verkostung: Frankreichs Weißweine

Jetzt aber genug mit der Einleitung, nun geht es an die Weine. Angesichts des Sommers liegt es nahe, sich mit Weißweinen zu beschäftigen. Und zum Einstieg in das Verkosten empfehlen sich Weine, die klare Unterschiede aufweisen. Wie wäre es denn, sich einmal mit den typischen Weißweinen Frankreichs zu beschäftigen?

Loire: Sauvignon Blanc

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Der „Les Grenettes“ wartet mit den typischen Aromen eines Sauvignon Blanc auf: Mango, Papaya und vor allem Stachelbeere. Am Gaumen zeigt sich der Wein frisch, leicht und mineralisch. Ein absolutes Trinkvergnügen von der Loire.

 

Entre-deux-Mers: Semillon/Sauvignon Blanc

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Der Sauvignon Blanc prägt auch den Clissey-Fermis aus der Weißweinregion Entre-deux-Mers bei Bordeaux. Das erklärt die Anklänge von tropischen Früchten. Doch neben dem Sauvignon Blanc enthalt die Cuvée auch Semillon, was dem Wein feine Blütenaromen und Zitrusnoten beschert.

 

Elsass: Gewürztraminer

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Feine Süße und genügend Säure sorgen beim Gewürztraminer von Ebelmann für eine wunderbare Ausgewogenheit. Neben Fruchtaromen von Birnen und Lychees bestechen vor allem die blumigen Noten: Rosenblätter und andere Blüten.

 

Chablis/Burgund: Chardonnay

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Der Chablis zählt unzweifelhaft zu den Klassikern unter Frankreichs Weißweinen. Beim Chablis des Weinguts Jean Durup et Fils bekommt man zudem einen Chardonnay ins Glas, der nicht im Holzfass ausgebaut wurde. So zeigen sich nur dezente Zitrusnoten, und der Wein überzeugt mit frischer Säure und feiner Mineralität.

 

Côtes-du-Rhône: Grenache Blanc, Bourboulenc, Ugni Blanc, Roussanne

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Eine außergewöhnliche Cuvée aus dem südlichen Teil der Côtes-du-Rhône. Vier verschiedene Rebsorten vermählt die Familie Perrin im Luberon, um sowohl intensive Fruchtaromen als auch eine besondere aromatische Länge sowie Frische zu erzielen. Ein Wein mit Struktur und von Eleganz.

 

 

Hier geht es zum ersten Teil unseres Weinverkostungs-Guides.

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