Ausnahmejahrgang 2015 - Was macht ihn so besonders?

Die ersten Vorschusslorbeeren erntete der Ausnahmejahrgang 2015 bereits im vergangenen Herbst. Nicht nur in deutschen Weinlanden, auch in Österreich und Anbaugebieten in Frankreich, Italien und Spanien schwärmten die Winzer von der außergewöhnlichen Qualität der Trauben. Mittlerweile sind bereits viele der „Neuen“ im Handel. Grund genug, den Ausnahmejahrgang genauer unter die Lupe zu nehmen.

Wer über einen besonders guten Jahrgang nachdenkt, muss ausnahmsweise wirklich einmal über das Wetter reden. Denn nur wenn Niederschläge und Sonnenstunden, Temperaturen und Trockenheit zum richtigen Zeitpunkt und in der richtigen Menge eintreten, kann es ein wirklich gutes Jahr werden. Aber machen wir selbst die Probe auf das Weinjahr 2015. Zunächst gab ein kalter Winter den Reben genügend Zeit zum Ausruhen und zur Regeneration. Zudem brachte er ausreichend Feuchtigkeit, die in Kombination mit einem sehr niederschlagsreichen Frühjahr für hohe Wasserreserven im Boden sorgte.

Rote Trauben im Closeup

Nicht nur in deutschen Weinlanden, auch in Österreich, Frankreich, Italien und Spanien schwärmten die Winzer von der außergewöhnlichen Qualität der Trauben.

Coole Rekordtemperaturen: optimale Reife für den Ausnahmejahrgang 2015

Ab April regnete es dann vergleichsweise wenig und die Trauben gerieten in ein „hydrisches Defizit“. Der Juli servierte oben drauf noch eine Hitzewelle, die in manchen Weinregionen die höchsten Temperaturen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen zur Folge hatten. Dank der Wasserreserven im Boden führte dies in den meisten Regionen zu keinen ernsten Problemen, zumal viele Winzer die Traubenmenge an den Reben reduzierten, um den Rebstock vital zu halten. Dies erklärt auch die nur durchschnittliche Produktionsmenge des Jahrgangs. Mitte August kam glücklicherweise der lang ersehnte Regen, so dass die Trockenheit wieder ausgestanden war, und die Trauben in ihrer Entwicklung einen großen Sprung machten. Zur Lese hin wurde es dann nochmals richtig warm. Die Winzer konnten den Reifefortschritt perfekt beobachten und die Trauben zum optimalen Zeitpunkt lesen.

Rundum zufrieden: gute Weine aus vielen Regionen

Nimmt man es ganz genau, ist dieser Wetterbericht je nach Region anzupassen. Wir haben daher einige unserer Winzer-Weinfreunde befragt und sie um eine Beurteilung des Jahrgangs gebeten.

Deutschland

Auch hier wird von einem Ausnahmejahrgang 2015 gesprochen. Die entspannte Lese sorgte für hocharomatische und gesunde Trauben mit überdurchschnittlichen Mostgewichten. Und vor allem die deutschen Rotweine profitierten vom warmen Sommer.

Weinfreunde-Empfehlung: “Secco” vom Weingut Scheffer

Das Weingut Scheffer widmet sich seit einiger Zeit einem ganz besonderem Projekt: Mit dem “Secco” aus dem Zotzenheimer Klostergarten bieten die Rheinhessen dem Prosecco-Einheitsbrei selbstbewusst die Stirn. In 2015 geht dieser Plan besonders eindrucksvoll auf, denn die wunderbar reifen Trauben von Scheurebe und Rivaner haben einen perfekten Aperitif entstehen lassen, der mit Apfelaromen und einer schönen Exotik überzeugt.

Österreich

Bis auf ein paar lokal begrenzte Hagelschäden gilt der positive Wetterverlauf auch für ganz Österreich. Und insbesondere da 2014 ein eher schwieriges Weinjahr war, ist man in Österreich hoch zufrieden mit 2015.

Weinfreunde-Empfehlung: “Gemischter Satz” aus dem Wiener Umland

Getreu seines Namens werden für den Weißwein “Gemischter Satz” die Chardonnay-, Riesling- und Grüner-Veltliner-Trauben gemeinsam gelesen und verarbeitet. Für das Weingut Zahel in der Region rund um die Hauptstadt Wien war diese kombinierte Lese in 2015 besonders erfolgreich, da der ideale Zeitpunkt dafür ohne Schwierigkeiten auszumachen war. Der Wein überzeugt mit schönen Kräuternoten und einer besonders lebendigen Textur, die nur bei wirklich perfektem Traubenmaterial erzielt werden kann.

Frankreich

Ein hervorragendes Jahr in weiten Teilen des Landes. Das Burgund spricht sogar von einem phänomenalen Jahrgang. Lediglich im Baskenland, Chablis und Rivesaltes gab es Ernteausfälle durch Hagel.

Weinfreunde-Empfehlung: “Rosé de Pressée” von Vignoble Ferret

Unser „Rosé de Pressée“ stammt von der Vignoble Ferret, die in der Gascagne beheimatet ist. Die dafür verwendeten Rebsorten Cabernet Sauvignon und Merlot konnten 2015 perfekt auf den Punkt reifen und so beeindruckt der Wein mit herrlich zarten Erdbeernoten. Leichte Zitrusnoten verstärken zudem den Eindruck einer perfekt eingebundenen Säure.

Italien

Die Toskana spricht von dem besten Jahr der vergangenen 20 Jahre. Die kerngesunden Trauben hatten eine schöne und stabile Schale, die Weine mit perfekter Farbe und Struktur versprechen.

Weinfreunde-Empfehlung: “Santa Cristina” von Antinori

Der weiße Santa Cristina von Antinori wird in Umbrien aus den Rebsorten Grechetto und Procanico hergestellt und wirkt mit seinen nur 11,5% Vol. Alkohol besonders gefällig. Der Wein überzeugt insbesondere im Jahrgang 2015 mit wunderbar intensiven Fruchtanklängen und einer Mineralik, die den Santa Cristina zum idealen Begleiter zu Fischgerichten und Meeresfrüchten macht. Und jetzt soll noch einer mal sagen, es lohne nicht, über das Wetter zu reden. Im Wein ist wieder einmal die Wahrheit – auf ihr Wohl!

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