Damenwahl: Wenn Frauen Wein machen


Junge Winzerinnen sind international auf dem Vormarsch. Nicht weil sie Frauen sind, sondern weil sie gute Weine machen. Das zeigen nicht nur Preise und Auszeichnungen, sondern auch der gezielte Blick ins Glas, wie Weinfreundin Dominique Groten meint.

Früher, als in Wirklichkeit nicht alles besser war, kaufte der Herr des Hauses den Wein beim Winzer seiner Wahl. Stolz bewies er sich damit in gastlicher Runde. Auch im Restaurant war das Bestellen des Weines ganz selbstverständlich in Männerhand. Aber all das war gestern! Mittlerweile sind es mehr und mehr die Frauen, die den Weineinkauf erledigen und damit den vinophilen Kurs des Haushaltes bestimmen.

Jancis Robinson, die Grande Dame der internationalen Weinkritik.

Selbstbewusster und kenntnisreicher sind Frauen geworden. Zudem haben Studien belegt, dass Frauen die bessere Grundlage für sensorische Fähigkeiten besitzen. Bei der Auswahl können sie sich zudem auf das Urteil zahlreicher Sommelières bis hin zur Grande Dame der internationalen Weinkritik, Jancis Robinson, stützen. Und damit hat es – Weingott oder Weingöttin sei Dank – noch kein Ende mit den Frauen und dem Wein.

Winzerinnen auf dem Vormarsch

Sowohl auf internationaler Bühne als auch in deutschen Weinlanden sind die Winzerinnen auf dem Vormarsch. Namen wie Juliane Eller, Meike und Dörte Nakel oder auch Lisa Bunn und Dorothee Zilliken stehen für die aufstrebende Frauen Power in Weinberg und Keller. Darunter viele Töchter, die inzwischen die Nachfolge im Familienbetrieb angetreten haben, aber auch Quereinsteigerinnen sind in der Winzerinnen-Riege zu finden.

Die großen Erfolge ließen nicht lange auf sich warten. Bei den einschlägigen Wettbewerben und in den oberen Etagen der Punktewertungen mischen die Weine der Damen ordentlich mit. In Österreich sicherten sich Frauen bei der letztjährigen Falstaff Trophy gleich den ersten Platz beim Winzer, dem Newcomer sowie dem Sommelier des Jahres. Seitdem darf man getrost an jeden Titel ein „in“ anhängen.

Es hätte solcher Ehren nicht bedurft, um den Winzerinnen endlich einen eigenen Beitrag im Weinfreunde Magazin einzuräumen. Immerhin haben wir uns in den vergangenen Monaten immer wieder für Weine stark gemacht, mit denen Winzerinnen ihr Können unter Beweis stellen. Zwei weitere Empfehlungen können aber nicht schaden.

Biodynamikerin aus dem Burgenland: Judith Beck

Frauen und Wein: Judith Beck

Jung und leidenschaftlich: Judith Beck gehört längst zu den großen Winzerinnen in Österreich.

Bleiben wir in Österreich. In Gols am Wagram nahe dem Neusiedler See übernahm Judith Beck 2004 den kleinen, elterlichen Betrieb. Auf Stationen in Frankreich, Italien und Chile hatte sie sich zuvor sorgfältig auf das Weinmachen vorbereitet. Als erstes stellte Sie die Herstellung auf biodynamische Regeln um. Judith Beck macht Weiß- und Rotweine. Ihr Winzerinnenherz schlägt jedoch eindeutig für die Rotweine, die sie aus den für die Region typischen Zweigelt, Blaufränkisch und St. Laurent herstellt. Sowohl als reinrebsortige Weine, aber auch als Cuvée.

Der „Blaufränkisch“ von Judith Beck ist ein Paradebeispiel für einen Wein, der seine Region und vor allem die Rebsorte porträtiert. Dunkles Rubin im Glas und ein betörender Duft von Brombeere sowie Noten von Kräutern und Gewürzen. Der Wein hat feine Säure und dezente Tannine, ein wahrer Trinkgenuss.

Judith Beck Blaufränkisch 2015

Blaufränkisch 2015 von Winzerinn Judith Beck

Eine Cuvée aus Zweigelt und St. Laurent steckt in „Beck Ink“. Insbesondere diese beiden Rebsorten benötigen, so Judith Beck, das große Holzfass, um ihre klare Frucht am besten zur Geltung zu bringen. „Beck Ink“ ist ein unkomplizierter Rotwein für alle Lebenslagen, der sich ebenso als Essenbegleiter eignet. Außerdem sieht die Flasche einfach nur klasse aus.

Eine Lady vom Familienweingut: Judith Dorst

Frauen und Wein: Judith Dorst

Weinkönigin und Winzerin: Judith Dorst zaubert mit ihrem Grauburgunder schmeichelnde Aromen von Pfirsich, Aprikose und Birnen ins Glas.

In Wörrstadt in Rheinhessen liegt das Familienweingut Dorst. Von dort stammt Judith Dorst, deren Werdegang das positive Vorurteil nährt, Frauen seien einfach besser im Multitasking: Ausbildung zur Winzerin, Studium an der FH Geisenheim, parallel dazu Auslandspraktikum in Kalifornien sowie das Engagement als Rheinhessische Weinkönigin, Deutsche Weinprinzessin und bei der „Generation Riesling“. Und Weine hat sie selbstverständlich auch gemacht.

Zum Beispiel „Lady Dorst“, einen Grauburgunder, der mit Eleganz und Rassigkeit überzeugt. Schmeichelnde Aromen von Pfirsich und Aprikose geben den Auftakt für diesen unwiderstehlichen Weißwein. Spätestens mit den feinen Birnennoten am Gaumen ist man dieser Lady unweigerlich verfallen.

Frauen und Wein: Lady Dorst

Lady Dorst Grauburgunder trocken 2016

Damenwahl bedeutet ursprünglich, dass die Frau den Mann ihrer Wahl zum Tanzen auffordert. Für Weinfreude ist es jedoch die Aufforderung, bei der Wahl des Weines mehr die Damen zu achten.

 

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